[Quest] Die dunklen Tage von Britain

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Erzaehler
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[Quest] Die dunklen Tage von Britain

Beitrag von Erzaehler »

Die Vorkommnisse auf dem Friedhof

In den späten Stunden der Nacht lag der Friedhof von Britain beinahe vollkommen still. Der Lärm der Stadt drang nur noch gedämpft bis zwischen die Grabsteine, und selbst das Licht der wenigen Laternen an den angrenzenden Straßen verlor sich rasch zwischen alten Mauern, Bäumen und verwitterten Monumenten. Es war jene Stunde, in der kaum jemand einen Grund hatte, diesen Ort aufzusuchen.

Dennoch bewegte sich eine einzelne Gestalt zwischen den Gräbern.

Sie trug dunkle Kleidung und hielt sich abseits der Wege. Ihr Gang war weder hastig noch unsicher. Immer wieder blieb sie vor einzelnen Grabstätten stehen, betrachtete die Inschriften und verglich sie offenbar mit einigen Notizen, die sie bei sich führte. Nicht jedes Grab schien von Interesse zu sein. Manche wurden nach einem kurzen Blick verworfen, andere eingehender betrachtet. Besonders die jüngeren Gräber schienen die Aufmerksamkeit des nächtlichen Besuchers auf sich zu ziehen.

Schließlich fiel die Wahl.

Was daraufhin geschah, hatte wenig von der Hast eines gewöhnlichen Grabräubers. Die unbekannte Person arbeitete ruhig und zielgerichtet. Erde wurde beiseitegeschafft, bis der darunterliegende Sarg erreicht werden konnte. Dabei schien es nicht darum zu gehen, Wertgegenstände oder Grabbeigaben an sich zu nehmen. Schmuck, persönliche Gegenstände und alles, was einen gewöhnlichen Dieb hätte interessieren können, blieb zurück.

Das eigentliche Ziel war der Leichnam.

Noch in derselben Nacht wurden weitere Grabstätten geöffnet. Auch hier zeigte sich dasselbe Muster. Die Toten verschwanden, während alles andere weitgehend unangetastet blieb. Die Auswahl schien keineswegs zufällig zu erfolgen. Manche Gräber wurden geöffnet, andere unmittelbar daneben nicht einmal angerührt. Was die unbekannte Gestalt zu ihrer Auswahl bewog, ließ sich von außen nicht erkennen.

Bei aller Sorgfalt ließ sich eine solche Arbeit jedoch nicht vollständig verbergen.
Frisch bewegte Erde unterschied sich selbst im schwachen Licht von einem Grab, das seit Wochen unberührt gelegen hatte. An einigen Stellen waren Abdrücke im feuchten Boden zurückgeblieben. Gras war niedergetreten worden, Erde lag dort, wo sie nicht hingehörte, und an wenigstens einem Grab zeigte das Holz Spuren davon, dass der Sarg nach seiner Bestattung erneut geöffnet worden war. Die Gräber waren anschließend wieder geschlossen worden, doch nicht mit jener Sorgfalt, mit der ein Totengräber seine Arbeit beendet hätte.

Noch vor dem ersten Licht des Morgens verließ die Gestalt den Friedhof.

Mit ihr verschwanden mehrere Tote.

Zurück blieben scheinbar geschlossene Gräber und ein Friedhof, der auf den ersten Blick kaum verändert wirkte. Erst bei genauerem Hinsehen offenbarte sich, dass in dieser Nacht etwas geschehen war. Und spätestens als die ersten Besucher am folgenden Tag zwischen den Grabreihen entlanggingen, ließ sich nicht mehr übersehen, dass einige Stellen ungewöhnlich frisch aufgewühlt wirkten.

Was zunächst wie eine einzelne beschädigte Grabstätte erscheinen mochte, wiederholte sich an anderer Stelle. Dann an einer weiteren.

Mehrere Gräber waren geöffnet worden.

Wertsachen schienen nicht das Ziel gewesen zu sein.

Und dort, wo eigentlich die Toten Britains hätten ruhen sollen, fehlten die Leichname.

Warum jemand ausgerechnet die Körper der Verstorbenen benötigte und wohin sie gebracht worden waren, blieb zunächst unbekannt. Für die Bewohner Britains gab es vorerst nur die sichtbaren Spuren jener Nacht.

Und die beunruhigende Gewissheit, dass jemand begonnen hatte, die Toten aus ihren Gräbern zu holen.
Crovax Donnerhall
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Die Reichsgarde ermittelt

Beitrag von Crovax Donnerhall »

Reichsfeldwebel Crovax Donnerhall hatte die ersten Gerüchte zunächst nicht weiter beachtet. In einer Stadt wie Britain entstanden Geschichten schnell, und gerade Dinge, die sich nachts auf einem Friedhof abgespielt haben sollten, wurden mit jedem Erzähler größer. Von beschädigten Gräbern war die Rede, von offenen Särgen, manche behaupteten gar, Tote seien verschwunden. Solange niemand eine offizielle Meldung machte, blieb es für ihn jedoch genau das: Gerede. Erst als im Laufe des Tages mehrere besorgte Bewohner bei der Reichsgarde vorsprachen und unabhängig voneinander von aufgewühlten Grabstellen berichteten, änderte sich die Lage. Einer der Männer gab an, das Grab eines Verwandten am Morgen in einem Zustand vorgefunden zu haben, der ihm merkwürdig erschienen war. Die Erde habe anders gelegen als zuvor, frischer, unruhiger, an den Rändern teilweise eingesunken. Eine weitere Bewohnerin berichtete von einem benachbarten Grab, an dem es ähnlich ausgesehen habe. Niemand hatte jemanden auf dem Friedhof gesehen, niemand konnte eine Person beschreiben, doch die übereinstimmenden Angaben reichten aus, damit Crovax die Sache selbst überprüfte.
Noch bevor er sich zum Friedhof begab, wandte sich Reichsfeldwebel Crovax Donnerhall an Reichsgardist Thorus Ne'rul. Während Crovax den Tatort selbst in Augenschein nehmen wollte, sollte Thorus die Befragung möglicher Zeugen übernehmen. Er erhielt den Befehl, sich im Umfeld des Friedhofs und in den angrenzenden Straßen umzuhören, Personen ausfindig zu machen, die sich während der Nacht noch draußen aufgehalten hatten, und jede Beobachtung festzuhalten, die mit den Vorkommnissen in Verbindung stehen könnte. Besonders sollte er darauf achten, ob jemand fremde Personen, Licht auf dem Friedhof, ungewöhnliche Geräusche, Fuhrwerke oder andere Auffälligkeiten bemerkt hatte. Crovax machte deutlich, dass auch scheinbar belanglose Aussagen aufgenommen werden sollten. Ob sie von Bedeutung waren, konnte später entschieden werden.

