Die Schwarze Weihe
Verfasst: 07 Aug 2026, 16:39
Als Coragor aus der Tiefe zurückkehrte, war an seiner Gestalt kaum etwas verändert. Dieselben Knochen trugen dieselben Narben. Dieselbe Rüstung lag schwer auf seinen Schultern. Und doch blieb sein Mentor mitten im Gang stehen, als Coragor an ihm vorübergehen wollte. Sein Blick ruhte auf der Klinge an Coragors Seite. Ein matter, dunkler Schimmer lag noch immer auf dem Stahl.
'Er hat geantwortet', sagte der Ritter. Es war keine Frage. Coragor wandte den Schädel zu ihm. 'Ja.' Mehr musste er nicht sagen.
Noch in derselben Nacht wurde die Nachricht an die Ältesten des Ordens getragen. Doch niemand rief Coragor sofort zur Weihe. Drei Tage vergingen. Drei Tage, in denen er trainierte wie zuvor. Kein Bruder behandelte ihn anders. Niemand nannte ihn Paladin. Gerade darin lag die letzte Lektion: Eine Antwort des Lichelords war kein Schmuckstück, mit dem man sich vor anderen erhob.
Am vierten Abend öffneten sich die Türen zur Halle der Schwarzen Weihe. Coragor kannte diesen Ort bereits aus Erzählungen. Schwarzer Basalt bildete Boden und Wände. In den Stein waren Namen eingeritzt - Ritter, Kleriker und Paladine, deren Dienst lange vor Coragors Erwachen geendet hatte. Zwischen den Säulen brannten niedrige Flammen. Kein Licht fiel von außen herein.
Der Großmeister stand vor dem Altar. Zu beiden Seiten hatten sich die Mitglieder des Ordens versammelt. Coragor trat in die Mitte der Halle. Sein altes Schwert trug er offen in beiden Händen.
'Coragor', begann der Großmeister. 'Du hast gelernt zu kämpfen. Du hast gelernt, Befehle zu prüfen und einen Eid zu tragen. Du hast den Unterschied zwischen Zorn und Pflicht erkannt. All das kann einen Ritter formen.' Er ließ die Worte verhallen. 'Doch wir können keinen Paladin erschaffen.'
Coragor antwortete nicht.
'Ein Orden kann lehren. Ein Orden kann prüfen. Ein Orden kann Rang und Rüstung verleihen. Aber wenn die Macht eines Paladins nur aus seinem Orden käme, wäre sein Glaube nichts als ein Wappen auf Stahl.' Der Großmeister trat eine Stufe vom Altar herab. 'Darum frage ich dich nicht, ob du unsere Prüfungen bestanden hast.'
Sein Blick ruhte auf Coragor. 'Vor wem hast du gekniet?'
'Vor meinem Erschaffer.'
'Wer nahm deinen Eid?'
'Der Lichelord.'
'Wen erkennst du über ihm?'
'Westen, Norden und Süden. Die Drei Großen, deren Gesandter er ist.'
Ein leises Echo wanderte durch die Halle. Der Großmeister stellte die nächste Frage.
'Wem gehört deine Klinge?'
Coragor sah auf das Schwert in seinen Händen. 'Seinem Auftrag.'
Dann kam die letzte Frage. 'Und wem gehört dein Wille?'
Einige der anwesenden Ritter hoben den Blick. Coragor wusste, dass eine einfache Antwort erwartet werden konnte. Dem Lichelord. Dem Orden. Den Drei Großen. Doch keine davon wäre wahr gewesen.
'Mir.'
Stille.
Coragor hob den Schädel. 'Denn nur deshalb besitzt mein Eid einen Wert. Der Nekromant nahm meinen Willen und erhielt Gehorsam. Der Lichelord ließ mir meinen Willen - und erhielt meinen Glauben.'
Der Großmeister betrachtete ihn lange. Dann nickte er. 'So soll es sein.'
Coragor legte sein altes Schwert auf den Altar. Es war die Waffe eines Kriegers gewesen, später die eines Schülers. Sie hatte ihn durch seine ersten bewussten Entscheidungen begleitet. Nun ließ er sie los.
