Der Morgen hatte grau über dem Land gelegen, und selbst als die Sonne höher
stieg, schien ihr Licht nur mühsam durch den Schleier aus Wolken zu dringen. Es war kein Tag, an dem ein vernünftiger Mann lange im Freien verweilen wollte. Ein feuchter Wind strich über die Wege, trug den Geruch von nasser Erde mit sich und ließ die Riemen an Calweis Rüstung leise knarren.
Vielleicht war es gerade deshalb ein guter Tag für Covetous.
Calwei hatte nie viel davon gehalten, vor einem Ort zurückzuweichen, nur weil andere mit gedämpfter Stimme über ihn sprachen. Höhlen waren Höhlen, Monster waren Monster, und Stahl blieb Stahl. So einfach konnte die Welt manchmal sein. Zumindest redete er sich das ein, während er gemeinsam mit seinen Gefährten den Eingang des Dungeons erreichte.
Vor ihnen lag der Schlund im Fels wie ein dunkles Maul. Die Luft, die aus der Tiefe drang, war kälter als die des Tages. Sie roch nach feuchtem Stein, altem Staub und etwas, das sich schwer benennen ließ - einem süßlichen Hauch von Verfall, der sich in den Rachen legte.
Calwei zog den Handschuh seiner Waffenhand fester.
„Na dann“, murmelte er und warf einen Blick zu den anderen. „Je länger wir davorstehen, desto größer wird das Loch auch nicht.“
Ein schiefes Lächeln huschte über sein Gesicht. Es war keine große Rede. Calwei war nie der Mann gewesen, der vor einem Kampf Worte verschwendete, wenn ein fester Griff um die Waffe genügte.
Sie gingen hinein.
Schon nach wenigen Schritten verschluckte Covetous das Licht des Tages. Fackeln wurden entzündet. Ihr Schein kroch über den Fels und ließ Schatten zwischen den Vorsprüngen tanzen. Wasser tropfte irgendwo in regelmäßigen Abständen von der Decke. Jeder Schritt hallte weiter, als er sollte, als trüge der Berg selbst das Geräusch tiefer in sein Inneres.
Die ersten Kreaturen ließen nicht lange auf sich warten.
Ein kehliges Knurren aus einer Seitennische, ein hastiger Ruf, dann das Scharren von Klauen auf Stein. Stahl wurde gezogen. Der enge Gang füllte sich mit Bewegung, Flüchen und dem dumpfen Klang von Treffern. Calwei stand dort, wo er meist stand: nicht weit hinter den Mutigsten und niemals weit genug zurück, um sich später vorwerfen zu müssen, einen anderen für sich bluten gelassen zu haben.
Seine Klinge fand ihr Ziel. Einmal. Zweimal. Ein Körper brach vor ihm zusammen.
„Weiter!“, rief jemand. Und sie gingen weiter.
Mit jedem Gang wurde Covetous enger und zugleich größer. Abzweigungen öffneten sich, verschwanden wieder im Dunkel. Kammern lagen hinter zerborstenen Torbögen. Alte Knochen ruhten in Nischen, manche verstreut, manche noch in einer Ordnung, die an längst vergessene Bestattungen erinnerte. Die Gruppe hielt zusammen, so gut es ging.
Calwei bemerkte zuerst das Geräusch. Kein Knurren. Kein Scharren.
Ein Klacken.
Leise zunächst. Dann vielfach. Knochen auf Stein.
Er hob die Hand und blieb stehen.
„Wartet.“
Die anderen verstummten.
Aus dem Dunkel vor ihnen kam Bewegung. Erst war es nur ein Schatten. Dann glomm etwas auf - ein fahles Licht in leeren Augenhöhlen. Ein Skelett trat in den Fackelschein, eine rostige Waffe in der Hand. Hinter ihm erschien ein zweites.
Dann ein drittes.
Calwei atmete langsam aus.
„Das sind mehr als drei.“
Aus einem Seitengang kam ein heiseres Stöhnen. Hinter ihnen antwortete ein weiteres.
Die Toten kamen nicht wie wilde Tiere. Sie kamen ohne Hast. Ohne Furcht. Ohne Zweifel. Was fiel, wurde von dem nächsten Körper ersetzt. Zwischen bleichen Schädeln schoben sich verrottete Leiber hervor, noch mit Fetzen alter Kleidung und Rüstung behangen. Der Gestank wurde beinahe körperlich.
„Zurück zur letzten Kammer!“, rief Calwei.
Die Gefährten wichen kämpfend zurück. Ein Untoter fiel, ein zweiter stolperte über dessen Gebeine. Für einen kurzen Moment schien es, als ließe sich die Horde in dem engen Gang halten.
Dann bebte der Boden.
Von irgendwo oberhalb löste sich Gestein. Ein Krachen rollte durch den Gang. Staub stob aus den Fugen. Calwei sah noch, wie einer seiner Gefährten sich zu ihm umdrehte.
„Calwei!“
Der Fels zwischen ihnen brach herab.