Während Thorus mit der Suche nach möglichen Zeugen begann, machte sich Crovax selbst auf den Weg zum Friedhof. Vor Ort verschaffte er sich zunächst einen Überblick über das Gelände. Er begann nicht sofort bei den gemeldeten Grabstellen, sondern betrachtete zunächst Wege, Zugänge und die nähere Umgebung. Der Boden war an einigen Stellen feucht und weich genug, dass gewöhnliche Spuren hätten erhalten bleiben können. Allerdings waren seit dem Morgen bereits Besucher, Angehörige und Totengräber über Teile des Geländes gegangen, sodass sich nur schwer feststellen ließ, welche Abdrücke aus der vergangenen Nacht stammten und welche erst im Laufe des Tages entstanden waren.
Crovax ließ sich die auffälligen Grabstellen zeigen und untersuchte jede davon einzeln. Bei mehreren Gräbern war deutlich zu erkennen, dass die Erde vor nicht allzu langer Zeit bewegt worden war. Zwar hatte jemand versucht, die Oberfläche wieder zu schließen, doch die Arbeit war nicht sauber genug gewesen, um einen genaueren Blick zu täuschen. Die Erde war lockerer als bei den umliegenden Gräbern, Grasnarben lagen an einigen Stellen verschoben, und die Ränder der Grabstellen wirkten unregelmäßig. An wenigstens einem Grab zeigten sich zudem Beschädigungen am Holz darunter, die darauf hindeuteten, dass der Sarg nach der Bestattung erneut geöffnet worden war.

Crovax ließ schließlich zwei der auffälligsten Gräber überprüfen. Dabei bestätigte sich, was zunächst nur als Gerücht durch Britain gegangen war. Die Särge waren geöffnet worden, und die darin bestatteten Leichname fehlten. Auffällig war jedoch, dass kein gewöhnlicher Grabräuber am Werk gewesen zu sein schien. Persönliche Gegenstände, einfache Schmuckstücke und andere Grabbeigaben waren zurückgelassen worden. Es fehlten die Toten selbst. Crovax nahm diesen Umstand besonders genau zur Kenntnis. Wer sich nachts die Mühe machte, Gräber zu öffnen und anschließend wieder zu schließen, nur um die Leichname zu entfernen, hatte offensichtlich einen anderen Grund als bloße Bereicherung.
Er suchte den unmittelbaren Bereich um die betroffenen Gräber systematisch nach weiteren Hinweisen ab. Im feuchten Boden fanden sich zahlreiche Abdrücke, doch keiner davon ließ sich mit Sicherheit der Tatnacht zuordnen. Werkzeugspuren waren entweder zu undeutlich oder durch die nachfolgenden Arbeiten bereits teilweise verwischt worden. Es gab keine zurückgelassenen Werkzeuge, keine Stoffreste, keine persönlichen Gegenstände und keine eindeutigen Schleifspuren, aus denen sich hätte erkennen lassen, auf welchem Weg die Leichname vom Friedhof geschafft worden waren. Auch über die Anzahl der Täter ließ sich nichts sagen. Es war ebenso möglich, dass eine einzelne Person mit genügend Zeit gearbeitet hatte, wie dass mehrere Beteiligte gemeinsam vorgegangen waren.

Während Crovax den Friedhof untersuchte, führte Thorus Ne'rul die angeordneten Befragungen durch. Totengräber, Bewohner der angrenzenden Straßen und Personen, die angaben, in der betreffenden Nacht noch spät unterwegs gewesen zu sein, wurden nach möglichen Beobachtungen gefragt. Die Ergebnisse blieben jedoch dürftig. Niemand hatte eine verdächtige Person auf dem Friedhof gesehen. Ein Bewohner glaubte, in der Nacht ein dumpfes Geräusch gehört zu haben, konnte jedoch weder die genaue Zeit noch die Richtung bestimmen. Ein anderer berichtete, Hunde hätten ungewöhnlich lange angeschlagen, doch auch daraus ließ sich nichts Verwertbares ableiten. Niemand konnte von Licht auf dem Friedhof berichten, niemand hatte ein verdächtiges Fuhrwerk gesehen, und niemand konnte eine Person nennen oder beschreiben, die mit den geöffneten Gräbern in Verbindung gebracht werden konnte.
Nachdem Crovax seine Untersuchung vor Ort abgeschlossen hatte und die Ergebnisse der Befragungen durch Thorus zusammengetragen worden waren, blieb nur ein ernüchterndes Bild. Mehrere Gräber waren nachweislich geöffnet worden. Aus den betroffenen Särgen fehlten die Leichname. Hinweise auf gewöhnlichen Diebstahl lagen nicht vor, da Wertgegenstände und Grabbeigaben zurückgelassen worden waren. Verwertbare Spuren am Tatort konnten nicht gesichert werden. Die vorhandenen Abdrücke ließen sich aufgrund des nachfolgenden Besucherverkehrs nicht eindeutig zuordnen. Es gab weder glaubwürdige Augenzeugen noch eine Beschreibung möglicher Täter. Auch über Anzahl, Motiv und Fluchtrichtung ließ sich keine belastbare Aussage treffen.

Am Abend setzte sich Crovax daran, die bisherigen Erkenntnisse für den Hauptmann in einem Bericht zusammenzufassen. Der Sachverhalt ließ sich trotz aller Gerüchte recht knapp festhalten: Mehrere Gräber auf dem Friedhof von Britain waren in der Nacht geöffnet worden, die darin bestatteten Leichname fehlten, Wertgegenstände waren zurückgelassen worden. Die Befragung möglicher Zeugen hatte keine verwertbaren Hinweise erbracht. Am Tatort hatten sich keine eindeutigen Spuren sichern lassen, die Rückschlüsse auf Täter, Anzahl der Beteiligten oder deren weiteren Weg ermöglichten.

Crovax las den Bericht ein letztes Mal, ehe er ihn versah und zur Weitergabe vorbereitete.

Ermittlung gegen Unbekannt.

Mehr ließ sich zu diesem Zeitpunkt nicht feststellen. Die Gräber waren geschändet worden, die Toten verschwunden, und wer auch immer dafür verantwortlich war, hatte nichts zurückgelassen, das unmittelbar zu ihm führte. Für die Reichsgarde blieb damit vorerst nur, den Vorgang festzuhalten, weitere Meldungen aufmerksam zu verfolgen und darauf zu achten, ob sich auf dem Friedhof oder an anderer Stelle in Britain ein ähnliches Muster wiederholen würde.
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Shezar
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Re: [Quest] Die dunklen Tage von Britain

Beitrag von Shezar »

Ein Bericht unter vielen

Der Nachmittag war bereits weit fortgeschritten, als Shezar noch immer an seinem Schreibtisch saß. Das Dienstzimmer unterschied sich deutlich von jenem verborgenen Gewölbe tief unter den Straßen Britains, in dem er einen beträchtlichen Teil seiner Nächte verbrachte. Hier gab es keine anatomischen Zeichnungen zwischen alchemistischen Gerätschaften, keine konservierten Präparate und keine Leichname auf schwarzem Stein. Stattdessen lagen vor ihm die alltäglichen Angelegenheiten einer Stadt und ihrer Garde: Schreiben von Bürgern, Wachpläne, Meldungen über kleinere Zwischenfälle, Anträge, Beschwerden und jene Berichte, die aufgrund seiner Stellung früher oder später auf seinem Tisch landeten. Als Bürgermeister von Britain und Hauptmann der Reichsgarde war es Shezars Aufgabe, Entscheidungen zu treffen, die andere zuvor vorbereitet hatten. Manche Vorgänge benötigten lediglich seine Kenntnisnahme. Bei anderen waren weitere Ermittlungen anzuordnen, zusätzliche Kräfte einzusetzen oder Maßnahmen zu verfügen. Wieder andere endeten hier, wenn sich weder ein hinreichender Verdacht noch ein sinnvoller Ermittlungsansatz ergeben hatte.

