von Selyndiira Noquar » 23 Sep 2026, 09:39
Ein Feuer ist eine Einladung.
Die Menschen der Oberwelt wissen nichts über die Dunkelheit.
Sie machen ihre Feuer gegen die Kälte, dem Dunkel und sie setzen sich hinein als wären sie zuhause.
Sie glauben, das Licht gehöre ihnen. - Wie Töricht.
Sie sehen nicht, was das Licht macht, es schneidet einen Kreis aus der Dunkelheit um sie herum,
gelb, klein und alles außerhalb wird noch schwärzer. Alles, drumherum, sieht herein, ohne je gesehen zu werden.
Das war die erste Lehre, die die Oberwelt dem Haus Noquar gab. Und sie gab sie zweimal in derselben Nacht.
Der Bericht
Sarkul kam vor dem Morgengrauen zurück zum Lager und Xireth kam mit ihm, keiner von beiden war lauter als der Wind.
Selyndiira ließ sie sprechen.
Sie ließ sie ausreden, was selten war; sie hatte die Erfahrung gemacht, dass Krieger, die man unterbricht, beim nächsten Mal kürzer berichten, als sie sollten.
Also stand sie im Halbdunkel des Höhleneingangs und hörte zu, wie zwei die Schatten die Welt in Stücke zerlegten.
Wasser, ein Bach, schmal, der nicht versiegte. Fährten, die sich kreuzten.
Ein Pfad, breiter als die anderen, nicht befestigt, aber begangen — regelmäßig, von Füßen und von Hufen, an seinem Rand Spuren von Menschen, klein genug für Menschen.
Einen Fußabdruck im feuchten Boden, zu regelmäßig für ein Tier, frisch genug, um wichtig zu sein. Und Rauch...
Drei Menschen an einem Feuer.
Zwei saßen, einer hielt Wache.
Sie hatten sie nicht angerührt.
Der Auftrag war Erkenntnis gewesen, nicht Blut.
Sarkul sagte es ohne Rechtfertigung, wie einer, der einen Befehl erhalten und nicht ausgelegt hat.
Sie sagte nichts dazu. Man lobt einen Sargtlin nicht dafür, dass er einen Befehl versteht.
Dann kam der Teil, an dem Sarkul langsamer sprach.
Zwischen den Bäumen, weiter hinten, hinter den Menschen, hatte sich etwas bewegt.
Einmal. Dann noch einmal, im Laub, so schwach, dass ein schlechteres Auge es verpasst hätte.
Kein Tier... oder eines, das sich nicht wie ein Tier bewegte.
Xireth hatte es auch gesehen.
Sie hatten einen Blick gewechselt und sich zurückgezogen, weit im Bogen, und später, im stiller gewordenen Wald, war ein trockenes Knacken gekommen, und dann nichts mehr.
Etwas, das sie nicht bestimmen konnten.
Selyndiira legte einen Stein in die Schale, zu den anderen, und er lag falsch darin, weil es keine Form hatte.
„Die drei Menschen", wiederholte sie. „Sie werden geholt.
In dieser Nacht. Lebend, alle drei, und leise — wenn einer schreit, soll der Wald es für ein Tier halten.
Nichts bleibt zurück als kalte Asche." Sie sah in die Nacht hinaus, nicht auf die beiden.
„Was sich im Laub bewegt hat, lasst in Ruhe. Man greift nicht nach etwas, von dem man nicht weiß, wie viele Zähne es hat... Noch nicht."
„A'dos quarth."
Und dann, weil ein guter Kundschafter alles berichtet und nicht nur das, was ihn gut aussehen lässt, sagte er den letzten Satz.
Er sagte ihn ohne Betonung, als sei es die kleinste seiner Beobachtungen:
Auf dem Rückweg, noch weit draußen zwischen den Stämmen, hatte er das Lager des Hauses bemerkt.
Feuerlicht, schwach, durch das Unterholz. Und Stimmen, gedämpft, aber da.
Er sagte beides. Das Licht zuerst.
Das eigene Licht
Bel'la", sagte Selyndiira.
Sie sagte es freundlich. Sie sagte fast alles freundlich;
sie hatte früh gelernt, dass eine Stimme, die nie härter wird, weit mehr Aufmerksamkeit bekommt als eine, die schreit, dass Menschen und Drow gleichermaßen auf das Lächeln hören und nicht auf das Wort.
Sarkul und Xireth traten zurück und verschwanden dorthin, wo sie hergekommen waren.
Selyndiira ging ins Lager.