Es geschah in wenigen Herzschlägen. Ein Teil der Decke stürzte ein, Steine schlugen auf den Boden, Staub nahm jede Sicht. Calwei wurde zur Seite geschleudert. Seine Schulter prallte gegen die Wand, und für einen Moment war da nichts außer einem hohen Pfeifen in seinen Ohren.
Als er wieder Luft bekam, tastete er nach seiner Waffe.„He!“
Keine Antwort.
„Hört ihr mich?“
Jenseits des Gerölls erklangen gedämpfte Stimmen. Er konnte keine Worte verstehen, aber sie waren da.
Lebendig.
Calwei stemmte sich hoch. Ein Stein hatte seinen Armschutz eingedrückt. Blut rann über seine Hand, doch die Finger gehorchten.
Dann hörte er hinter sich wieder das Klacken.
Er wandte sich um.
Im Staub erschienen die ersten Gestalten.
Calwei sah zum Geröll. Dann zu den Toten.
Und begriff, dass Covetous noch lange nicht fertig mit ihnen war.
Der Weg hinab
-
Calwei
- Beiträge: 4
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Hinter dem Geröll
„Geht zurück!“
Calwei brüllte die Worte gegen das Gestein, obwohl er nicht wusste, wie viel
davon die anderen hören konnten.
„Sucht einen anderen Weg! Ich komme nach!“
Es war eine Lüge.
Vielleicht keine große. Vielleicht nur jene Art von Lüge, die man seinen
Gefährten erzählt, damit sie nicht für einen einzigen Mann in den Tod laufen.
Von der anderen Seite des Gerölls kam ein dumpfer Schlag. Jemand versuchte
offenbar, einen Stein zu lösen. Calwei legte die Hand an den Fels.
„Lasst es!“, rief er. „Der ganze Gang kommt runter!“
Diesmal folgte eine Antwort. Gedämpft, kaum verständlich.
Sein Name war darin.
Calwei schloss für einen Augenblick die Augen.
Dann drehte er sich um.
Die Toten waren näher gekommen.
Der erste trug noch Reste eines Kettenhemdes. Zwischen den verrosteten
Ringen hing dunkles, vertrocknetes Fleisch. In seiner Hand lag ein Schwert,
dessen Schneide längst mehr Scharten als Schärfe besaß. Es hob die Waffe.
Calwei kam ihm zuvor.
Sein Schlag traf den Hals. Knochen splitterte. Der Schädel flog gegen die Wand,
während der Körper noch zwei Schritte machte, bevor er zusammenbrach.
Der zweite Untote griff an.
Calwei fing den Hieb ab. Metall kreischte über Metall. Ein Stoß mit der Schulter
brachte den Gegner aus dem Gleichgewicht, ein Tritt zertrümmerte das
Kniegelenk. Die Kreatur fiel. Calweis Klinge fuhr hinab.
Ein dritter.
Ein vierter.
Bald hörte er auf zu zählen.
Der Gang war schmal genug, dass sie nicht alle gleichzeitig an ihn herankamen.
Das war sein Vorteil. Der einzige. Hinter ihm lag das Geröll, vor ihm der Tod, und
zwischen beidem stand ein Mann mit einer Waffe, die mit jedem Schlag schwerer
wurde.
„Kommt schon“, knurrte Calwei.
Ein Zombie taumelte vor. Sein Gesicht war kaum noch als solches zu erkennen.
Calwei stieß ihm die Klinge durch den Schädel und musste den Fuß gegen dessen
Brust setzen, um die Waffe wieder freizubekommen.
„Einer nach dem anderen.“
Er wusste nicht, ob er mit ihnen sprach oder mit sich selbst.
Die Zeit verlor in Covetous ihre Bedeutung. Es gab nur Atemzüge. Schläge.
Schritte. Das kurze Aufflammen von Schmerz, wenn eine rostige Klinge seine
Rüstung fand. Den Geschmack von Blut, nachdem ihn ein Schildrand im Gesicht
getroffen hatte.
Irgendwann bemerkte er, dass die Stimmen hinter dem Geröll verstummt
waren.
Gut, dachte er.
Sie waren gegangen.
Hoffentlich.
Der Gedanke gab ihm neue Kraft. Nicht viel. Aber genug.
Er wich einige Schritte zurück, bis seine Stiefel gegen die Steine hinter ihm
stießen. Hier würde er bleiben müssen. Der Gang ließ keinen weiteren Rückzug zu.
Vor ihm sammelten sich die Untoten.
Es waren zu viele.
Calwei sah sie an und musste plötzlich lachen.
Es war kein fröhliches Lachen. Eher das kurze, ungläubige Geräusch eines
Mannes, der endlich verstanden hatte, welchen schlechten Handel das Schicksal
ihm angeboten hatte.
„Natürlich“, sagte er leise. „Natürlich ausgerechnet so.“
Er hob die Waffe wieder.
Die Horde setzte sich in Bewegung.
Der erste Ansturm traf ihn wie eine Welle. Calwei fing einen Schlag ab, duckte
sich unter einem zweiten hinweg und rammte die Schulter in einen fauligen Leib.
Etwas brach. Er wusste nicht, ob es ein Knochen des Gegners oder einer seiner
eigenen war.