Es klopfte an der Tür. Auf Shezars Aufforderung trat der an diesem Tag für den Schriftverkehr eingeteilte Reichsgardist ein. Unter seinem Arm trug er eine schmale Mappe mit den jüngsten Berichten aus der Wachstube. „Die letzten Meldungen des Tages, Herr Hauptmann.“ Shezar hob nur kurz den Blick von dem Schreiben, das vor ihm lag. „Legt sie dort ab.“ Der Gardist trat an den Schreibtisch, legte die Unterlagen auf die dafür vorgesehene Seite und entfernte sich nach einer knappen Verabschiedung wieder. Erst als die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen war, zog Shezar die Mappe zu sich.

Es war Routine. Genau das machte den Vorgang so gewöhnlich. Ein Bericht über einen Streit, bei dem keine weiteren Maßnahmen notwendig erschienen. Eine Meldung über einen nächtlichen Zwischenfall, dessen Beteiligte bereits festgestellt worden waren. Ein Vorgang, bei dem Shezar am Rand einige Worte für eine ergänzende Befragung notierte. Die Schreiben wanderten nacheinander von einer Seite seines Tisches auf die andere, versehen mit kurzen Anmerkungen, Unterschriften oder den notwendigen Anweisungen für das weitere Vorgehen. Dann nahm er das nächste Blatt aus der Mappe.

Schon die ersten Zeilen ließen seine Hand für einen kaum merklichen Augenblick ruhen.

Friedhof von Britain.

Shezar las weiter.

Mehrere Gräber waren während der Nacht geöffnet worden. Aus den betroffenen Särgen fehlten die darin bestatteten Leichname. Wertgegenstände und Grabbeigaben waren zurückgelassen worden, weshalb ein gewöhnlicher Diebstahl als Motiv zumindest fragwürdig erschien. Reichsfeldwebel Crovax Donnerhall hatte den Tatort persönlich in Augenschein genommen und Reichsgardist Thorus Ne'rul mit der Suche nach möglichen Zeugen sowie deren Befragung beauftragt. Die bisherigen Ermittlungen hatten keine verwertbaren Ergebnisse erbracht. Niemand hatte einen Täter gesehen. Niemand konnte eine verdächtige Person beschreiben. Geräusche, die einzelne Bewohner in der Nacht gehört haben wollten, ließen sich weder zeitlich noch örtlich zuverlässig zuordnen. Auch die Untersuchung des Friedhofs hatte keine eindeutigen Spuren ergeben. Die vorhandenen Fußabdrücke waren durch Besucher und Totengräber nicht mehr zuverlässig der Tatzeit zuzuordnen. Werkzeugspuren ließen keine Rückschlüsse auf eine bestimmte Person zu. Es gab keine zurückgelassenen Gegenstände und keinen Hinweis darauf, auf welchem Weg die verschwundenen Leichname abtransportiert worden waren.

Shezar las den Bericht vollständig. Jede einzelne Feststellung.

Ermittlung gegen Unbekannt.

Sein Blick blieb einen Moment auf den letzten Zeilen ruhen. Crovax hatte sauber gearbeitet. Der Friedhof war überprüft worden, mögliche Zeugen waren gesucht und befragt worden, die vorhandenen Spuren waren bewertet worden. Es gab gegenwärtig keinen Namen, keinen Verdächtigen und keinen brauchbaren Ermittlungsansatz. Unter gewöhnlichen Umständen hätte Shezar vermutlich eine kurze Verfügung daruntergesetzt. Weitere Ermittlungen bei neuen Erkenntnissen. Vorgang zunächst offenhalten. Vielleicht zusätzliche Aufmerksamkeit der nächtlichen Streifen im Umfeld des Friedhofs. Nichts Außergewöhnliches.

Nur waren die Umstände nicht gewöhnlich.

Shezar wusste, wer die Gräber geöffnet hatte.

Er wusste, weshalb die Wertgegenstände noch dort lagen.

Und er wusste auch, wohin die verschwundenen Toten gebracht worden waren.

Sein Gesicht zeigte nichts davon.

Shezar legte den Bericht auf den Schreibtisch und nahm für einen Augenblick die Feder zur Hand. Die Spitze schwebte über dem unteren Rand des Blattes. Eine Verfügung zur Fortführung der Ermittlungen wäre leicht gewesen. Ebenso hätte er den Vorgang mangels weiterer Ansätze vorläufig einstellen können. Beides hätte auf dem Papier vollkommen gewöhnlich ausgesehen.

Doch jedes Schriftstück besaß die unangenehme Eigenschaft, erhalten zu bleiben. Shezar legte die Feder wieder ab.

Er nahm stattdessen den Bericht in die Hand und erhob sich. Ohne Hast ging er durch das Dienstzimmer. Seine Schritte führten ihn an den Regalen und den ordentlich abgelegten Akten vorbei bis zu dem Kamin, in dem ein ruhiges Feuer brannte. Noch während er darauf zuging, zerriss er den Bericht.

Einmal. Dann ein zweites Mal.

Die einzelnen Stücke hielt er noch einen Augenblick zwischen den Fingern, bevor er sie in die Flammen fallen ließ.

Das trockene Papier fing schnell Feuer. Zuerst rollten sich die Ränder zusammen, dann fraß sich das Orange der Flammen durch die Schrift. Der Name des Friedhofs verschwand, anschließend die Feststellungen der Reichsgarde, die Aussagen der Befragten und schließlich die letzten Zeilen der Ermittlung gegen Unbekannt. Shezar blieb vor dem Kamin stehen, bis aus dem Bericht nur noch dunkle, zerfallende Reste geworden waren.

Shezar wandte sich vom Kamin ab und ging zu seinem Platz zurück. Die nächste Akte lag bereits vor ihm. Er schlug sie auf, nahm die Feder wieder zur Hand und setzte seine Arbeit fort.

Im Kamin zerfiel der letzte Rest des Berichts zu Asche.
Erzaehler
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Die Vermissten von Britain

Beitrag von Erzaehler »

In den folgenden Tagen ereigneten sich in Britain mehrere zunächst voneinander unabhängige Vorfälle. Menschen, die zuvor regelmäßig an bestimmten Orten der Stadt anzutreffen gewesen waren, erschienen nicht mehr. Zunächst betraf es einige der Obdachlosen, die in den Straßen Britains lebten und ihren Lebensunterhalt durch Almosen bestritten. Zwei von ihnen hatten seit längerer Zeit beinahe täglich dieselben Plätze aufgesucht. Ein weiterer hielt sich gewöhnlich im Bereich des Marktes auf. Innerhalb weniger Tage blieben ihre gewohnten Plätze leer. Keiner der drei kehrte dorthin zurück.