Es brannte klein, in einer Mulde, gut gelegt — ordentlich gelegt, von jemandem, der etwas vom Handwerk verstand.
Darüber hing ein Kessel, und es roch nach gekochtem Moos und nach Rothé, es war beinahe ein Geruch von zu Hause.
„Wem gehört das?"
Es dauerte nur einen Atemzug. Dann trat eine Wanre aus der Gruppe der Bediensteten und kniete: keine Sklavin, aber auch nichts, was einen Rang hatte, den man aussprach.
Eine, die Wasser holte und Fell nähte, Wunden auswusch und das Vieh versorgte.
„Mir, Ilharess."
„Steh auf. Du musst nicht knien, wenn ich mit dir rede."
Selyndiira wartete, bis sie stand, und sah sie an, wie man jemanden ansieht, den man schätzt.
„Du hast es gut gelegt. Das ist kein kleines Lob. Ich habe Sargtlin gesehen, die drei Nächte lang nicht mehr zustande gebracht haben als Rauch."
Die Wanre sagte nichts. Manchmal weiß man, dass man nichts sagen soll, und weiß nicht, warum.
„Die Rothé, nehme ich an. Sie fressen das Moos hier nicht.
Ich habe es kommen sehen; sie werden dünn, wir werden anderes Vieh brauchen."
Selyndiira schaute zum Kessel hinauf, beinahe anerkennend. „Und du hast nicht gewartet, bis es jemand befiehlt.
Das ist selten. Das Haus ist dünn, und wer mitdenkt, ist mehr wert als drei, die auf einen Befehl warten."
Das Haus sammelte sich.
So geht das: Es braucht kein Wort und keinen Ruf; man merkt, wann etwas geschieht, und man ist dort, bevor man darüber nachgedacht hat, warum.
Sie standen im Ring, außerhalb des Feuerscheins, und ihre Augen lagen in der Dunkelheit wie glühende Kohle in der Asche.
Gut. Sie sollten alle hier sein.
„Eine Kleinigkeit ist dabei allerdings zu kurz gekommen", sagte Selyndiira, in genau demselben Ton.
„Ich hatte gesagt, dass niemand von uns ein Feuer macht, das man vom Waldrand aus sieht.
Erinnerst du dich? Es war in der ersten Nacht. Du hast danebengestanden, glaube ich, bei den Tieren."
„Ilharess, ich —"
„Nicht doch." Eine Handbewegung, klein, beruhigend.
„Ich mache dir keinen Vorwurf. Es ist ein Befehl, der unten keinen Sinn ergeben hätte, und wir sind alle noch nicht lange oben.
Unten ist Feuer ein Werkzeug. Es fällt schwer, sich daran zu gewöhnen, dass dasselbe Werkzeug hier ein Ruf in die Dunkelheit ist."
Sie lächelte. Es war kein hässliches Lächeln. Es war das Lächeln einer Frau, die einem zeigt, dass alles in Ordnung ist.
„Und zum Glück ist ja nichts geschehen. Es hat nur einer von uns gesehen. Ein Wald voller Menschen hätte es sehen können, und Menschen, die uns finden, bevor wir sie finden, wären eine unangenehme Nacht geworden... aber es war nur Sarkul, und Sarkul gehört zu uns."
Sie hob die Schultern, ganz leicht. „Also ist es gar nicht schlimm. Ein Feuer kann man löschen. Das ist das Schöne an Feuern."
Die Wanre atmete aus. Man sah es. Man sah, wie etwas in ihr sich löste, das seit dem Wort Befehl festgesessen hatte, sie machte den Fehler, den in diesem Lager jeder gemacht hätte: Sie glaubte ihr.
„Ich lösche es sofort, Ilharess. Erde ist genug da, ich —"
„Erde", sagte Selyndiira, als denke sie darüber nach. „Erde geht. Erde raucht nur so lange, und Rauch spricht fast so laut wie Licht."
Sie sah nachdenklich in die Mulde. „Nein. Wir machen es ordentlich. Es soll ersticken."
Sie wandte den Kopf, ein wenig, zu den zwei Sargtlin, die dem Ring am nächsten standen, sagte es so beiläufig, wie man um Wasser bittet:
„Nehmt sie und legt sie darauf."
Für einen Herzschlag geschah nichts. Nicht weil jemand gezögert hätte sondern weil es einen Moment dauerte, bis ein Satz ankommt, der in demselben Ton gesagt wurde wie das Lob davor.
Dann kamen die beiden.