Ein Speer schrammte über seine Seite.
Ein Schwert traf seinen Helm.
Licht blitzte vor seinen Augen auf.
Calwei taumelte, fing sich und schlug weiter.
Er dachte nicht an Ruhm.
Nicht an Lieder.
Nicht daran, ob später jemand erzählen würde, er habe hier heldenhaft
gekämpft.
Er dachte an die Gefährten auf der anderen Seite des Felses.
An ihre Schritte, die hoffentlich gerade weiter von diesem Ort fortführten.
Wenn die Toten bei ihm blieben, folgten sie ihnen nicht.
Das genügte.
Ein Skelett drängte vor. Calwei zerschlug seinen Schild, dann den Schädel. Ein
Zombie packte nach seinem Arm. Er riss sich los und ließ die Klinge quer durch
dessen Brust fahren. Noch einer kam. Und noch einer.
Seine Bewegungen wurden langsamer.
Der Atem brannte in seiner Lunge.
Blut lief unter der Rüstung warm an seiner Seite hinab.
Doch jedes Mal, wenn seine Knie nachgeben wollten, richtete er sich wieder auf.
„Noch nicht.“
Er sagte es leise.
Dann lauter.
„Noch nicht!“
Der nächste Untote fiel.
Und hinter ihm warteten zehn weitere.
Calwei brüllte die Worte gegen das Gestein, obwohl er nicht wusste, wie viel
davon die anderen hören konnten.
„Sucht einen anderen Weg! Ich komme nach!“
Es war eine Lüge.
Vielleicht keine große. Vielleicht nur jene Art von Lüge, die man seinen
Gefährten erzählt, damit sie nicht für einen einzigen Mann in den Tod laufen.
Von der anderen Seite des Gerölls kam ein dumpfer Schlag. Jemand versuchte
offenbar, einen Stein zu lösen. Calwei legte die Hand an den Fels.
„Lasst es!“, rief er. „Der ganze Gang kommt runter!“
Diesmal folgte eine Antwort. Gedämpft, kaum verständlich.
Sein Name war darin.
Calwei schloss für einen Augenblick die Augen.
Dann drehte er sich um.
Die Toten waren näher gekommen.
Der erste trug noch Reste eines Kettenhemdes. Zwischen den verrosteten
Ringen hing dunkles, vertrocknetes Fleisch. In seiner Hand lag ein Schwert,
dessen Schneide längst mehr Scharten als Schärfe besaß. Es hob die Waffe.
Calwei kam ihm zuvor.
Sein Schlag traf den Hals. Knochen splitterte. Der Schädel flog gegen die Wand,
während der Körper noch zwei Schritte machte, bevor er zusammenbrach.
Der zweite Untote griff an.
Calwei fing den Hieb ab. Metall kreischte über Metall. Ein Stoß mit der Schulter
brachte den Gegner aus dem Gleichgewicht, ein Tritt zertrümmerte das
Kniegelenk. Die Kreatur fiel. Calweis Klinge fuhr hinab.
Ein dritter.
Ein vierter.
Bald hörte er auf zu zählen.
Der Gang war schmal genug, dass sie nicht alle gleichzeitig an ihn herankamen.
Das war sein Vorteil. Der einzige. Hinter ihm lag das Geröll, vor ihm der Tod, und
zwischen beidem stand ein Mann mit einer Waffe, die mit jedem Schlag schwerer
wurde.
„Kommt schon“, knurrte Calwei.
Ein Zombie taumelte vor. Sein Gesicht war kaum noch als solches zu erkennen.
Calwei stieß ihm die Klinge durch den Schädel und musste den Fuß gegen dessen
Brust setzen, um die Waffe wieder freizubekommen.
„Einer nach dem anderen.“
Er wusste nicht, ob er mit ihnen sprach oder mit sich selbst.
Die Zeit verlor in Covetous ihre Bedeutung. Es gab nur Atemzüge. Schläge.
Schritte. Das kurze Aufflammen von Schmerz, wenn eine rostige Klinge seine
Rüstung fand. Den Geschmack von Blut, nachdem ihn ein Schildrand im Gesicht
getroffen hatte.
Irgendwann bemerkte er, dass die Stimmen hinter dem Geröll verstummt
waren.
Gut, dachte er.
Sie waren gegangen.
Hoffentlich.
Der Gedanke gab ihm neue Kraft. Nicht viel. Aber genug.
Er wich einige Schritte zurück, bis seine Stiefel gegen die Steine hinter ihm
stießen. Hier würde er bleiben müssen. Der Gang ließ keinen weiteren Rückzug zu.
Vor ihm sammelten sich die Untoten.
Es waren zu viele.
Calwei sah sie an und musste plötzlich lachen.
Es war kein fröhliches Lachen. Eher das kurze, ungläubige Geräusch eines
Mannes, der endlich verstanden hatte, welchen schlechten Handel das Schicksal
ihm angeboten hatte.
„Natürlich“, sagte er leise. „Natürlich ausgerechnet so.“
Er hob die Waffe wieder.
Die Horde setzte sich in Bewegung.