Wenig später wurde ein weiterer Bewohner Britains vermisst. Ein Minenarbeiter hatte seine Arbeit wie gewöhnlich angetreten und seine Schicht beendet. Andere Arbeiter hatten ihn an diesem Tag noch gesehen. Anschließend machte er sich auf den Heimweg, erreichte sein Zuhause jedoch nicht. Auch in den folgenden Stunden und am nächsten Morgen kehrte er nicht zurück. Eine Suche entlang seines gewöhnlichen Weges blieb ohne Ergebnis.

Einige Tage darauf verschwand ein Holzfäller, der am Morgen zum Arbeiten in den Wald außerhalb der Stadt aufgebrochen war. Als er nicht zurückkehrte, wurde nach ihm gesucht. An seinem üblichen Arbeitsort fand man schließlich seine Axt. Wenige Schritte davon entfernt lag ein Beutel mit Proviant, den er für den Arbeitstag mitgenommen hatte. Von dem Holzfäller selbst fehlte jede Spur.
Damit waren innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit mehrere Menschen aus Britain und der unmittelbaren Umgebung verschwunden. Zwischen den einzelnen Fällen bestand zunächst keine erkennbare Verbindung. Die Vermissten gingen unterschiedlichen Tätigkeiten nach und waren zuletzt an verschiedenen Orten gesehen worden. Es lagen weder Berichte über gemeinsame Begleiter noch über eine Person vor, die im Zusammenhang mit mehreren der Vermissten aufgefallen wäre.

Zurück blieben lediglich die Orte, an denen man sie gewöhnlich gesehen hatte: die inzwischen leeren Plätze der Bettler in den Straßen Britains, der nicht zurückgekehrte Arbeitsplatz des Minenarbeiters und im Wald eine zurückgelassene Axt neben einem Beutel mit Proviant.

Von den Vermissten selbst fehlte jede Spur.
Crovax Donnerhall
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Die Vermisstenanzeige

Beitrag von Crovax Donnerhall »

Reichsfeldwebel Crovax Donnerhall saß in der Wachstube und ging den aktuellen Schichtplan durch. Zwei Streifen waren bereits unterwegs, eine weitere sollte zur Abendstunde aufbrechen. Er prüfte die eingeteilten Gardisten, die vorgesehenen Wege und die Zeiten ihrer Rückkehr. Während seiner Schicht führte er die Wachstube, koordinierte die Streifen und war für die Bürger Britains ansprechbar. Nur bei wichtigen Zwischenfällen verließ er seinen Platz, um selbst nach dem Rechten zu sehen.

Manchmal vermisste er die Streifengänge. Draußen verging die Zeit schneller, selbst wenn man stundenlang nichts anderes tat, als dieselben Straßen abzugehen. Doch diese Zeiten waren für ihn vorbei. Die regelmäßigen Streifen gehörten nun in der Regel zu den Aufgaben der einfachen Reichsgardisten. Crovax setzte gerade eine Änderung im Schichtplan an den Rand des Blattes, als es an der Tür klopfte.

„Herein.“
Ein Mann trat ein, hielt jedoch gleich hinter der Schwelle inne. Seine Kleidung war schlicht und staubig, und er drehte eine Mütze zwischen den Händen. Crovax legte die Feder beiseite und deutete auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch. „Was führt Euch zur Reichsgarde?“

Der Mann setzte sich nicht. „Mein Bruder ist verschwunden“, sagte er. „Er arbeitet in der Mine. Vorgestern hat man ihn nach seiner Schicht noch gesehen, aber zu Hause ist er nie angekommen. Wir haben den Weg abgesucht. Seine Freunde gefragt. Niemand weiß, wo er ist.“

Crovax zog ein leeres Blatt heran. Er ließ sich den Namen des Vermissten nennen, sein Alter, seine Beschreibung und die Kleidung, die er zuletzt getragen hatte. Dann fragte er nach der Schicht, nach dem üblichen Heimweg und danach, wer ihn als Letzter gesehen hatte. Der Mann beantwortete alles, was er konnte. Als Crovax wissen wollte, ob sein Bruder Streit mit jemandem gehabt oder angekündigt hatte, die Stadt zu verlassen, schüttelte er den Kopf.

Es war die dritte Vermisstenanzeige in dieser Woche. Bei den ersten beiden hatte sich noch vermuten lassen, dass die Betroffenen weitergezogen waren, ohne jemandem Bescheid zu geben. Doch nun fehlte auch ein Mann, der nach seiner Arbeit auf dem Heimweg gewesen war. Drei Fälle innerhalb weniger Tage warfen Fragen auf, die Crovax nicht länger beiseiteschieben konnte.

„Man redet schon darüber“, sagte der Bürger, als Crovax die Angaben noch einmal mit ihm durchging. „Am Markt heißt es, dass Leute einfach verschwinden. Keiner will am Abend noch allein unterwegs sein.“
Crovax sah von seinem Blatt auf. „Hat jemand etwas beobachtet, das mit Eurem Bruder zu tun haben könnte?“

„Nein. Sonst wäre ich doch längst bei Euch gewesen.“

Crovax nickte und schrieb auch das nieder. Die Sorge des Mannes war verständlich; die Gespräche auf dem Markt würden weitere Gerüchte hervorbringen. Bislang gab es in keinem der drei Fälle eine Spur, die zeigte, wohin die Vermissten gegangen waren oder ob ihnen etwas zugestoßen war. Ebenso wenig ließ sich sagen, ob die Fälle zusammenhingen. Dass sie sich innerhalb einer Woche häuften, konnte er dennoch nicht übersehen.
Nachdem der Mann gegangen war, holte Crovax eine Karte von Britain hervor. Er markierte den Ort, an dem der Minenarbeiter zuletzt gesehen worden war, und betrachtete die beiden anderen Einträge, die er in den vergangenen Tagen gesetzt hatte. Die Markierungen lagen an verschiedenen Orten der Stadt. Auf der Karte zeichnete sich kein gemeinsamer Weg ab. Crovax blieb eine Weile davor stehen, dann setzte er sich wieder und fasste die drei Anzeigen in einem Bericht zusammen. Er hielt fest, was über jede vermisste Person bekannt war, wer sie zuletzt gesehen hatte und welche Nachfragen bereits ohne Ergebnis geblieben waren. Die Vermutung eines Zusammenhangs nahm er ausdrücklich als offene Frage auf.

Als Schichtführer konnte er die Streifen anweisen, auf Meldungen und mögliche Zeugen zu achten. Für weitergehende Ermittlungen wollte er dem Hauptmann jedoch erst die gesammelten Angaben vorlegen. Solange kein Hinweis auf eine unmittelbare Gefahr vorlag, hatte dieser über das weitere Vorgehen zu entscheiden. Crovax versah den Bericht mit seinem Namen und legte ihn zu den Unterlagen, die noch am selben Tag weitergegeben werden sollten. Danach wandte er sich wieder dem Schichtplan zu. Die nächste Streife musste bald aufbrechen.
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Shezar
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Re: [Quest] Die dunklen Tage von Britain

Beitrag von Shezar »

Shezar stand vor dem Kamin und sah zu, wie das Papier verbrannte.

Die Flammen hatten bereits die Hälfte des Blattes erfasst. An den Rändern krümmte es sich nach innen; die Schrift wurde braun, dann schwarz und verschwand. Shezar hielt ein Glas Wein in der Hand. Er trank einen Schluck und beobachtete, wie auch die letzten Zeilen Feuer fingen. Erst als das Blatt in sich zusammenfiel, wandte er sich ab.

