[Quest] Die dunklen Tage von Britain

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[Quest] Die dunklen Tage von Britain

von Erzaehler » 10 Sep 2026, 19:56

Die Vorkommnisse auf dem Friedhof

In den späten Stunden der Nacht lag der Friedhof von Britain beinahe vollkommen still. Der Lärm der Stadt drang nur noch gedämpft bis zwischen die Grabsteine, und selbst das Licht der wenigen Laternen an den angrenzenden Straßen verlor sich rasch zwischen alten Mauern, Bäumen und verwitterten Monumenten. Es war jene Stunde, in der kaum jemand einen Grund hatte, diesen Ort aufzusuchen.

Dennoch bewegte sich eine einzelne Gestalt zwischen den Gräbern.

Sie trug dunkle Kleidung und hielt sich abseits der Wege. Ihr Gang war weder hastig noch unsicher. Immer wieder blieb sie vor einzelnen Grabstätten stehen, betrachtete die Inschriften und verglich sie offenbar mit einigen Notizen, die sie bei sich führte. Nicht jedes Grab schien von Interesse zu sein. Manche wurden nach einem kurzen Blick verworfen, andere eingehender betrachtet. Besonders die jüngeren Gräber schienen die Aufmerksamkeit des nächtlichen Besuchers auf sich zu ziehen.

Schließlich fiel die Wahl.

Was daraufhin geschah, hatte wenig von der Hast eines gewöhnlichen Grabräubers. Die unbekannte Person arbeitete ruhig und zielgerichtet. Erde wurde beiseitegeschafft, bis der darunterliegende Sarg erreicht werden konnte. Dabei schien es nicht darum zu gehen, Wertgegenstände oder Grabbeigaben an sich zu nehmen. Schmuck, persönliche Gegenstände und alles, was einen gewöhnlichen Dieb hätte interessieren können, blieb zurück.

Das eigentliche Ziel war der Leichnam.

Noch in derselben Nacht wurden weitere Grabstätten geöffnet. Auch hier zeigte sich dasselbe Muster. Die Toten verschwanden, während alles andere weitgehend unangetastet blieb. Die Auswahl schien keineswegs zufällig zu erfolgen. Manche Gräber wurden geöffnet, andere unmittelbar daneben nicht einmal angerührt. Was die unbekannte Gestalt zu ihrer Auswahl bewog, ließ sich von außen nicht erkennen.

Bei aller Sorgfalt ließ sich eine solche Arbeit jedoch nicht vollständig verbergen.
Frisch bewegte Erde unterschied sich selbst im schwachen Licht von einem Grab, das seit Wochen unberührt gelegen hatte. An einigen Stellen waren Abdrücke im feuchten Boden zurückgeblieben. Gras war niedergetreten worden, Erde lag dort, wo sie nicht hingehörte, und an wenigstens einem Grab zeigte das Holz Spuren davon, dass der Sarg nach seiner Bestattung erneut geöffnet worden war. Die Gräber waren anschließend wieder geschlossen worden, doch nicht mit jener Sorgfalt, mit der ein Totengräber seine Arbeit beendet hätte.

Noch vor dem ersten Licht des Morgens verließ die Gestalt den Friedhof.

Mit ihr verschwanden mehrere Tote.

Zurück blieben scheinbar geschlossene Gräber und ein Friedhof, der auf den ersten Blick kaum verändert wirkte. Erst bei genauerem Hinsehen offenbarte sich, dass in dieser Nacht etwas geschehen war. Und spätestens als die ersten Besucher am folgenden Tag zwischen den Grabreihen entlanggingen, ließ sich nicht mehr übersehen, dass einige Stellen ungewöhnlich frisch aufgewühlt wirkten.

Was zunächst wie eine einzelne beschädigte Grabstätte erscheinen mochte, wiederholte sich an anderer Stelle. Dann an einer weiteren.

Mehrere Gräber waren geöffnet worden.

Wertsachen schienen nicht das Ziel gewesen zu sein.

Und dort, wo eigentlich die Toten Britains hätten ruhen sollen, fehlten die Leichname.

Warum jemand ausgerechnet die Körper der Verstorbenen benötigte und wohin sie gebracht worden waren, blieb zunächst unbekannt. Für die Bewohner Britains gab es vorerst nur die sichtbaren Spuren jener Nacht.

Und die beunruhigende Gewissheit, dass jemand begonnen hatte, die Toten aus ihren Gräbern zu holen.

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