Der erste Ansturm traf ihn wie eine Welle. Calwei fing einen Schlag ab, duckte
sich unter einem zweiten hinweg und rammte die Schulter in einen fauligen Leib.
Etwas brach. Er wusste nicht, ob es ein Knochen des Gegners oder einer seiner
eigenen war.
Ein Speer schrammte über seine Seite.
Ein Schwert traf seinen Helm.
Licht blitzte vor seinen Augen auf.
Calwei taumelte, fing sich und schlug weiter.
Er dachte nicht an Ruhm.
Nicht an Lieder.
Nicht daran, ob später jemand erzählen würde, er habe hier heldenhaft
gekämpft.
Er dachte an die Gefährten auf der anderen Seite des Felses.
An ihre Schritte, die hoffentlich gerade weiter von diesem Ort fortführten.
Wenn die Toten bei ihm blieben, folgten sie ihnen nicht.
Das genügte.
Ein Skelett drängte vor. Calwei zerschlug seinen Schild, dann den Schädel. Ein
Zombie packte nach seinem Arm. Er riss sich los und ließ die Klinge quer durch
dessen Brust fahren. Noch einer kam. Und noch einer.
Seine Bewegungen wurden langsamer.
Der Atem brannte in seiner Lunge.
Blut lief unter der Rüstung warm an seiner Seite hinab.
Doch jedes Mal, wenn seine Knie nachgeben wollten, richtete er sich wieder auf.
„Noch nicht.“
Er sagte es leise.
Dann lauter.
„Noch nicht!“
Der nächste Untote fiel.
Und hinter ihm warteten zehn weitere.
-
Calwei
- Beiträge: 4
- Registriert: 30 Okt 2025, 14:18
Der letzte Stand
Es gibt einen Punkt in jedem Kampf, an dem ein Krieger weiß, wie er enden
wird.
Nicht weil eine Stimme es ihm sagt.
Nicht weil ein Gott ein Zeichen sendet.
Man weiß es einfach.
Calwei erreichte diesen Punkt, als seine Waffe zum ersten Mal aus seinen
blutigen Fingern glitt.
Sie schlug klirrend auf dem Stein auf.
Er starrte sie einen Herzschlag lang an.
Zu lange.
Etwas traf ihn an der Schulter. Die Wucht schleuderte ihn gegen die Wand.
Schmerz schoss durch seinen Arm, heiß und weiß. Ein Untoter hob eine Axt.
Calwei warf sich zur Seite.
Die Schneide schlug Funken aus dem Fels.
Er griff nach seiner Waffe. Seine Finger schlossen sich um den Griff. Er zog sie
an sich, rollte sich herum und stieß nach oben. Die Klinge drang zwischen Rippen,
wo bei einem Lebenden ein Herz gewesen wäre. Der Untote zuckte nicht einmal.
„Ach, richtig.“
Calwei riss die Waffe höher.
Der Schädel brach.
Er kam wieder auf die Beine.
Langsam.
Sehr langsam.
Sein linker Arm hing inzwischen fast nutzlos herab. Jeder Atemzug schmerzte.
Irgendwo unter dem Brustpanzer musste eine Rippe gebrochen sein. Vielleicht
mehrere.
Die Horde kümmerte das nicht.
Sie kannte keine Müdigkeit.
Keinen Schmerz.
Keine Angst.
Calwei spuckte Blut auf den Boden.
„Unfaire Sache.“
Ein fahles Augenpaar starrte ihn an.
„Ihr seid viele.“
Er hob seine Klinge.
„Ich bin müde.“
Ein weiteres Skelett schob sich in den Gang.
„Und trotzdem braucht ihr verdammt lange.“
Dann griff er an.
Nicht zurückweichend.
Vorwärts.
Der plötzliche Ansturm schien selbst die starren Reihen der Toten für einen
Moment zu brechen. Calwei rammte einen Gegner gegen die Wand, schlug einem
zweiten die Waffe aus der Hand und trieb seine Klinge durch den Hals eines
dritten. Knochen und verrottetes Fleisch lagen unter seinen Stiefeln.
Für einige Atemzüge gehörte der Gang wieder ihm.
Dann kam die Antwort.
Eine Klinge fuhr über seinen Oberschenkel.
Calwei sackte auf ein Knie.
Er schlug weiter.
Ein Speerschaft traf seine Brust.
Er fiel nach hinten.
Er stand wieder auf.
Ein rostiges Schwert schnitt durch eine Lücke seiner Rüstung.
Er taumelte.
Er stand wieder auf.
Vielleicht war das sein kleiner Sieg: nicht, dass er die Horde besiegen konnte.
Sondern dass sie ihn immer wieder zu Boden bringen musste.
Hinter dem Geröll war es still.
Calwei stellte sich vor, wie seine Gefährten inzwischen einen anderen Gang
erreicht hatten. Vielleicht fluchten sie über ihn. Vielleicht suchten sie tatsächlich
nach einem Weg zurück. Vielleicht wussten sie längst, was er selbst nun wusste.
Er hoffte, dass sie nicht kamen.
Zum ersten Mal an diesem Tag betete er.
Nicht um Rettung.