Ein paar Stunden zuvor hatte es an der Tür seines Dienstzimmers geklopft. Der Reichsgardist, der an diesem Tag die Berichte überbrachte, trat mit einer Mappe unter dem Arm ein.

Shezar deutete auf den freien Platz am Rand seines Schreibtisches. Der Gardist legte die Mappe dort ab, verabschiedete sich und schloss die Tür hinter sich. Shezar beendete zunächst die Verfügung, an der er gearbeitet hatte. Dann zog er die Berichte zu sich.

Er ging sie der Reihe nach durch. Eine Beschwerde über nächtlichen Lärm, die bereits geklärt war. Ein Streit zwischen zwei Händlern, zu dem noch eine Aussage fehlte. Eine Meldung der Abendstreife, die keiner weiteren Anweisung bedurfte. Shezar las, setzte knappe Vermerke an die Ränder und legte jedes Blatt auf den passenden Stapel.

Dann nahm er Crovax Donnerhalls Bericht zur Hand.

Drei Vermisstenanzeigen innerhalb einer Woche. Bei zwei der Betroffenen hatte man zunächst angenommen, sie seien weitergezogen. Der dritte, ein Minenarbeiter, war nach seiner Schicht nicht zu Hause angekommen. Sein Bruder hatte den gewöhnlichen Heimweg abgesucht und Bekannte befragt, ohne etwas zu erfahren. Crovax hatte die letzten bekannten Aufenthaltsorte auf einer Karte markiert und keinen gemeinsamen Weg feststellen können. Ob die Fälle zusammenhingen, ließ er offen.

Shezar las den Bericht bis zum Ende. Er wusste, warum diese Menschen vermisst wurden. Ohne eine Anmerkung daraufzusetzen, erhob er sich, ging zum Kamin und warf das Blatt ins Feuer..
Erzaehler
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Re: [Quest] Die dunklen Tage von Britain

Beitrag von Erzaehler »

In den ersten Tagen bemerkte kaum jemand, dass mit Britain etwas nicht stimmte. Die Stadt lebte weiter wie gewohnt. Händler öffneten ihre Läden, Handwerker gingen ihrer Arbeit nach, die Wachen bezogen ihre Posten und in den Tavernen wurde bis in die Nacht getrunken und geredet. Ein erschöpfter Arbeiter, ein hustender Händler oder jemand, der früher als gewöhnlich nach Hause ging, war nichts Besonderes. Erst als sich solche Fälle häuften, begann man ihnen Beachtung zu schenken.

Die ersten Erkrankten klagten vor allem über eine ungewöhnliche Müdigkeit. Sie wachten erschöpft auf, obwohl sie ausreichend geschlafen hatten, und Tätigkeiten, die ihnen sonst leichtfielen, kosteten plötzlich deutlich mehr Kraft. Bald kam ein beständiges Frösteln hinzu. Manche trugen selbst an milden Tagen dicke Kleidung, ihre Hände waren kalt und ihre Stirn bisweilen warm. Das auftretende Fieber blieb meist schwach und wechselhaft, sodass viele weiterhin ihrer Arbeit nachgingen.

Nach einigen Tagen wurde die Krankheit auch äußerlich sichtbar. Die Haut verlor ihre gesunde Farbe und wurde zunehmend blass. Unter den Augen lagen dunkle Schatten, die Lippen wirkten farblos und die Gesichtszüge müde und eingefallen. Bei stärker Erkrankten nahm die Haut schließlich einen eigentümlichen graugrünen Ton an. Besonders bei Kerzenlicht wirkte diese Verfärbung ungesund und beinahe leichenhaft, doch die Betroffenen selbst verhielten sich weiterhin eindeutig wie die Menschen, die ihre Nachbarn und Familien seit Jahren kannten.
Hinzu kamen Schmerzen in Muskeln und Gelenken. Manche beschrieben ein dumpfes Ziehen in Armen und Beinen, andere eine zunehmende Steifheit ihrer Hände. Bewegungen wurden langsamer, weniger aus mangelnder Kontrolle als aus Erschöpfung. Auch Schwindel trat häufiger auf, besonders wenn die Erkrankten schnell aufstanden oder sich körperlich anstrengten. Bei vielen ließ außerdem der Appetit nach. Speisen, die sie sonst gern gegessen hatten, erschienen geschmacklos, und Mahlzeiten blieben häufiger unangetastet. Gleichzeitig klagten manche über trockene Lippen und starken Durst. Auch der Schlaf brachte kaum Erholung. Die Kranken wachten in der Nacht immer wieder auf, froren unter ihren Decken oder schwitzten stark und sahen am folgenden Morgen oft erschöpfter aus als am Abend zuvor.

Mit der körperlichen Erschöpfung veränderte sich bei vielen auch die Stimmung. Die Erkrankten wurden schneller gereizt und reagierten auf Kleinigkeiten ungewöhnlich scharf. Ein zu langsamer Kunde, ein versehentliches Anrempeln auf dem Markt oder eine harmlose Bemerkung konnte genügen, um eine mürrische Antwort oder einen kurzen Streit auszulösen. Manche verloren schneller die Geduld mit ihren Kindern, andere fuhren Freunde oder Kollegen wegen Dingen an, über die sie früher hinweggesehen hätten. Es war keine grundlose Raserei und auch kein völliger Wandel der Persönlichkeit. Vielmehr wirkte es, als lägen die Nerven der Erkrankten ständig blank. Schmerzen, Schlafmangel und die anhaltende Schwäche machten sie unruhig, reizbar und zunehmend schwerer im Umgang.
Gerade in den Tavernen und auf den Märkten fiel dies zuerst auf. Streitigkeiten über Preise wurden lauter als gewöhnlich, Beleidigungen fielen schneller und manche Unterhaltung endete plötzlich in bösem Schweigen. Wachleute mussten häufiger zwischen Bürger treten, ohne dass es dabei zu ungewöhnlicher Gewalt kam. Meist genügte ein scharfes Wort oder die Aufforderung, auseinanderzugehen. Kurz darauf wirkte mancher Erkrankte selbst verwundert über die eigene Heftigkeit und entschuldigte sich, während andere lediglich wortlos davongingen.

Die Heiler Britains behandelten die ersten Fälle zunächst wie gewöhnliche Fiebererkrankungen. Sie verordneten Ruhe, Kräuter, stärkende Tränke und leichte Nahrung. Manche Erkrankte schienen sich daraufhin für einige Stunden oder sogar einen ganzen Tag zu erholen, doch die Beschwerden kehrten zurück. Auch die Reizbarkeit schien an besseren Tagen nachzulassen und wurde stärker, sobald Müdigkeit und Schmerzen zurückkehrten. Die Krankheit verlief nicht schnell genug, um sofort Panik auszulösen, aber sie verschwand auch nicht.