Zwei Ordensbrüder traten vor und brachten Teile einer geschwärzten Rüstung. Nicht jeder Panzer war neu. Manche Platten trugen Kerben und Spuren früherer Besitzer. Der Orden versprach keine Unsterblichkeit. Er erinnerte seine Träger daran, dass jeder Dienst irgendwann endete.
Eine Platte nach der anderen wurde angelegt. Brust, Schultern, Arme, Beine. Auf dem Metall befanden sich Zeichen des Ordens und Symbole, die Coragor an seinen Glauben erinnerten. Doch kein Zeichen beanspruchte, die Quelle seiner Macht zu sein.
Zuletzt brachte der Großmeister eine dunkle Klinge. Er hielt sie jedoch zurück. 'Bevor du diese Waffe trägst, sollst du wissen, was sie bedeutet. Sie macht dich nicht zum Paladin. Deine Rüstung macht dich nicht zum Paladin. Auch ich mache dich nicht zum Paladin.'
Coragor blickte ihn an.
'Wir erkennen lediglich an, was zwischen dir und deinem Erschaffer geschehen ist.'
Der Großmeister reichte ihm die Klinge.
In dem Augenblick, in dem Coragors Finger den Griff umschlossen, sprach er kein Zauberwort. Er versuchte nicht, die Kraft herbeizuzwingen. Stattdessen senkte er den Kopf. 'Lichelord. Mein Eid besteht.'
Für einen kurzen Augenblick zog sich ein dunkler Schimmer über den Stahl. Mehr nicht. Doch jeder in der Halle sah ihn.
Der Großmeister trat zurück. 'Dann erhebe dich, Coragor.'
Coragor stand auf.
'Nicht als Diener eines Nekromanten. Nicht als namenloser Krieger. Nicht mehr nur als Ritter unseres Ordens.'
Die Flammen an den Wänden flackerten.
'Erhebe dich als Dunkler Paladin.'
Coragor richtete sich vollständig auf. Kein Jubel folgte. Die Ritter schlugen lediglich ihre gepanzerten Fäuste gegen die Brust. Ein dumpfer Schlag erfüllte die Halle, dann ein zweiter, bis der gesamte Raum davon widerhallte.
Coragor blickte auf seine neue Klinge. Früher hatte er geglaubt, dieser Augenblick würde das Ende seines Weges darstellen. Nun verstand er, wie wenig er begriffen hatte.
Die Weihe war kein Ende.
Sie war die Verpflichtung, von nun an jeden Schritt an dem Eid messen zu lassen, den der Lichelord angenommen hatte.
'Er hat geantwortet', sagte der Ritter. Es war keine Frage. Coragor wandte den Schädel zu ihm. 'Ja.' Mehr musste er nicht sagen.
Noch in derselben Nacht wurde die Nachricht an die Ältesten des Ordens getragen. Doch niemand rief Coragor sofort zur Weihe. Drei Tage vergingen. Drei Tage, in denen er trainierte wie zuvor. Kein Bruder behandelte ihn anders. Niemand nannte ihn Paladin. Gerade darin lag die letzte Lektion: Eine Antwort des Lichelords war kein Schmuckstück, mit dem man sich vor anderen erhob.
Am vierten Abend öffneten sich die Türen zur Halle der Schwarzen Weihe. Coragor kannte diesen Ort bereits aus Erzählungen. Schwarzer Basalt bildete Boden und Wände. In den Stein waren Namen eingeritzt - Ritter, Kleriker und Paladine, deren Dienst lange vor Coragors Erwachen geendet hatte. Zwischen den Säulen brannten niedrige Flammen. Kein Licht fiel von außen herein.
Der Großmeister stand vor dem Altar. Zu beiden Seiten hatten sich die Mitglieder des Ordens versammelt. Coragor trat in die Mitte der Halle. Sein altes Schwert trug er offen in beiden Händen.
'Coragor', begann der Großmeister. 'Du hast gelernt zu kämpfen. Du hast gelernt, Befehle zu prüfen und einen Eid zu tragen. Du hast den Unterschied zwischen Zorn und Pflicht erkannt. All das kann einen Ritter formen.' Er ließ die Worte verhallen. 'Doch wir können keinen Paladin erschaffen.'
Coragor antwortete nicht.