Die Wanre begriff es, als die erste Hand sie berührte.
Sie sah nicht die Krieger an. Sie sah Selyndiira an, mit offenem Mund, mit dem Blick eines Wesens, das gerade nachrechnet und feststellt, dass die Rechnung die ganze Zeit gestimmt hat und nur sie sie falsch gelesen hat.
„Ich..."
„Ich weiß...", sagte Selyndiira sanft. „Es ist nicht deine Schuld. Du hast an die Tiere gedacht."
Es ging schnell, weil es bei ihr nichts zu lernen gab und Selyndiira nichts ausgab, das nichts brachte.
Ein Griff, ein Ruck, ein Laut, der kürzer war als ein Wort.
Dann hob man sie und legte sie in die Mulde, auf die Glut, sorgfältig, wie man einen Deckel auflegt.
Es zischte. Es roch sofort anders. Das Licht ging aus wie ein Auge das sich schloss.
Niemand im Ring bewegte sich. Das Haus sah zu und das Haus verstand, das war der ganze Zweck.
„Deckt Erde darüber, wenn es kalt ist", sagte Selyndiira völlig emotionslos.
„Und den Kessel nehmt herunter, das Moos ist gar. Es wäre schade drum."
Sie sah in die Runde, ihre Stimme blieb genau so, wie sie die ganze Zeit gewesen war: ruhig, freundlich, ohne jede Schärfe, als spräche sie über das Wetter.
„Sie hat gute Arbeit geleistet, ich sage das ungern über jemanden der gerade eine Mulde abdichtet. Wir werden sie vermissen. Sie hat gut genäht."
Ein kleines, beinahe bedauerndes Nicken.
Und dann, als sie schon halb im Gehen war, über die Schulter, als falle es ihr gerade erst ein:
„Und wenn einer von euch meint, ich hätte es nicht ernst gemeint, weil ich dabei gelächelt habe: Ich lächle immer."
Dann ging sie, hinter ihr blieb ein Lager ohne Licht.
Ein Feuer ist eine Einladung.
Die Menschen der Oberwelt wissen nichts über die Dunkelheit.
Sie machen ihre Feuer gegen die Kälte, dem Dunkel und sie setzen sich hinein als wären sie zuhause.
Sie glauben, das Licht gehöre ihnen. - Wie Töricht.
Sie sehen nicht, was das Licht macht, es schneidet einen Kreis aus der Dunkelheit um sie herum,
gelb, klein und alles außerhalb wird noch schwärzer. Alles, drumherum, sieht herein, ohne je gesehen zu werden.
Das war die erste Lehre, die die Oberwelt dem Haus Noquar gab. Und sie gab sie zweimal in derselben Nacht.
[b][color=#8B0000]Der Bericht[/color][/b]
Sarkul kam vor dem Morgengrauen zurück zum Lager und Xireth kam mit ihm, keiner von beiden war lauter als der Wind.
Selyndiira ließ sie sprechen.
Sie ließ sie ausreden, was selten war; sie hatte die Erfahrung gemacht, dass Krieger, die man unterbricht, beim nächsten Mal kürzer berichten, als sie sollten.
Also stand sie im Halbdunkel des Höhleneingangs und hörte zu, wie zwei die Schatten die Welt in Stücke zerlegten.
Wasser, ein Bach, schmal, der nicht versiegte. Fährten, die sich kreuzten.
Ein Pfad, breiter als die anderen, nicht befestigt, aber begangen — regelmäßig, von Füßen und von Hufen, an seinem Rand Spuren von Menschen, klein genug für Menschen.
Einen Fußabdruck im feuchten Boden, zu regelmäßig für ein Tier, frisch genug, um wichtig zu sein. Und Rauch...
Drei Menschen an einem Feuer.
Zwei saßen, einer hielt Wache.
Sie hatten sie nicht angerührt.
Der Auftrag war Erkenntnis gewesen, nicht Blut.
Sarkul sagte es ohne Rechtfertigung, wie einer, der einen Befehl erhalten und nicht ausgelegt hat.
Sie sagte nichts dazu. Man lobt einen Sargtlin nicht dafür, dass er einen Befehl versteht.
Dann kam der Teil, an dem Sarkul langsamer sprach.
Zwischen den Bäumen, weiter hinten, hinter den Menschen, hatte sich etwas bewegt.
Einmal. Dann noch einmal, im Laub, so schwach, dass ein schlechteres Auge es verpasst hätte.
Kein Tier... oder eines, das sich nicht wie ein Tier bewegte.