Nur darum, dass niemand zurückkehrte.
Die nächsten Toten kamen.
Calwei empfing sie.
Seine Welt schrumpfte zusammen. Der Dungeon verschwand. Die Kälte
verschwand. Selbst der Schmerz wurde irgendwann fern.
Es gab nur noch die Gestalt vor ihm.
Den nächsten Schlag.
Noch einen.
Noch einen.
Bis seine Klinge brach.
Das Metall gab mit einem hellen Klang nach. Die obere Hälfte flog davon und
verschwand zwischen den Füßen der Toten.
Calwei betrachtete den Rest in seiner Hand.
„Das“, keuchte er, „ist jetzt wirklich schlecht.“
Er warf den gebrochenen Stahl einem Skelett ins Gesicht, zog eine kürzere
Seitenwaffe und stellte sich erneut breitbeinig hin.
Die Untoten drängten vor.
Er schlug einem die Beine weg. Einem anderen rammte er den Knauf gegen den
Schädel. Eine Klaue fuhr über seine Wange. Ein Hieb traf seine Seite.
Diesmal blieb er auf einem Knie.
Vor ihm lag ein gefallener Untoter. Dahinter noch einer. Und noch einer.
Er hatte seinen Preis verlangt.
Calwei atmete schwer.
Dann hörte er etwas.
Ganz fern.
Jenseits des Gerölls.
Ein Ruf.
Sein Name.
Seine Gefährten.
Sie waren noch da.
Calweis Kopf fuhr hoch.
„Nein!“
Er stemmte sich auf.
„Verschwindet!“
Die Toten kamen näher.
„Hört ihr mich? Verschwindet von hier!“
Er wusste nicht, ob die anderen ihn verstanden.
Also tat er das Einzige, was noch übrig blieb.
Calwei griff an.
Nicht weil er glaubte, gewinnen zu können.
Sondern weil jeder Schritt, den die Toten auf ihn zu machten, ein Schritt war,
den sie nicht auf seine Gefährten zu machten.
Er stürzte sich in die Horde.
Und für einen kurzen, wilden Augenblick schien es, als würde selbst Covetous
vor ihm zurückweichen.
wird.
Nicht weil eine Stimme es ihm sagt.
Nicht weil ein Gott ein Zeichen sendet.
Man weiß es einfach.
Calwei erreichte diesen Punkt, als seine Waffe zum ersten Mal aus seinen
blutigen Fingern glitt.
Sie schlug klirrend auf dem Stein auf.
Er starrte sie einen Herzschlag lang an.
Zu lange.
Etwas traf ihn an der Schulter. Die Wucht schleuderte ihn gegen die Wand.
Schmerz schoss durch seinen Arm, heiß und weiß. Ein Untoter hob eine Axt.
Calwei warf sich zur Seite.
Die Schneide schlug Funken aus dem Fels.
Er griff nach seiner Waffe. Seine Finger schlossen sich um den Griff. Er zog sie
an sich, rollte sich herum und stieß nach oben. Die Klinge drang zwischen Rippen,
wo bei einem Lebenden ein Herz gewesen wäre. Der Untote zuckte nicht einmal.
„Ach, richtig.“
Calwei riss die Waffe höher.
Der Schädel brach.
Er kam wieder auf die Beine.
Langsam.
Sehr langsam.
Sein linker Arm hing inzwischen fast nutzlos herab. Jeder Atemzug schmerzte.
Irgendwo unter dem Brustpanzer musste eine Rippe gebrochen sein. Vielleicht
mehrere.
Die Horde kümmerte das nicht.
Sie kannte keine Müdigkeit.
Keinen Schmerz.
Keine Angst.
Calwei spuckte Blut auf den Boden.
„Unfaire Sache.“
Ein fahles Augenpaar starrte ihn an.
„Ihr seid viele.“
Er hob seine Klinge.
„Ich bin müde.“
Ein weiteres Skelett schob sich in den Gang.
„Und trotzdem braucht ihr verdammt lange.“
Dann griff er an.
Nicht zurückweichend.
Vorwärts.
Der plötzliche Ansturm schien selbst die starren Reihen der Toten für einen
Moment zu brechen. Calwei rammte einen Gegner gegen die Wand, schlug einem
zweiten die Waffe aus der Hand und trieb seine Klinge durch den Hals eines
dritten. Knochen und verrottetes Fleisch lagen unter seinen Stiefeln.
Für einige Atemzüge gehörte der Gang wieder ihm.
Dann kam die Antwort.
Eine Klinge fuhr über seinen Oberschenkel.
Calwei sackte auf ein Knie.
Er schlug weiter.
Ein Speerschaft traf seine Brust.
Er fiel nach hinten.
Er stand wieder auf.
Ein rostiges Schwert schnitt durch eine Lücke seiner Rüstung.
Er taumelte.
Er stand wieder auf.
Vielleicht war das sein kleiner Sieg: nicht, dass er die Horde besiegen konnte.
Sondern dass sie ihn immer wieder zu Boden bringen musste.
Hinter dem Geröll war es still.