'Ein Orden kann lehren. Ein Orden kann prüfen. Ein Orden kann Rang und Rüstung verleihen. Aber wenn die Macht eines Paladins nur aus seinem Orden käme, wäre sein Glaube nichts als ein Wappen auf Stahl.' Der Großmeister trat eine Stufe vom Altar herab. 'Darum frage ich dich nicht, ob du unsere Prüfungen bestanden hast.'
Sein Blick ruhte auf Coragor. 'Vor wem hast du gekniet?'
'Vor meinem Erschaffer.'
'Wer nahm deinen Eid?'
'Der Lichelord.'
'Wen erkennst du über ihm?'
'Westen, Norden und Süden. Die Drei Großen, deren Gesandter er ist.'
Ein leises Echo wanderte durch die Halle. Der Großmeister stellte die nächste Frage.
'Wem gehört deine Klinge?'
Coragor sah auf das Schwert in seinen Händen. 'Seinem Auftrag.'
Dann kam die letzte Frage. 'Und wem gehört dein Wille?'
Einige der anwesenden Ritter hoben den Blick. Coragor wusste, dass eine einfache Antwort erwartet werden konnte. Dem Lichelord. Dem Orden. Den Drei Großen. Doch keine davon wäre wahr gewesen.
'Mir.'
Stille.
Coragor hob den Schädel. 'Denn nur deshalb besitzt mein Eid einen Wert. Der Nekromant nahm meinen Willen und erhielt Gehorsam. Der Lichelord ließ mir meinen Willen - und erhielt meinen Glauben.'
Der Großmeister betrachtete ihn lange. Dann nickte er. 'So soll es sein.'
Coragor legte sein altes Schwert auf den Altar. Es war die Waffe eines Kriegers gewesen, später die eines Schülers. Sie hatte ihn durch seine ersten bewussten Entscheidungen begleitet. Nun ließ er sie los.
Zwei Ordensbrüder traten vor und brachten Teile einer geschwärzten Rüstung. Nicht jeder Panzer war neu. Manche Platten trugen Kerben und Spuren früherer Besitzer. Der Orden versprach keine Unsterblichkeit. Er erinnerte seine Träger daran, dass jeder Dienst irgendwann endete.
Eine Platte nach der anderen wurde angelegt. Brust, Schultern, Arme, Beine. Auf dem Metall befanden sich Zeichen des Ordens und Symbole, die Coragor an seinen Glauben erinnerten. Doch kein Zeichen beanspruchte, die Quelle seiner Macht zu sein.
Zuletzt brachte der Großmeister eine dunkle Klinge. Er hielt sie jedoch zurück. 'Bevor du diese Waffe trägst, sollst du wissen, was sie bedeutet. Sie macht dich nicht zum Paladin. Deine Rüstung macht dich nicht zum Paladin. Auch ich mache dich nicht zum Paladin.'
Coragor blickte ihn an.
'Wir erkennen lediglich an, was zwischen dir und deinem Erschaffer geschehen ist.'
Der Großmeister reichte ihm die Klinge.
In dem Augenblick, in dem Coragors Finger den Griff umschlossen, sprach er kein Zauberwort. Er versuchte nicht, die Kraft herbeizuzwingen. Stattdessen senkte er den Kopf. 'Lichelord. Mein Eid besteht.'
Für einen kurzen Augenblick zog sich ein dunkler Schimmer über den Stahl. Mehr nicht. Doch jeder in der Halle sah ihn.
Der Großmeister trat zurück. 'Dann erhebe dich, Coragor.'
Coragor stand auf.
'Nicht als Diener eines Nekromanten. Nicht als namenloser Krieger. Nicht mehr nur als Ritter unseres Ordens.'
Die Flammen an den Wänden flackerten.
'Erhebe dich als Dunkler Paladin.'
Coragor richtete sich vollständig auf. Kein Jubel folgte. Die Ritter schlugen lediglich ihre gepanzerten Fäuste gegen die Brust. Ein dumpfer Schlag erfüllte die Halle, dann ein zweiter, bis der gesamte Raum davon widerhallte.
Coragor blickte auf seine neue Klinge. Früher hatte er geglaubt, dieser Augenblick würde das Ende seines Weges darstellen. Nun verstand er, wie wenig er begriffen hatte.
Die Weihe war kein Ende.
Sie war die Verpflichtung, von nun an jeden Schritt an dem Eid messen zu lassen, den der Lichelord angenommen hatte.