Xireth hatte es auch gesehen.
Sie hatten einen Blick gewechselt und sich zurückgezogen, weit im Bogen, und später, im stiller gewordenen Wald, war ein trockenes Knacken gekommen, und dann nichts mehr.
[i]Etwas, das sie nicht bestimmen konnten.[/i]
Selyndiira legte einen Stein in die Schale, zu den anderen, und er lag falsch darin, weil es keine Form hatte.
[i]„Die drei Menschen",[/i] wiederholte sie. „Sie werden geholt.
In dieser Nacht. Lebend, alle drei, und leise — wenn einer schreit, soll der Wald es für ein Tier halten.
Nichts bleibt zurück als kalte Asche." Sie sah in die Nacht hinaus, nicht auf die beiden.
[i]„Was sich im Laub bewegt hat, lasst in Ruhe. Man greift nicht nach etwas, von dem man nicht weiß, wie viele Zähne es hat... Noch nicht."
[/i]
[i]„A'dos quarth."[/i]
Und dann, weil ein guter Kundschafter alles berichtet und nicht nur das, was ihn gut aussehen lässt, sagte er den letzten Satz.
Er sagte ihn ohne Betonung, als sei es die kleinste seiner Beobachtungen:
Auf dem Rückweg, noch weit draußen zwischen den Stämmen, hatte er das Lager des Hauses bemerkt.
Feuerlicht, schwach, durch das Unterholz. Und Stimmen, gedämpft, aber da.
Er sagte beides. Das Licht zuerst.
[b][color=#8B0000]Das eigene Licht[/color][/b]
Bel'la", sagte Selyndiira.
Sie sagte es freundlich. Sie sagte fast alles freundlich;
sie hatte früh gelernt, dass eine Stimme, die nie härter wird, weit mehr Aufmerksamkeit bekommt als eine, die schreit, dass Menschen und Drow gleichermaßen auf das Lächeln hören und nicht auf das Wort.
Sarkul und Xireth traten zurück und verschwanden dorthin, wo sie hergekommen waren.
Selyndiira ging ins Lager.
Es brannte klein, in einer Mulde, gut gelegt — ordentlich gelegt, von jemandem, der etwas vom Handwerk verstand.
Darüber hing ein Kessel, und es roch nach gekochtem Moos und nach Rothé, es war beinahe ein Geruch von zu Hause.
[i]
„Wem gehört das?"[/i]
Es dauerte nur einen Atemzug. Dann trat eine Wanre aus der Gruppe der Bediensteten und kniete: keine Sklavin, aber auch nichts, was einen Rang hatte, den man aussprach.
Eine, die Wasser holte und Fell nähte, Wunden auswusch und das Vieh versorgte.
[i]„Mir, Ilharess."[/i]
[i]„Steh auf. Du musst nicht knien, wenn ich mit dir rede." [/i]
Selyndiira wartete, bis sie stand, und sah sie an, wie man jemanden ansieht, den man schätzt.
[i]„Du hast es gut gelegt. Das ist kein kleines Lob. Ich habe Sargtlin gesehen, die drei Nächte lang nicht mehr zustande gebracht haben als Rauch."[/i]
Die Wanre sagte nichts. Manchmal weiß man, dass man nichts sagen soll, und weiß nicht, warum.
[i]„Die Rothé, nehme ich an. Sie fressen das Moos hier nicht.
Ich habe es kommen sehen; sie werden dünn, wir werden anderes Vieh brauchen." [/i]
Selyndiira schaute zum Kessel hinauf, beinahe anerkennend.[i] „Und du hast nicht gewartet, bis es jemand befiehlt.
Das ist selten. Das Haus ist dünn, und wer mitdenkt, ist mehr wert als drei, die auf einen Befehl warten."[/i]
Das Haus sammelte sich.
So geht das: Es braucht kein Wort und keinen Ruf; man merkt, wann etwas geschieht, und man ist dort, bevor man darüber nachgedacht hat, warum.
Sie standen im Ring, außerhalb des Feuerscheins, und ihre Augen lagen in der Dunkelheit wie glühende Kohle in der Asche.
Gut. Sie sollten alle hier sein.
[i]
„Eine Kleinigkeit ist dabei allerdings zu kurz gekommen", sagte Selyndiira, in genau demselben Ton.
„Ich hatte gesagt, dass niemand von uns ein Feuer macht, das man vom Waldrand aus sieht.