Mit jedem weiteren Tag wurden mehr Menschen betroffen. Ein Händler fehlte plötzlich an seinem Stand, ein Wachmann musste während seiner Schicht abgelöst werden, ein Stallknecht konnte kaum noch einen Eimer tragen. Bald waren die Kranken nicht mehr zu übersehen. Zwischen den gewöhnlichen Bürgern Britains erschienen immer häufiger Menschen mit müden Augen, langsamen Bewegungen, angespannten Gesichtszügen und jener auffälligen blassgrünen Haut.
Trotzdem ging das Leben weiter. Die meisten Erkrankten blieben ansprechbar und gingen, solange ihre Kräfte es zuließen, ihren täglichen Pflichten nach. Sie grüßten ihre Nachbarn, handelten auf dem Markt, beklagten sich über ihre Beschwerden und kehrten am Abend zu ihren Familien zurück. Nur wurde aus einem freundlichen Gruß häufiger ein knappes Nicken, aus einem kleinen Ärger schneller ein Streit und aus gewöhnlicher Ungeduld bisweilen offene Gereiztheit. Es gab keine auffälligen Übergriffe und keine Anzeichen dafür, dass die Erkrankten die Kontrolle über sich verloren. Was Britain erlebte, sah zu diesem Zeitpunkt weiterhin wie eine ungewöhnlich hartnäckige Krankheit aus.

Mit der steigenden Zahl der Erkrankten wuchs jedoch die Unruhe. Immer häufiger blieben Menschen stehen, wenn ein besonders blasser Bürger an ihnen vorbeiging. Eltern zogen ihre Kinder näher zu sich, Händler beobachteten hustende oder sichtbar erschöpfte Kunden misstrauisch und manche Wirte baten Erkrankte, sich nicht zu lange in ihren Schankräumen aufzuhalten. Dazu kam die zunehmende Spannung zwischen den Menschen. Gesunde Bürger gingen den Kranken häufiger aus dem Weg, während einige Erkrankte empfindlich darauf reagierten, angestarrt oder gemieden zu werden. So entstanden kleine Auseinandersetzungen, lange bevor jemand wusste, ob von den Betroffenen überhaupt eine Gefahr ausging.

Niemand wusste, ob die Krankheit gefährlich war. Niemand wusste, wie lange sie dauern würde. Sicher war nur, dass die Zahl der Erkrankten weiter zunahm.

Und mit jedem neuen Morgen waren auf den Straßen Britains mehr jener fahlen, grünlich verfärbten und zunehmend reizbaren Gesichter zu sehen.
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Shezar
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Die Lage in Britain

Beitrag von Shezar »

Die Lage in Britain

Shezar hatte sich angewöhnt, die Berichte aus der Stadt am frühen Morgen zu lesen, noch bevor die gewöhnlichen Amtsgeschäfte begannen. Meist handelte es sich um Beschwerden über beschädigte Straßen, Streitigkeiten zwischen Händlern, Meldungen der Stadtwache oder Anfragen aus den Zünften. Seit einigen Tagen lag jedoch jeden Morgen ein weiteres Blatt zwischen den übrigen Schreiben. Zunächst hatte er diesem kaum Bedeutung beigemessen. Drei erkrankte Wachleute, mehrere Händler, die ihre Stände nicht geöffnet hatten, und ein Handwerker, dessen gesamter Haushalt mit Fieber und ungewöhnlicher Erschöpfung im Bett lag. Nichts davon war ungewöhnlich genug gewesen, um die Aufmerksamkeit eines Bürgermeisters länger zu beanspruchen. Krankheiten gehörten zum Leben einer großen Stadt, und dort, wo Menschen dicht beieinander lebten, konnte sich ein Fieber rasch durch mehrere Häuser ziehen.

Am folgenden Morgen waren es bereits mehr Erkrankte. Nicht dramatisch mehr, aber genug, dass Shezar die Zahlen ein zweites Mal las. Weitere Ausfälle unter den Wachen, mehrere Erkrankte unter den Bediensteten städtischer Einrichtungen und Berichte von Heilern, die von einer ungewöhnlichen Häufung ähnlicher Beschwerden sprachen. Die Betroffenen klagten über Müdigkeit, hohes Fieber, Gelenkschmerzen und Appetitlosigkeit. Hinzu kam eine zunehmend auffällige Blässe, die bei manchen Erkrankten einen gräulich grünen Ton annahm. Shezar ließ die Meldungen sammeln und verlangte am dritten Tag nicht mehr nur die Namen erkrankter städtischer Bediensteter, sondern eine Zusammenstellung sämtlicher Fälle, die den Heilern, der Wache oder den zuständigen Schreibern bekannt geworden waren.

Die Zahlen waren unvollständig. Viele Bürger suchten überhaupt keinen Heiler auf, solange sie noch arbeiten konnten, andere blieben schlicht zu Hause. Dennoch zeichnete sich ein Muster ab, das ihm nicht gefiel. Die Zahl der Erkrankten stieg mit jedem Tag, während nur wenige als vollständig genesen gemeldet wurden. Nach einer Woche ließ Shezar eine eigene Mappe mit der Aufschrift „Krankheitsfälle innerhalb Britains“ anlegen. Der Stapel darin wuchs schneller als erwartet. Am Morgen wurden ihm die neuen Zahlen vorgelegt, mittags kamen Nachmeldungen und am Abend fanden sich weitere Schreiben auf seinem Schreibtisch. Die Stadtwache meldete zunehmende Ausfälle, Händler beklagten fehlende Gehilfen und Werkstätten arbeiteten mit verringerter Besetzung. Selbst unter den Schreibern des Rathauses gab es inzwischen erste Erkrankte.

Shezar begann, die Berichte selbst miteinander zu vergleichen. Nicht aus Misstrauen gegenüber seinen Beamten, sondern weil er wissen wollte, ob die Entwicklung tatsächlich so gleichmäßig verlief, wie es zunächst den Anschein hatte. Die Aufstellungen ließen daran kaum noch Zweifel. Mit jedem Tag kamen weitere Erkrankte hinzu, und die Zahl der Genesenen blieb deutlich dahinter zurück. Noch gab es keine Hinweise auf eine außergewöhnlich hohe Sterblichkeit, doch gerade das machte die Lage schwer einzuschätzen. Die Menschen fielen nicht plötzlich tot auf den Straßen um. Viele gingen weiterhin ihren Geschäften nach, solange ihre Kräfte es zuließen, und so blieb die Krankheit trotz der steigenden Zahlen zunächst beinahe alltäglich.

Inzwischen war sie jedoch im gesamten Stadtbild sichtbar. Shezar musste nur aus dem Rathaus treten, um auf dem Platz immer häufiger jene fahlen Gestalten mit müden Augen und grünlich blasser Haut zu sehen. Manche stützten sich beim Gehen ab, andere bewegten sich langsam und steif. Auch die Gereiztheit, von der ihm die Wache inzwischen regelmäßig berichtete, war kaum zu übersehen. Streitigkeiten auf den Märkten und in den Tavernen hatten zugenommen. Nichts davon war bislang ungewöhnlich gewalttätig, doch selbst sonst ruhige Bürger reagierten auf Kleinigkeiten schneller ungehalten oder aggressiv.

