von Calwei » 22 Aug 2026, 13:14
Der Morgen hatte grau über dem Land gelegen, und selbst als die Sonne höher
stieg, schien ihr Licht nur mühsam durch den Schleier aus Wolken zu dringen. Es war kein Tag, an dem ein vernünftiger Mann lange im Freien verweilen wollte. Ein feuchter Wind strich über die Wege, trug den Geruch von nasser Erde mit sich und ließ die Riemen an Calweis Rüstung leise knarren.
Vielleicht war es gerade deshalb ein guter Tag für Covetous.
Calwei hatte nie viel davon gehalten, vor einem Ort zurückzuweichen, nur weil andere mit gedämpfter Stimme über ihn sprachen. Höhlen waren Höhlen, Monster waren Monster, und Stahl blieb Stahl. So einfach konnte die Welt manchmal sein. Zumindest redete er sich das ein, während er gemeinsam mit seinen Gefährten den Eingang des Dungeons erreichte.
Vor ihnen lag der Schlund im Fels wie ein dunkles Maul. Die Luft, die aus der Tiefe drang, war kälter als die des Tages. Sie roch nach feuchtem Stein, altem Staub und etwas, das sich schwer benennen ließ - einem süßlichen Hauch von Verfall, der sich in den Rachen legte.
Calwei zog den Handschuh seiner Waffenhand fester.
„Na dann“, murmelte er und warf einen Blick zu den anderen. „Je länger wir davorstehen, desto größer wird das Loch auch nicht.“
Ein schiefes Lächeln huschte über sein Gesicht. Es war keine große Rede. Calwei war nie der Mann gewesen, der vor einem Kampf Worte verschwendete, wenn ein fester Griff um die Waffe genügte.
Sie gingen hinein.
Schon nach wenigen Schritten verschluckte Covetous das Licht des Tages. Fackeln wurden entzündet. Ihr Schein kroch über den Fels und ließ Schatten zwischen den Vorsprüngen tanzen. Wasser tropfte irgendwo in regelmäßigen Abständen von der Decke. Jeder Schritt hallte weiter, als er sollte, als trüge der Berg selbst das Geräusch tiefer in sein Inneres.
Die ersten Kreaturen ließen nicht lange auf sich warten.
Ein kehliges Knurren aus einer Seitennische, ein hastiger Ruf, dann das Scharren von Klauen auf Stein. Stahl wurde gezogen. Der enge Gang füllte sich mit Bewegung, Flüchen und dem dumpfen Klang von Treffern. Calwei stand dort, wo er meist stand: nicht weit hinter den Mutigsten und niemals weit genug zurück, um sich später vorwerfen zu müssen, einen anderen für sich bluten gelassen zu haben.
Seine Klinge fand ihr Ziel. Einmal. Zweimal. Ein Körper brach vor ihm zusammen.
„Weiter!“, rief jemand. Und sie gingen weiter.
Mit jedem Gang wurde Covetous enger und zugleich größer. Abzweigungen öffneten sich, verschwanden wieder im Dunkel. Kammern lagen hinter zerborstenen Torbögen. Alte Knochen ruhten in Nischen, manche verstreut, manche noch in einer Ordnung, die an längst vergessene Bestattungen erinnerte. Die Gruppe hielt zusammen, so gut es ging.
Calwei bemerkte zuerst das Geräusch. Kein Knurren. Kein Scharren.
Ein Klacken.
Leise zunächst. Dann vielfach. Knochen auf Stein.
Er hob die Hand und blieb stehen.
„Wartet.“
Die anderen verstummten.
Aus dem Dunkel vor ihnen kam Bewegung. Erst war es nur ein Schatten. Dann glomm etwas auf - ein fahles Licht in leeren Augenhöhlen. Ein Skelett trat in den Fackelschein, eine rostige Waffe in der Hand. Hinter ihm erschien ein zweites.
Dann ein drittes.
Calwei atmete langsam aus.
„Das sind mehr als drei.“
Aus einem Seitengang kam ein heiseres Stöhnen. Hinter ihnen antwortete ein weiteres.