Calwei stellte sich vor, wie seine Gefährten inzwischen einen anderen Gang
erreicht hatten. Vielleicht fluchten sie über ihn. Vielleicht suchten sie tatsächlich
nach einem Weg zurück. Vielleicht wussten sie längst, was er selbst nun wusste.
Er hoffte, dass sie nicht kamen.
Zum ersten Mal an diesem Tag betete er.
Nicht um Rettung.
Nur darum, dass niemand zurückkehrte.
Die nächsten Toten kamen.
Calwei empfing sie.
Seine Welt schrumpfte zusammen. Der Dungeon verschwand. Die Kälte
verschwand. Selbst der Schmerz wurde irgendwann fern.
Es gab nur noch die Gestalt vor ihm.
Den nächsten Schlag.
Noch einen.
Noch einen.
Bis seine Klinge brach.
Das Metall gab mit einem hellen Klang nach. Die obere Hälfte flog davon und
verschwand zwischen den Füßen der Toten.
Calwei betrachtete den Rest in seiner Hand.
„Das“, keuchte er, „ist jetzt wirklich schlecht.“
Er warf den gebrochenen Stahl einem Skelett ins Gesicht, zog eine kürzere
Seitenwaffe und stellte sich erneut breitbeinig hin.
Die Untoten drängten vor.
Er schlug einem die Beine weg. Einem anderen rammte er den Knauf gegen den
Schädel. Eine Klaue fuhr über seine Wange. Ein Hieb traf seine Seite.
Diesmal blieb er auf einem Knie.
Vor ihm lag ein gefallener Untoter. Dahinter noch einer. Und noch einer.
Er hatte seinen Preis verlangt.
Calwei atmete schwer.
Dann hörte er etwas.
Ganz fern.
Jenseits des Gerölls.
Ein Ruf.
Sein Name.
Seine Gefährten.
Sie waren noch da.
Calweis Kopf fuhr hoch.
„Nein!“
Er stemmte sich auf.
„Verschwindet!“
Die Toten kamen näher.
„Hört ihr mich? Verschwindet von hier!“
Er wusste nicht, ob die anderen ihn verstanden.
Also tat er das Einzige, was noch übrig blieb.
Calwei griff an.
Nicht weil er glaubte, gewinnen zu können.
Sondern weil jeder Schritt, den die Toten auf ihn zu machten, ein Schritt war,
den sie nicht auf seine Gefährten zu machten.
Er stürzte sich in die Horde.
Und für einen kurzen, wilden Augenblick schien es, als würde selbst Covetous
vor ihm zurückweichen.
-
Calwei
- Beiträge: 4
- Registriert: 30 Okt 2025, 14:18
Was von einem Mann bleibt
Später würde niemand genau sagen können, wie lange Calwei noch gekämpft
hatte.
Vielleicht waren es nur Minuten gewesen.
Vielleicht länger.
In Covetous maß die Dunkelheit die Zeit nicht nach Sonne und Schatten. Sie
maß sie nach fallenden Körpern, nach verlöschenden Fackeln und nach dem Echo
von Stahl.
Als Calwei zum letzten Mal zu Boden ging, war der Gang voller Überreste.
Zerbrochene Knochen lagen zwischen reglosen Leibern. Rostige Waffen waren
über den Stein verstreut. Eine Fackel, die während des Kampfes gefallen war,
brannte nur noch schwach und warf ein flackerndes Licht über die Szene.
Calwei lag mit dem Rücken an der Wand.
Seine Seitenwaffe war fort.
Er wusste nicht mehr, wann er sie verloren hatte.
Sein Atem kam flach. Jeder Zug fühlte sich an, als würde etwas Scharfes in
seiner Brust bewegt. Blut rann von seiner Stirn in ein Auge. Er wischte es nicht
mehr fort.
Vor ihm standen die letzten Gestalten der Horde, die ihn erreicht hatten.
Vielleicht waren dahinter noch mehr.
Das spielte keine Rolle mehr.
Calwei hob den Kopf.
Sein Blick wanderte zum Geröll.
Dahinter war nichts zu hören.
Keine Schläge.
Keine Rufe.
Stille.
Er lächelte.
Ein kleines, müdes Lächeln.
„Gut.“
Die Toten kamen näher.
Calwei tastete neben sich über den Boden. Seine Finger fanden einen
abgebrochenen Speerschaft. Kein guter Ersatz für eine Waffe.
Aber etwas.
Er schloss die Hand darum.
„Na los.“
Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.
Das erste Skelett trat vor.
Calwei stieß den Speerschaft zwischen seine Rippen und riss ihn seitlich. Das
Wesen verlor das Gleichgewicht und fiel. Calwei griff nach dessen rostigem Dolch.
Der nächste Untote erreichte ihn.
Er schlug zu.
Noch einmal.
Dann traf ihn etwas hart an der Brust.
Sein Kopf schlug gegen den Fels.
Die Welt wurde dunkel.
Nur für einen Augenblick.
Als Calwei die Augen wieder öffnete, war das Geräusch des Kampfes weit fort.
Die Gestalten vor ihm verschwammen. Er versuchte, den Dolch zu heben.
Sein Arm gehorchte nicht.
