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Kampf um Düsterhafen
Verfasst: 29 Dez 2025, 20:34
von Auron De'Raynos
Rede von Auron de’Rayno vor dem Rathaus zu Düsterhafen
Bürger Düsterhafens!
Und ihr Flüchtlinge, die Schutz hinter unseren Mauern gefunden habt!
Die Zeiten sind finster. Die Familie Wolfenreich wird in Britain gebraucht, um das Reich vor den Schatten zu schützen. Darum hat man mich, Auron de’Rayno, zum Baron von Düsterhafen ernannt. Nicht um zu herrschen – sondern um zu schützen.
An meiner Seite stehen Yon Essray und Thoradin, zu meiner Linken Darinto und Lucio Fernandez. Männer, die bereit sind, für diese Stadt zu kämpfen.
Der Schattenbund schleicht durch unsere Stadt. Er bringt Mord, Zwietracht und Furcht. Das werden wir nicht dulden. Nicht hier. Nicht heute.
Darum rufe ich euch zu den Waffen! Steht auf für eure Heimat, für eure Familien, für Düsterhafen!
Und hört mein Wort: Jeder Flüchtling, der an unserer Seite kämpft, erhält das Bürgerrecht von Düsterhafen. Kein Fremder soll er bleiben – sondern einer von uns.
Hebt die Waffen!
Für Düsterhafen!
Für Arachnan gegen die Schattenbund !
Re: Kampf um Düsterhafen
Verfasst: 01 Jan 2026, 18:01
von Yon Essray
Der Platz war überfüllt. Zu überfüllt für eine Stadt wie Düsterhafen. Flüchtlinge aus verbrannten Dörfern, Bürger mit müden Augen, Söldner, die ihre Hände nie weit von den Waffen nahmen. Der Wind roch nach Salz, Rauch und Angst.
Yon Essray stand neben Auron.
Ein dunkler Mantel, schlicht, keine Abzeichen. Für die meisten war er nur ein weiterer Mann, der zu viel gesehen hatte.
Auron de’Raynos trat vor.
Yon hob den Blick.
Die Stimme Aurons schnitt durch das Gemurmel wie eine Klinge. Klar. Fest. Keine Spur von Zweifel. Als der Name Wolfenreich fiel, ging ein Raunen durch die Menge. Als Schattenbund ausgesprochen wurde, ballten sich Fäuste. Und als Auron vom Schutz sprach, nicht von Herrschaft, da spürte Yon, wie etwas klickte, wie ein Zahnrad, das lange blockiert gewesen war.
Gut gesprochen, dachte er. Nicht ehrlich, aber klug.
Yon hörte die Worte, doch er hörte auch das, was zwischen ihnen lag.
Nicht die Ernennung machte Auron zum Baron.
Nicht einmal die Drohung des Schattenbundes.
Es war das Versprechen von Ordnung in einer Welt, die auf ein größeres Chaos zutrieb.
Als Auron Yon nannte – beiläufig, fast nebensächlich, verzog Yon keine Miene. Er blieb Teil der Menge. Beobachter. Prüfer.
Der Schwertbund…
Viele glaubten, es sei eine Bruderschaft des Schutzes. Eine Antwort auf Mord und Intrigen. Ein Bollwerk gegen den Schattenbund.
Yon wusste es besser.
Arachnan war nie ein Gott des Bewahrens gewesen.
Nie ein Gott der Mauern.
Der Glaube war geschaffen worden, um das Ende vorzubereiten. Um Strukturen zu zerbrechen, Gewissheiten zu zerschneiden, damit die Welt reif wurde, reif für ihre Vernichtung.
Und dann kam der Sternenfall.
Nicht das große Nichts.
Nicht das reinigende Ende.
Sondern ein Riss.
Ein Anfang.
Yon spürte es noch immer in seinen Knochen: Das Ziehen, das Flüstern zwischen den Sternen. Etwas hatte überlebt. Etwas hatte gewartet. Der Sternenfall war kein Abschluss gewesen, sondern ein Versprechen, eines, das schlimmer war als jede Apokalypse, die Arachnan je vorgesehen hatte.
Wenn das kommt, dachte Yon, reichen Glauben und Messer nicht mehr.
Auron rief zu den Waffen.
Zu einer Armee.
Und da… lächelte Yon zum ersten Mal.
Nicht sichtbar. Nur in sich selbst.
Endlich versteht jemand es.
Nicht Vernichtung zuerst.
Nicht Offenbarung.
Vorbereitung.
Eine Stadt bewaffnen. Flüchtlinge binden. Loyalität kaufen mit Bürgerecht. Hoffnung geben, wo eigentlich keine sein dürfte. Eine Streitmacht aufbauen, ohne dass sie merkt, wofür sie eines Tages wirklich kämpfen wird.
Das ist kein Widerspruch zu Arachnan, dachte Yon ruhig.
Das ist seine Weiterentwicklung.
Wenn der wahre Schrecken kam das, was nach dem Sternenfall folgen würde, dann würde man keine Propheten brauchen.
Sondern Soldaten.
Yon senkte den Blick, als die Menge jubelte.
Für Düsterhafen.
Für Arachnan.
Und für etwas, dessen Namen noch niemand kannte.
Re: Kampf um Düsterhafen
Verfasst: 12 Jan 2026, 16:43
von Auron De'Raynos
Eine geraume Zeit war ins Land gezogen, ohne dass sich der Schattenbund auch nur ein einziges Mal regte. Doch Düsterhafen verharrte nicht im Müßiggang. Mit Hilfe treuer Verbündeter wurden aus verängstigten Flüchtlingen standhafte Rekruten geformt, und aus diesen wiederum wuchsen kampferprobte Krieger heran, die fortan die neu errichtete Stadtwache von Düsterhafen stellten.
Auch der Palast erhob sich erneut aus Asche und Ruin. Stein um Stein wurde er wiederaufgebaut, Hallen und Türme erneuert, sodass kaum noch Spuren des verheerenden Brandes zu erkennen waren. Nur wer genau hinsah, mochte in den Mauern noch das stumme Echo vergangener Flammen erahnen.