Erinnerst du dich? Es war in der ersten Nacht. Du hast danebengestanden, glaube ich, bei den Tieren."[/i]
[i]„Ilharess, ich —"[/i]
[i]„Nicht doch."[/i] Eine Handbewegung, klein, beruhigend.
[i]„Ich mache dir keinen Vorwurf. Es ist ein Befehl, der unten keinen Sinn ergeben hätte, und wir sind alle noch nicht lange oben.
Unten ist Feuer ein Werkzeug. Es fällt schwer, sich daran zu gewöhnen, dass dasselbe Werkzeug hier ein Ruf in die Dunkelheit ist."[/i]
Sie lächelte. Es war kein hässliches Lächeln. Es war das Lächeln einer Frau, die einem zeigt, dass alles in Ordnung ist.
[i]„Und zum Glück ist ja nichts geschehen. Es hat nur einer von uns gesehen. Ein Wald voller Menschen hätte es sehen können, und Menschen, die uns finden, bevor wir sie finden, wären eine unangenehme Nacht geworden... aber es war nur Sarkul, und Sarkul gehört zu uns." [/i]
Sie hob die Schultern, ganz leicht.[i] „Also ist es gar nicht schlimm. Ein Feuer kann man löschen. Das ist das Schöne an Feuern."[/i]
Die Wanre atmete aus. Man sah es. Man sah, wie etwas in ihr sich löste, das seit dem Wort [i]Befehl[/i] festgesessen hatte, sie machte den Fehler, den in diesem Lager jeder gemacht hätte: Sie glaubte ihr.
[i]„Ich lösche es sofort, Ilharess. Erde ist genug da, ich —"[/i]
[i]„Erde"[/i], sagte Selyndiira, als denke sie darüber nach.[i] „Erde geht. Erde raucht nur so lange, und Rauch spricht fast so laut wie Licht." [/i]
Sie sah nachdenklich in die Mulde.[i] „Nein. Wir machen es ordentlich. Es soll ersticken."[/i]
Sie wandte den Kopf, ein wenig, zu den zwei Sargtlin, die dem Ring am nächsten standen, sagte es so beiläufig, wie man um Wasser bittet:
[i]
„Nehmt sie und legt sie darauf."[/i]
Für einen Herzschlag geschah nichts. Nicht weil jemand gezögert hätte sondern weil es einen Moment dauerte, bis ein Satz ankommt, der in demselben Ton gesagt wurde wie das Lob davor.
Dann kamen die beiden.
Die Wanre begriff es, als die erste Hand sie berührte.
Sie sah nicht die Krieger an. Sie sah Selyndiira an, mit offenem Mund, mit dem Blick eines Wesens, das gerade nachrechnet und feststellt, dass die Rechnung die ganze Zeit gestimmt hat und nur sie sie falsch gelesen hat.
[i]„Ich..."[/i]
[i]„Ich weiß..."[/i], sagte Selyndiira sanft. [i]„Es ist nicht deine Schuld. Du hast an die Tiere gedacht."[/i]
Es ging schnell, weil es bei ihr nichts zu lernen gab und Selyndiira nichts ausgab, das nichts brachte.
Ein Griff, ein Ruck, ein Laut, der kürzer war als ein Wort.
Dann hob man sie und legte sie in die Mulde, auf die Glut, sorgfältig, wie man einen Deckel auflegt.
Es zischte. Es roch sofort anders. Das Licht ging aus wie ein Auge das sich schloss.
Niemand im Ring bewegte sich. Das Haus sah zu und das Haus verstand, das war der ganze Zweck.
[i]
„Deckt Erde darüber, wenn es kalt ist", sagte Selyndiira völlig emotionslos.
„Und den Kessel nehmt herunter, das Moos ist gar. Es wäre schade drum."[/i]
Sie sah in die Runde, ihre Stimme blieb genau so, wie sie die ganze Zeit gewesen war: ruhig, freundlich, ohne jede Schärfe, als spräche sie über das Wetter.
[i]„Sie hat gute Arbeit geleistet, ich sage das ungern über jemanden der gerade eine Mulde abdichtet. Wir werden sie vermissen. Sie hat gut genäht." [/i]
Ein kleines, beinahe bedauerndes Nicken.
Und dann, als sie schon halb im Gehen war, über die Schulter, als falle es ihr gerade erst ein:
„Und wenn einer von euch meint, ich hätte es nicht ernst gemeint, weil ich dabei gelächelt habe: Ich lächle immer."
Dann ging sie, hinter ihr blieb ein Lager ohne Licht.