Die Toten kamen nicht wie wilde Tiere. Sie kamen ohne Hast. Ohne Furcht. Ohne Zweifel. Was fiel, wurde von dem nächsten Körper ersetzt. Zwischen bleichen Schädeln schoben sich verrottete Leiber hervor, noch mit Fetzen alter Kleidung und Rüstung behangen. Der Gestank wurde beinahe körperlich.
„Zurück zur letzten Kammer!“, rief Calwei.
Die Gefährten wichen kämpfend zurück. Ein Untoter fiel, ein zweiter stolperte über dessen Gebeine. Für einen kurzen Moment schien es, als ließe sich die Horde in dem engen Gang halten.
Dann bebte der Boden.
Von irgendwo oberhalb löste sich Gestein. Ein Krachen rollte durch den Gang. Staub stob aus den Fugen. Calwei sah noch, wie einer seiner Gefährten sich zu ihm umdrehte.
„Calwei!“
Der Fels zwischen ihnen brach herab.
Es geschah in wenigen Herzschlägen. Ein Teil der Decke stürzte ein, Steine schlugen auf den Boden, Staub nahm jede Sicht. Calwei wurde zur Seite geschleudert. Seine Schulter prallte gegen die Wand, und für einen Moment war da nichts außer einem hohen Pfeifen in seinen Ohren.
Als er wieder Luft bekam, tastete er nach seiner Waffe.„He!“
Keine Antwort.
„Hört ihr mich?“
Jenseits des Gerölls erklangen gedämpfte Stimmen. Er konnte keine Worte verstehen, aber sie waren da.
Lebendig.
Calwei stemmte sich hoch. Ein Stein hatte seinen Armschutz eingedrückt. Blut rann über seine Hand, doch die Finger gehorchten.
Dann hörte er hinter sich wieder das Klacken.
Er wandte sich um.
Im Staub erschienen die ersten Gestalten.
Calwei sah zum Geröll. Dann zu den Toten.
Und begriff, dass Covetous noch lange nicht fertig mit ihnen war.
Der Morgen hatte grau über dem Land gelegen, und selbst als die Sonne höher
stieg, schien ihr Licht nur mühsam durch den Schleier aus Wolken zu dringen. Es war kein Tag, an dem ein vernünftiger Mann lange im Freien verweilen wollte. Ein feuchter Wind strich über die Wege, trug den Geruch von nasser Erde mit sich und ließ die Riemen an Calweis Rüstung leise knarren.
Vielleicht war es gerade deshalb ein guter Tag für Covetous.
Calwei hatte nie viel davon gehalten, vor einem Ort zurückzuweichen, nur weil andere mit gedämpfter Stimme über ihn sprachen. Höhlen waren Höhlen, Monster waren Monster, und Stahl blieb Stahl. So einfach konnte die Welt manchmal sein. Zumindest redete er sich das ein, während er gemeinsam mit seinen Gefährten den Eingang des Dungeons erreichte.
Vor ihnen lag der Schlund im Fels wie ein dunkles Maul. Die Luft, die aus der Tiefe drang, war kälter als die des Tages. Sie roch nach feuchtem Stein, altem Staub und etwas, das sich schwer benennen ließ - einem süßlichen Hauch von Verfall, der sich in den Rachen legte.
Calwei zog den Handschuh seiner Waffenhand fester.
„Na dann“, murmelte er und warf einen Blick zu den anderen. „Je länger wir davorstehen, desto größer wird das Loch auch nicht.“
Ein schiefes Lächeln huschte über sein Gesicht. Es war keine große Rede. Calwei war nie der Mann gewesen, der vor einem Kampf Worte verschwendete, wenn ein fester Griff um die Waffe genügte.
Sie gingen hinein.
Schon nach wenigen Schritten verschluckte Covetous das Licht des Tages. Fackeln wurden entzündet. Ihr Schein kroch über den Fels und ließ Schatten zwischen den Vorsprüngen tanzen. Wasser tropfte irgendwo in regelmäßigen Abständen von der Decke. Jeder Schritt hallte weiter, als er sollte, als trüge der Berg selbst das Geräusch tiefer in sein Inneres.