Also ließ er ihn sinken.
Seltsam, dachte er.
Er hatte sich den Tod immer lauter vorgestellt.
Mit mehr Zorn.
Mehr Angst.
Vielleicht mit großen letzten Worten.
Doch nun war da vor allem Müdigkeit.
Und eine unerwartete Ruhe.
Er dachte an Wege unter freiem Himmel. An Feuer in der Nacht. An Stimmen
von Gefährten. An jene kleinen Augenblicke, die nie wichtig genug erschienen, um
sie sich bewusst zu merken, und die nun plötzlich alles waren.
Er fragte sich, ob die anderen draußen ankommen würden.
Er entschied, dass sie es würden.
Nicht weil er es wissen konnte.
Sondern weil er für nichts anderes mehr Kraft hatte.
Schritte näherten sich.
Calwei hob noch einmal den Blick.
„Ihr...“
Er musste husten.
„...habt lange gebraucht.“
Vielleicht war es Trotz.
Vielleicht Gewohnheit.
Vielleicht wollte er einfach nicht, dass die letzten Worte seines Lebens etwas
Feierliches wurden.
Dann kam der letzte Schlag.
Es dauerte, bis seine Gefährten einen anderen Weg fanden.
Covetous hatte sie weit geführt. Durch enge Gänge, über feuchten Stein, vorbei
an Kammern, in denen jeder Schatten wie eine weitere Gefahr wirkte. Mehr als
einmal wollten sie umkehren. Mehr als einmal zwang sie die Hoffnung weiter.
Als sie schließlich den Gang von der anderen Seite erreichten, war es still.
Zu still.
Der Geruch von Tod hing schwer in der Luft.
Einer von ihnen hob die Fackel.
Ihr Licht fiel zuerst auf die Untoten.
Einen.
Drei.
Fünf.
Mehr.
Zerschlagene Skelette, verstümmelte Zombies, zerbrochene Waffen. Die Spur
des Kampfes führte bis zu einer Wand am Ende des Ganges.
Dort saß Calwei.
Der Rücken am Stein.
Der Kopf leicht zur Seite gesunken.
Eine Hand lag noch immer um den Griff einer fremden, rostigen Klinge.
Für einige Zeit sagte niemand etwas.
Es gab in diesem Augenblick nichts zu sagen.
Kein Lied hätte ihn größer gemacht.
Keine Rede hätte geändert, was hier geschehen war.
Calwei hatte keinen Drachen erschlagen.
Keine Stadt gerettet.
Keinen König verteidigt.
Er war nur ein Mann gewesen, der in einem dunklen Gang zurückblieb, als seine
Gefährten auf der anderen Seite des Felses standen.
Ein Mann gegen zu viele.
Und er hatte gewusst, dass er sterben würde.
Vielleicht war gerade das der einzige Heldentum, den es wirklich gab.
Nicht ohne Furcht zu sein.
Nicht unbesiegbar zu sein.
Sondern zu wissen, dass man verlieren wird - und trotzdem noch einen Schritt
nach vorn zu machen, weil hinter einem Menschen stehen, die diesen Schritt nicht
tun sollen.
Einer seiner Gefährten kniete sich neben ihn.
Behutsam löste er Calweis Hand von der Waffe.
„Du sturer Hund“, murmelte er.
Die Worte klangen beinahe wie ein Vorwurf.
Dann legte er ihm die Hand auf die Schulter.
„Wir sind rausgekommen.“
Keine Antwort.
Natürlich nicht.
Aber irgendwo zwischen den kalten Wänden von Covetous schien das Echo noch
einmal einen letzten, trotzigen Schlag von Stahl zu tragen.
Und so blieb von Calwei kein großer Sieg.
Nur eine Geschichte.
Von einem Krieger.
Von einem dunklen Gang.
Von einer Horde Toter.
Und von ein paar kostbaren Minuten, die er mit seinem Leben bezahlt hatte.
hatte.
Vielleicht waren es nur Minuten gewesen.
Vielleicht länger.
In Covetous maß die Dunkelheit die Zeit nicht nach Sonne und Schatten. Sie
maß sie nach fallenden Körpern, nach verlöschenden Fackeln und nach dem Echo
von Stahl.
Als Calwei zum letzten Mal zu Boden ging, war der Gang voller Überreste.
Zerbrochene Knochen lagen zwischen reglosen Leibern. Rostige Waffen waren
über den Stein verstreut. Eine Fackel, die während des Kampfes gefallen war,
brannte nur noch schwach und warf ein flackerndes Licht über die Szene.
Calwei lag mit dem Rücken an der Wand.
Seine Seitenwaffe war fort.
Er wusste nicht mehr, wann er sie verloren hatte.
Sein Atem kam flach. Jeder Zug fühlte sich an, als würde etwas Scharfes in
seiner Brust bewegt. Blut rann von seiner Stirn in ein Auge. Er wischte es nicht
mehr fort.
Vor ihm standen die letzten Gestalten der Horde, die ihn erreicht hatten.
Vielleicht waren dahinter noch mehr.
Das spielte keine Rolle mehr.