Am Ende der zweiten Woche konnte Shezar die Angelegenheit nicht länger als gewöhnliche Krankheitswelle behandeln. Es gab zu viele Fälle, zu wenig erkennbare Besserung und vor allem keine Erklärung. Die Berichte der Heiler widersprachen einander. Manche sprachen von einer Fiebererkrankung, andere von einer Vergiftung und wieder andere vermuteten eine bislang unbekannte Krankheit. Die üblichen Heilmittel zeigten keine verlässliche Wirkung. Ein Patient schien sich nach einem Trank zu bessern, während ein anderer unter derselben Behandlung keinerlei Veränderung zeigte.

Für die Stadtverwaltung wurde die Situation zunehmend problematisch. Eine bekannte Krankheit ließ sich einschätzen, doch ohne gesicherte Erkenntnisse über die Natur der gegenwärtigen Erkrankung konnten kaum geeignete Maßnahmen beschlossen werden. Zugleich mussten die Versorgung der Stadt, die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und der Dienstbetrieb der Wache gewährleistet bleiben. Britain konnte es sich nicht leisten, tatenlos zuzusehen, während täglich weitere Bürger erkrankten.

Als am folgenden Morgen erneut eine aktualisierte Aufstellung auf seinem Schreibtisch lag, las Shezar die Zahl der neu gemeldeten Fälle und verglich sie mit den vorherigen Berichten. Anschließend legte er die Unterlagen beiseite. Die gewöhnlichen Amtsgeschäfte würden warten müssen. Er entschloss sich, einen Krisenstab einzuberufen, um die bisherigen Erkenntnisse zusammenzutragen und das weitere Vorgehen abzustimmen. Dazu wollte er nicht nur Vertreter der Stadtverwaltung, sondern auch die Kirche Tyraels und eine anerkannte Forscherin des Arkanen hinzuziehen.

Shezar nahm frisches Pergament zur Hand und verfasste zunächst ein Schreiben an die Paladine des Mondes.

An die Paladine des Mondes,

in Britain ist während der vergangenen Tage eine zunehmende Zahl bislang ungeklärter Erkrankungen aufgetreten. Die Betroffenen zeigen übereinstimmend starke Erschöpfung, hohes Fieber, körperliche Schmerzen sowie eine auffällige Blässe und Verfärbung der Haut. Inzwischen sind zahlreiche Haushalte sowie Angehörige verschiedener Berufsstände betroffen, und täglich werden weitere Fälle gemeldet.

Der Ursprung dieser Erkrankung ist derzeit unbekannt. Die bisher durchgeführten gewöhnlichen Behandlungen zeigen keine verlässliche Wirkung, weshalb weder eine natürliche noch eine anderweitig verursachte Erkrankung mit Sicherheit angenommen werden kann.

Als Bürgermeister Britains sehe ich mich daher veranlasst, einen Krisenstab einzuberufen, um die vorliegenden Erkenntnisse zusammenzutragen und das weitere Vorgehen der Stadt abzustimmen.

Ich ersuche die Paladine des Mondes, zu diesem Zweck geeignete Abgesandte als Vertreter der Kirche Tyraels nach Britain zu entsenden.

Die Zusammenkunft findet am Sonntag um 20 Uhr im Rathaus zu Britain statt.



Shezar

Bürgermeister von Britain


Nachdem Shezar das Schreiben versiegelt und zur Zustellung beiseitegelegt hatte, nahm er ein zweites Pergament zur Hand. Dieses richtete er an Lady Bareti, deren anerkannte Erfahrung als Forscherin des Arkanen für die anstehende Beratung von besonderem Wert sein konnte.

An Lady Bareti,

in Britain breitet sich gegenwärtig eine bislang unbekannte Erkrankung aus. Die Zahl der gemeldeten Fälle steigt täglich, während Ursprung und genaue Natur der Krankheit weiterhin ungeklärt sind.

Neben ausgeprägter körperlicher Schwäche und hohem Fieber zeigen viele Betroffene eine auffällige Veränderung ihrer Hautfarbe sowie zunehmende Gereiztheit. Gewöhnliche Behandlungen haben bislang keine verlässlichen Ergebnisse erbracht.

Da zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden kann, dass neben einer natürlichen Ursache auch arkane Einflüsse eine Rolle spielen, möchte ich Eure anerkannte Erfahrung als Forscherin des Arkanen hinzuziehen.

Ich berufe daher für Sonntag um 20 Uhr im Rathaus zu Britain einen Krisenstab ein und bitte Euch, an dieser Zusammenkunft teilzunehmen. Ziel ist es, die bisherigen Beobachtungen gemeinsam auszuwerten, mögliche Ursachen einzugrenzen und weitere Untersuchungen zu beschließen.

Eure Anwesenheit und fachliche Einschätzung wären hierbei von großem Wert.

Shezar
Bürgermeister von Britain


Nachdem beide Schreiben versiegelt und ihre Zustellung veranlasst worden waren, wandte sich Shezar erneut den Unterlagen auf seinem Schreibtisch zu. Vor ihm lag die aktuelle Liste der Erkrankten. Die Zahl vom Vortag war bereits durch die heutige übertroffen worden, und noch bevor der Abend anbrach, würden vermutlich weitere Meldungen eintreffen.

Er nahm die Feder ein letztes Mal zur Hand und hielt auf einem gesonderten Pergament die wichtigsten Punkte für die bevorstehende Zusammenkunft fest: bekannte Symptome, Entwicklung der Krankenzahlen, bisherige Behandlungen, mögliche Gemeinsamkeiten der Erkrankten sowie die Untersuchung auf arkane oder karmatische Einflüsse. Daneben ließ er ausreichend Platz für die Erkenntnisse und Vorschläge der geladenen Vertreter.

Bis zu deren Eintreffen blieb ihm nur, die Entwicklung weiterhin aufmerksam verfolgen und die städtischen Einrichtungen über die zunehmenden Krankheitsfälle unterrichten zu lassen. Die Berichte mussten fortlaufend ergänzt werden, damit dem Krisenstab am Sonntag eine möglichst vollständige Übersicht zur Verfügung stand.

Shezar legte die Feder nieder und schloss die Mappe. Für den Augenblick waren die notwendigen Schritte eingeleitet. Doch die Krankheit nahm darauf keine Rücksicht. Während im Rathaus die Vorbereitungen für die Zusammenkunft begannen, würden in den Häusern und auf den Straßen Britains weitere Menschen erkranken.

Und mit jedem neuen Bericht würde die Zahl auf seinem Schreibtisch weiter steigen.
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Shezar
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Die Lage in Britain

Beitrag von Shezar »

Ein weiterer Fachmann

Nachdem Shezar die Schreiben an die Paladine des Mondes und Lady Bareti versiegelt hatte, wandte er sich erneut den Berichten über die Erkrankten zu. Die steigenden Zahlen ließen ihn nicht zur Ruhe kommen. Neben den medizinischen und arkanen Untersuchungen erschien es ihm notwendig, auch die städtische Infrastruktur genauer prüfen zu lassen. Insbesondere die Brunnen, Wasserläufe und alten Abwasserkanäle Britains verdienten Aufmerksamkeit, selbst wenn bislang kein Zusammenhang mit der Erkrankung nachgewiesen worden war.