Die ersten Kreaturen ließen nicht lange auf sich warten.
Ein kehliges Knurren aus einer Seitennische, ein hastiger Ruf, dann das Scharren von Klauen auf Stein. Stahl wurde gezogen. Der enge Gang füllte sich mit Bewegung, Flüchen und dem dumpfen Klang von Treffern. Calwei stand dort, wo er meist stand: nicht weit hinter den Mutigsten und niemals weit genug zurück, um sich später vorwerfen zu müssen, einen anderen für sich bluten gelassen zu haben.
Seine Klinge fand ihr Ziel. Einmal. Zweimal. Ein Körper brach vor ihm zusammen.
„Weiter!“, rief jemand. Und sie gingen weiter.
Mit jedem Gang wurde Covetous enger und zugleich größer. Abzweigungen öffneten sich, verschwanden wieder im Dunkel. Kammern lagen hinter zerborstenen Torbögen. Alte Knochen ruhten in Nischen, manche verstreut, manche noch in einer Ordnung, die an längst vergessene Bestattungen erinnerte. Die Gruppe hielt zusammen, so gut es ging.
Calwei bemerkte zuerst das Geräusch. Kein Knurren. Kein Scharren.
Ein Klacken.
Leise zunächst. Dann vielfach. Knochen auf Stein.
Er hob die Hand und blieb stehen.
„Wartet.“
Die anderen verstummten.
Aus dem Dunkel vor ihnen kam Bewegung. Erst war es nur ein Schatten. Dann glomm etwas auf - ein fahles Licht in leeren Augenhöhlen. Ein Skelett trat in den Fackelschein, eine rostige Waffe in der Hand. Hinter ihm erschien ein zweites.
Dann ein drittes.
Calwei atmete langsam aus.
„Das sind mehr als drei.“
Aus einem Seitengang kam ein heiseres Stöhnen. Hinter ihnen antwortete ein weiteres.
Die Toten kamen nicht wie wilde Tiere. Sie kamen ohne Hast. Ohne Furcht. Ohne Zweifel. Was fiel, wurde von dem nächsten Körper ersetzt. Zwischen bleichen Schädeln schoben sich verrottete Leiber hervor, noch mit Fetzen alter Kleidung und Rüstung behangen. Der Gestank wurde beinahe körperlich.
„Zurück zur letzten Kammer!“, rief Calwei.
Die Gefährten wichen kämpfend zurück. Ein Untoter fiel, ein zweiter stolperte über dessen Gebeine. Für einen kurzen Moment schien es, als ließe sich die Horde in dem engen Gang halten.
Dann bebte der Boden.
Von irgendwo oberhalb löste sich Gestein. Ein Krachen rollte durch den Gang. Staub stob aus den Fugen. Calwei sah noch, wie einer seiner Gefährten sich zu ihm umdrehte.
„Calwei!“
Der Fels zwischen ihnen brach herab.
Es geschah in wenigen Herzschlägen. Ein Teil der Decke stürzte ein, Steine schlugen auf den Boden, Staub nahm jede Sicht. Calwei wurde zur Seite geschleudert. Seine Schulter prallte gegen die Wand, und für einen Moment war da nichts außer einem hohen Pfeifen in seinen Ohren.
Als er wieder Luft bekam, tastete er nach seiner Waffe.„He!“
Keine Antwort.
„Hört ihr mich?“
Jenseits des Gerölls erklangen gedämpfte Stimmen. Er konnte keine Worte verstehen, aber sie waren da.
Lebendig.
Calwei stemmte sich hoch. Ein Stein hatte seinen Armschutz eingedrückt. Blut rann über seine Hand, doch die Finger gehorchten.
Dann hörte er hinter sich wieder das Klacken.
Er wandte sich um.
Im Staub erschienen die ersten Gestalten.
Calwei sah zum Geröll. Dann zu den Toten.
Und begriff, dass Covetous noch lange nicht fertig mit ihnen war.