Calwei hob den Kopf.
Sein Blick wanderte zum Geröll.
Dahinter war nichts zu hören.
Keine Schläge.
Keine Rufe.
Stille.
Er lächelte.
Ein kleines, müdes Lächeln.
„Gut.“
Die Toten kamen näher.
Calwei tastete neben sich über den Boden. Seine Finger fanden einen
abgebrochenen Speerschaft. Kein guter Ersatz für eine Waffe.
Aber etwas.
Er schloss die Hand darum.
„Na los.“
Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.
Das erste Skelett trat vor.
Calwei stieß den Speerschaft zwischen seine Rippen und riss ihn seitlich. Das
Wesen verlor das Gleichgewicht und fiel. Calwei griff nach dessen rostigem Dolch.
Der nächste Untote erreichte ihn.
Er schlug zu.
Noch einmal.
Dann traf ihn etwas hart an der Brust.
Sein Kopf schlug gegen den Fels.
Die Welt wurde dunkel.
Nur für einen Augenblick.
Als Calwei die Augen wieder öffnete, war das Geräusch des Kampfes weit fort.
Die Gestalten vor ihm verschwammen. Er versuchte, den Dolch zu heben.
Sein Arm gehorchte nicht.
Also ließ er ihn sinken.
Seltsam, dachte er.
Er hatte sich den Tod immer lauter vorgestellt.
Mit mehr Zorn.
Mehr Angst.
Vielleicht mit großen letzten Worten.
Doch nun war da vor allem Müdigkeit.
Und eine unerwartete Ruhe.
Er dachte an Wege unter freiem Himmel. An Feuer in der Nacht. An Stimmen
von Gefährten. An jene kleinen Augenblicke, die nie wichtig genug erschienen, um
sie sich bewusst zu merken, und die nun plötzlich alles waren.
Er fragte sich, ob die anderen draußen ankommen würden.
Er entschied, dass sie es würden.
Nicht weil er es wissen konnte.
Sondern weil er für nichts anderes mehr Kraft hatte.
Schritte näherten sich.
Calwei hob noch einmal den Blick.
„Ihr...“
Er musste husten.
„...habt lange gebraucht.“
Vielleicht war es Trotz.
Vielleicht Gewohnheit.
Vielleicht wollte er einfach nicht, dass die letzten Worte seines Lebens etwas
Feierliches wurden.
Dann kam der letzte Schlag.
Es dauerte, bis seine Gefährten einen anderen Weg fanden.
Covetous hatte sie weit geführt. Durch enge Gänge, über feuchten Stein, vorbei
an Kammern, in denen jeder Schatten wie eine weitere Gefahr wirkte. Mehr als
einmal wollten sie umkehren. Mehr als einmal zwang sie die Hoffnung weiter.
Als sie schließlich den Gang von der anderen Seite erreichten, war es still.
Zu still.
Der Geruch von Tod hing schwer in der Luft.
Einer von ihnen hob die Fackel.
Ihr Licht fiel zuerst auf die Untoten.
Einen.
Drei.
Fünf.
Mehr.
Zerschlagene Skelette, verstümmelte Zombies, zerbrochene Waffen. Die Spur
des Kampfes führte bis zu einer Wand am Ende des Ganges.
Dort saß Calwei.
Der Rücken am Stein.
Der Kopf leicht zur Seite gesunken.
Eine Hand lag noch immer um den Griff einer fremden, rostigen Klinge.
Für einige Zeit sagte niemand etwas.
Es gab in diesem Augenblick nichts zu sagen.
Kein Lied hätte ihn größer gemacht.
Keine Rede hätte geändert, was hier geschehen war.
Calwei hatte keinen Drachen erschlagen.
Keine Stadt gerettet.
Keinen König verteidigt.
Er war nur ein Mann gewesen, der in einem dunklen Gang zurückblieb, als seine
Gefährten auf der anderen Seite des Felses standen.
Ein Mann gegen zu viele.
Und er hatte gewusst, dass er sterben würde.
Vielleicht war gerade das der einzige Heldentum, den es wirklich gab.
Nicht ohne Furcht zu sein.
Nicht unbesiegbar zu sein.
Sondern zu wissen, dass man verlieren wird - und trotzdem noch einen Schritt
nach vorn zu machen, weil hinter einem Menschen stehen, die diesen Schritt nicht
tun sollen.
Einer seiner Gefährten kniete sich neben ihn.
Behutsam löste er Calweis Hand von der Waffe.
„Du sturer Hund“, murmelte er.
Die Worte klangen beinahe wie ein Vorwurf.
Dann legte er ihm die Hand auf die Schulter.
„Wir sind rausgekommen.“
Keine Antwort.
Natürlich nicht.
Aber irgendwo zwischen den kalten Wänden von Covetous schien das Echo noch
einmal einen letzten, trotzigen Schlag von Stahl zu tragen.
Und so blieb von Calwei kein großer Sieg.
Nur eine Geschichte.
Von einem Krieger.
Von einem dunklen Gang.
Von einer Horde Toter.
Und von ein paar kostbaren Minuten, die er mit seinem Leben bezahlt hatte.