Dabei kam ihm Ulaf Runendonner in den Sinn. Der Zwerg hatte bereits bei früheren Bauvorhaben seine Kenntnisse als Geode unter Beweis gestellt und war mit der Beschaffenheit des Erdreichs, dem Grundwasser und der Planung unterirdischer Anlagen vertraut. Shezar wusste, dass Ulaf Zusammenhänge erkennen konnte, die anderen verborgen blieben. Er beschloss daher, auch ihn zum Krisenstab hinzuzuziehen und mit einer Untersuchung des städtischen Wassersystems zu betrauen.

Shezar nahm ein weiteres Pergament und begann zu schreiben.

An Ulaf Runendonner,

in Britain breitet sich gegenwärtig eine bislang unbekannte Erkrankung aus. Die Zahl der Betroffenen steigt täglich, während die Ursache weiterhin ungeklärt ist. Die bisherigen Untersuchungen haben noch keine verlässlichen Erkenntnisse erbracht.

Neben medizinischen und arkanen Untersuchungen halte ich es daher für notwendig, auch die Wasserversorgung und das Abwassersystem der Stadt überprüfen zu lassen. Aufgrund Eurer Erfahrung als Geode und Eurer Kenntnisse über unterirdische Anlagen möchte ich Euch mit dieser Aufgabe betrauen.

Ich lade Euch ein, am Sonntag um 20 Uhr im Rathaus zu Britain an dem von mir einberufenen Krisenstab teilzunehmen. Dort sollen die bisherigen Erkenntnisse zusammengetragen und das weitere Vorgehen abgestimmt werden.

Eure fachliche Einschätzung und Unterstützung wären für die Stadt von großem Wert.

Shezar
Bürgermeister von Britain


Shezar versiegelte das Schreiben und veranlasste dessen Zustellung.
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Drache
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Eine unerwartete Einladung

Beitrag von Drache »

Bareti hatte das Schreiben zunächst für eine der inzwischen üblichen Nachrichten gehalten, die ihren Weg in die Taverne fanden. Eine Bestellung vielleicht, eine Anfrage oder irgendeine jener Angelegenheiten, bei denen jemand offenbar der Meinung war, eine Wirtin müsse zwangsläufig über alles Bescheid wissen, was zwischen Britain und Moonglow geschah.

Entsprechend beiläufig hatte sie das Siegel gebrochen.

Schon nach den ersten Zeilen wich diese Beiläufigkeit jedoch einer deutlich aufmerksameren Miene. Bareti stellte den Becher, den sie bis dahin noch in der Hand gehalten hatte, auf der Theke ab und zog das Pergament ein wenig näher zu sich.

Eine Krankheit in Britain war ihr nicht gänzlich unbekannt. Gerüchte fanden ihren Weg schließlich tatsächlich schnell in eine Taverne, und wenn Händler, Reisende und Abenteurer über dieselben Dinge sprachen, pflegte Bareti zumindest zuzuhören. Dass die Lage inzwischen offenbar ernst genug war, einen Krisenstab einzuberufen, war allerdings eine andere Sache.

Noch bemerkenswerter war, dass ausgerechnet sie daran teilnehmen sollte.

Ihre Brauen wanderten ein Stück nach oben.

„Anerkannte Erfahrung als Forscherin des Arkanen …“

Die Worte wurden leise wiederholt, während ihr Blick ein zweites Mal über die entsprechende Passage wanderte.

Sie wusste durchaus, was sie konnte. Falsche Bescheidenheit war ihr ebenso fremd wie übertriebene Selbstgefälligkeit. Sie hatte Jahre mit arkaner Forschung verbracht, mit Dingen experimentiert, die vernünftigere Menschen vermutlich lieber unangetastet gelassen hätten, und mehr als einmal festgestellt, dass eine vermeintlich einfache magische Erscheinung alles andere als einfach gewesen war.

Trotzdem war es etwas anderes, sich selbst für eine brauchbare Forscherin zu halten oder vom Bürgermeister Britains zu einem Krisenstab gebeten zu werden, weil ebenjene Kenntnisse für die Stadt von Bedeutung sein könnten.

Bareti lehnte sich mit der Hüfte gegen die Theke und las das Schreiben ein drittes Mal. Die Verwunderung blieb doch langsam mischte sich etwas anderes darunter - Neugier.

Eine Erkrankung, deren Ursprung niemand kannte. Gewöhnliche Behandlungen ohne verlässliche Wirkung. Auffällige körperliche Veränderungen. Und zumindest die Möglichkeit, dass etwas Arkanes daran beteiligt war.

Sie verzog nachdenklich den Mund.

„Nun … wenn das nicht interessant klingt.“

Der Gedanke wurde beinahe augenblicklich von einem etwas ernsteren verdrängt. Interessant mochte die Sache für eine Forscherin sein. Für jene Menschen, die daran erkrankt waren, dürfte sich die Begeisterung deutlich in Grenzen halten. Immerhin sprach der Bericht bisher nicht von Verstorbenen, was an sich eine gute Sache war.

Bareti löste sich von der Theke, holte Feder, Tinte und ein frisches Blatt hervor und setzte sich an einen der Tische. Wenn ihre Kenntnisse tatsächlich helfen konnten, etwas Licht in die Angelegenheit zu bringen, gab es wenig Grund, die Einladung abzulehnen. Und wenn nicht, würde sie zumindest versuchen, etwas beizutragen. Nach kurzem Überlegen setzte sie die Feder an.


───── ✦ ───── ⋆⋅☆⋅⋆ ───── ✦ ─────

An Bürgermeister Shezar,

Euer Schreiben hat mich erreicht, und ich gestehe, dass Eure Einladung mich ein wenig überrascht hat. Gleichwohl danke ich Euch für das Vertrauen, das Ihr mit ihr in meine Kenntnisse und meine Forschung setzt.

Die von Euch geschilderten Umstände erscheinen in der Tat ungewöhnlich. Solange ein arkaner Einfluss weder bestätigt noch ausgeschlossen werden kann, halte auch ich eine genauere Untersuchung in dieser Richtung für angebracht. Ob meine Kenntnisse dabei tatsächlich zur Klärung der Ursache beitragen können, vermag ich zu diesem Zeitpunkt selbstverständlich nicht zu sagen. Ich werde jedoch gern alles beisteuern, was mir möglich ist.

Eurer Einladung zum Krisenstab am Sonntag zur achten Abendstunde werde ich daher folgen und mich im Rathaus zu Britain einfinden.

Sollten bereits vor der Zusammenkunft Aufzeichnungen über den Verlauf der Erkrankung, einzelne Krankheitsfälle oder sonstige ungewöhnliche Beobachtungen vorliegen, wäre ich Euch verbunden, wenn diese für die gemeinsame Beratung bereitgehalten würden.

Hochachtungsvoll
Lady Bareti

Bareti las die Antwort noch einmal durch, streute etwas Sand über die frische Tinte und wartete, bis sie sicher sein konnte, dass nichts mehr verwischte. Dann faltete sie das Schreiben und versiegelte es.

Für einen Moment blieb ihr Blick auf dem Brief liegen. Ein Krisenstab. Sie schüttelte leicht den Kopf und konnte sich ein kleines, noch immer etwas ungläubiges Schmunzeln nicht verkneifen.

„Na, das kann ja heiter werden.“

Wenig später machte sich ihre Antwort auf den Weg nach Britain.
- Bareti, Wirtin der Taverne
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