von Yon Essray » 01 Jan 2026, 18:01
Der Platz war überfüllt. Zu überfüllt für eine Stadt wie Düsterhafen. Flüchtlinge aus verbrannten Dörfern, Bürger mit müden Augen, Söldner, die ihre Hände nie weit von den Waffen nahmen. Der Wind roch nach Salz, Rauch und Angst.
Yon Essray stand neben Auron.
Ein dunkler Mantel, schlicht, keine Abzeichen. Für die meisten war er nur ein weiterer Mann, der zu viel gesehen hatte.
Auron de’Raynos trat vor.
Yon hob den Blick.
Die Stimme Aurons schnitt durch das Gemurmel wie eine Klinge. Klar. Fest. Keine Spur von Zweifel. Als der Name Wolfenreich fiel, ging ein Raunen durch die Menge. Als Schattenbund ausgesprochen wurde, ballten sich Fäuste. Und als Auron vom Schutz sprach, nicht von Herrschaft, da spürte Yon, wie etwas klickte, wie ein Zahnrad, das lange blockiert gewesen war.
Gut gesprochen, dachte er. Nicht ehrlich, aber klug.
Yon hörte die Worte, doch er hörte auch das, was zwischen ihnen lag.
Nicht die Ernennung machte Auron zum Baron.
Nicht einmal die Drohung des Schattenbundes.
Es war das Versprechen von Ordnung in einer Welt, die auf ein größeres Chaos zutrieb.
Als Auron Yon nannte – beiläufig, fast nebensächlich, verzog Yon keine Miene. Er blieb Teil der Menge. Beobachter. Prüfer.
Der Schwertbund…
Viele glaubten, es sei eine Bruderschaft des Schutzes. Eine Antwort auf Mord und Intrigen. Ein Bollwerk gegen den Schattenbund.
Yon wusste es besser.
Arachnan war nie ein Gott des Bewahrens gewesen.
Nie ein Gott der Mauern.
Der Glaube war geschaffen worden, um das Ende vorzubereiten. Um Strukturen zu zerbrechen, Gewissheiten zu zerschneiden, damit die Welt reif wurde, reif für ihre Vernichtung.
Und dann kam der Sternenfall.
Nicht das große Nichts.
Nicht das reinigende Ende.
Sondern ein Riss.
Ein Anfang.
Yon spürte es noch immer in seinen Knochen: Das Ziehen, das Flüstern zwischen den Sternen. Etwas hatte überlebt. Etwas hatte gewartet. Der Sternenfall war kein Abschluss gewesen, sondern ein Versprechen, eines, das schlimmer war als jede Apokalypse, die Arachnan je vorgesehen hatte.
Wenn das kommt, dachte Yon, reichen Glauben und Messer nicht mehr.
Auron rief zu den Waffen.
Zu einer Armee.
Und da… lächelte Yon zum ersten Mal.
Nicht sichtbar. Nur in sich selbst.
Endlich versteht jemand es.
Nicht Vernichtung zuerst.
Nicht Offenbarung.
Vorbereitung.
Eine Stadt bewaffnen. Flüchtlinge binden. Loyalität kaufen mit Bürgerecht. Hoffnung geben, wo eigentlich keine sein dürfte. Eine Streitmacht aufbauen, ohne dass sie merkt, wofür sie eines Tages wirklich kämpfen wird.
Das ist kein Widerspruch zu Arachnan, dachte Yon ruhig.
Das ist seine Weiterentwicklung.
Wenn der wahre Schrecken kam das, was nach dem Sternenfall folgen würde, dann würde man keine Propheten brauchen.
Sondern Soldaten.
Yon senkte den Blick, als die Menge jubelte.
Für Düsterhafen.
Für Arachnan.
Und für etwas, dessen Namen noch niemand kannte.
Der Platz war überfüllt. Zu überfüllt für eine Stadt wie Düsterhafen. Flüchtlinge aus verbrannten Dörfern, Bürger mit müden Augen, Söldner, die ihre Hände nie weit von den Waffen nahmen. Der Wind roch nach Salz, Rauch und Angst.
Yon Essray stand neben Auron.
Ein dunkler Mantel, schlicht, keine Abzeichen. Für die meisten war er nur ein weiterer Mann, der zu viel gesehen hatte.
Auron de’Raynos trat vor.
Yon hob den Blick.
Die Stimme Aurons schnitt durch das Gemurmel wie eine Klinge. Klar. Fest. Keine Spur von Zweifel. Als der Name Wolfenreich fiel, ging ein Raunen durch die Menge. Als Schattenbund ausgesprochen wurde, ballten sich Fäuste. Und als Auron vom Schutz sprach, nicht von Herrschaft, da spürte Yon, wie etwas klickte, wie ein Zahnrad, das lange blockiert gewesen war.
Gut gesprochen, dachte er. Nicht ehrlich, aber klug.
Yon hörte die Worte, doch er hörte auch das, was zwischen ihnen lag.
Nicht die Ernennung machte Auron zum Baron.
Nicht einmal die Drohung des Schattenbundes.
Es war das Versprechen von Ordnung in einer Welt, die auf ein größeres Chaos zutrieb.
Als Auron Yon nannte – beiläufig, fast nebensächlich, verzog Yon keine Miene. Er blieb Teil der Menge. Beobachter. Prüfer.
Der Schwertbund…
Viele glaubten, es sei eine Bruderschaft des Schutzes. Eine Antwort auf Mord und Intrigen. Ein Bollwerk gegen den Schattenbund.
Yon wusste es besser.
Arachnan war nie ein Gott des Bewahrens gewesen.
Nie ein Gott der Mauern.
Der Glaube war geschaffen worden, um das Ende vorzubereiten. Um Strukturen zu zerbrechen, Gewissheiten zu zerschneiden, damit die Welt reif wurde, reif für ihre Vernichtung.
Und dann kam der Sternenfall.
Nicht das große Nichts.
Nicht das reinigende Ende.
Sondern ein Riss.
Ein Anfang.
Yon spürte es noch immer in seinen Knochen: Das Ziehen, das Flüstern zwischen den Sternen. Etwas hatte überlebt. Etwas hatte gewartet. Der Sternenfall war kein Abschluss gewesen, sondern ein Versprechen, eines, das schlimmer war als jede Apokalypse, die Arachnan je vorgesehen hatte.
Wenn das kommt, dachte Yon, reichen Glauben und Messer nicht mehr.
Auron rief zu den Waffen.
Zu einer Armee.
Und da… lächelte Yon zum ersten Mal.
Nicht sichtbar. Nur in sich selbst.
Endlich versteht jemand es.
Nicht Vernichtung zuerst.
Nicht Offenbarung.
Vorbereitung.
Eine Stadt bewaffnen. Flüchtlinge binden. Loyalität kaufen mit Bürgerecht. Hoffnung geben, wo eigentlich keine sein dürfte. Eine Streitmacht aufbauen, ohne dass sie merkt, wofür sie eines Tages wirklich kämpfen wird.
Das ist kein Widerspruch zu Arachnan, dachte Yon ruhig.
Das ist seine Weiterentwicklung.
Wenn der wahre Schrecken kam das, was nach dem Sternenfall folgen würde, dann würde man keine Propheten brauchen.
Sondern Soldaten.
Yon senkte den Blick, als die Menge jubelte.
Für Düsterhafen.
Für Arachnan.
Und für etwas, dessen Namen noch niemand kannte.