Zwei Männer ohne Sippe [Entnstehung Hrafnheim]

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Torfin Gomirsson
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Zwei Männer ohne Sippe [Entnstehung Hrafnheim]

Beitrag von Torfin Gomirsson »

Torfin Gomirsson hatte die Städte satt.

Zu lange hatte er zwischen Menschen gelebt, die sich hinter dicken Mauern versteckten und glaubten, ein Dach über dem Kopf mache sie stark. Er hatte Märkte gesehen, auf denen Händler um Kupfer feilschten, Tavernen, in denen Männer große Reden schwangen, und Wachen, die sich für Krieger hielten, nur weil sie ein Schwert am Gürtel trugen.

Nichts davon bedeutete ihm noch etwas.

Torfin sehnte sich nach etwas, das ihm die Städte nicht geben konnten.

Nach einer Sippe.

Nach Männern und Frauen, die sich nicht wegen ein paar Münzen die Kehle aufschneiden würden, sondern füreinander in den Schildwall traten. Nach einem Feuer, an dem man schweigend sitzen konnte, ohne dass jedes Schweigen mit belanglosem Geschwätz gefüllt werden musste.

Er wollte wieder wissen, wohin er gehörte.

Also verließ er die Städte.

Sein Weg führte ihn durch Wälder, über steinige Pfade und durch Gegenden, in denen nur selten ein Mensch seinen Fuß setzte. Er jagte, was ihm vor die Axt kam, schlief unter freiem Himmel und sprach tagelang mit niemandem.

Es gefiel ihm.

Zumindest redete er sich das ein.

Bis er eines Tages einen Mann am Waldrand stehen sah.

Groß.

Breitschultrig.

Eine Axt über der Schulter.

Torfin blieb stehen.

Der Fremde ebenfalls.

Beide musterten sich.

Lange.

Dann spuckte der Fremde ins Gras.

„Wenn du mich anstarrst, Krüppelhirn, solltest du wenigstens einen Grund dafür haben.“

Torfin hob eine Augenbraue.

„Ich überlege nur, ob du ein Mann oder ein besonders hässlicher Baum bist.“

Der Fremde grinste.

„Dann bist du wohl blind.“

„Und du bist wohl dumm.“

„Das ist besser als blind.“

Torfin musste widerwillig grinsen.

Der Mann stellte sich als Skar Veldirsson vor.

Wikinger.

Krieger.

Und offenbar ein Mann, der genauso wenig Lust auf die Gesellschaft anderer Menschen hatte wie Torfin.

Skar war allein unterwegs.

Keine Sippe.

Kein Stamm.

Kein Zuhause.

Nur seine Waffen, seine Kleidung und die Erfahrung eines Mannes, der gelernt hatte, sich auf niemanden außer sich selbst zu verlassen.

Torfin fragte nicht, warum.

Skar fragte nicht, warum Torfin allein war.

Wikinger mussten nicht jedes Loch in ihrer Vergangenheit mit Worten stopfen.

Sie gingen gemeinsam weiter.

Zunächst nur, weil es praktischer war.

Zwei Äxte waren besser als eine.

Zwei Paar Augen sahen mehr als eines.

Und wenn einer schlief, konnte der andere Wache halten.

So zumindest redeten sie es sich ein.

In Wahrheit hatte jeder von beiden längst bemerkt, dass der andere etwas besaß, das ihnen beiden fehlte.

Einen Bruder, auch wenn keiner von beiden das Wort dafür benutzen wollte.

Sie stritten über den Weg.

Sie stritten über das Essen.

Sie stritten darüber, wer das Feuer bewachen musste.

Und wenn sie nichts fanden, worüber sie streiten konnten, beleidigten sie sich einfach gegenseitig.

Doch sie blieben zusammen.

Tag für Tag.

Bis sie eines Abends auf etwas stießen, das keiner von beiden erwartet hatte.

Ein Dorf.

Alt.

Verlassen.

Vergessen.

Die Häuser standen noch. Manche Dächer waren eingestürzt, andere wurden bereits vom Moos überwuchert. Zwischen den Hütten wuchs hohes Gras. Ein alter Brunnen stand schief auf dem Dorfplatz.

Kein Mensch war zu sehen.

Kein Rauch stieg auf.

Kein Hund bellte.

Nur der Wind strich durch die leeren Häuser.

Skar sah sich um.

„Scheint, als hätten die Bewohner beschlossen, dass sie woanders sterben wollen.“

Torfin trat in eines der Häuser.

Staub.

Spinnweben.

Eine zerbrochene Bank.

Er ging wieder hinaus.

Dann blickte er zu Skar.

„Hier könnte man leben.“

Skar sah ihn an.

„Du willst in diesem Grab wohnen?“

„Besser als die Städte.“

Skar schwieg.

Er betrachtete das Dorf noch einmal.

Dann die umliegenden Wälder.

Das Wasser.

Die Felder.

Die alten Häuser.

Schließlich grinste er.

„Wir müssten nur die toten Ratten vertreiben.“

Torfin schulterte seine Axt.

„Dann fang an.“

Skar lachte.

Und damit begann es.

Nicht mit einem König.

Nicht mit einem Heer.

Nicht mit einem großen Krieg.

Sondern mit zwei Männern, zwei Äxten und einem verlassenen Dorf.

Am nächsten Morgen entzündeten sie das erste Feuer.

Sie räumten eine der größeren Hütten aus.

Sie reparierten, was noch zu retten war.

Sie holten Holz aus dem Wald.

Sie jagten.

Sie fischten.

Sie bauten.

Und zum ersten Mal seit langer Zeit hatte Torfin abends wieder einen Grund, am Feuer sitzen zu bleiben.

Skar saß ihm gegenüber.

„Wir brauchen einen Namen“, sagte er.

Torfin sah ins Feuer.

„Für das Dorf?“

„Für das, was daraus wird.“

Torfin schwieg lange.

Denn er wusste bereits, dass es nicht bei diesem Dorf bleiben würde.

Ein Zuhause war gut.

Aber ein Zuhause ohne Menschen war nur ein Haufen Häuser.

Was sie brauchten, war etwas anderes.

Eine Sippe.

Einen Stamm.

Eine Gemeinschaft für jene, die keinen Platz mehr in den Städten fanden.

Für Krieger.

Für Jäger.

Für Handwerker.

Für jene, die sich nicht vor der Welt beugen wollten.

Für Männer und Frauen, die lieber mit ihren eigenen Händen etwas aufbauten, als ihr Leben hinter fremden Mauern zu verbringen.

Torfin sah zu Skar.

„Dann bauen wir keinen Ort.“

Skar hob den Kopf.

„Sondern?“

Torfin nahm einen brennenden Ast aus dem Feuer und warf ihn zurück in die Glut.

„Eine Heimat.“

Skar grinste.

„Und wer hier rein will, muss beweisen, dass er nicht völlig nutzlos ist.“

Torfin schnaubte.

„Dann fliegst du als Erster raus.“

Skar lachte laut.

Das Feuer knisterte.

Über ihnen zogen die Sterne über den schwarzen Himmel.

Und während die Nacht über das verlassene Dorf fiel, wussten die beiden noch nicht, dass aus ihrem kleinen Feuer eines Tages ein Herdfeuer werden würde.

Dass aus zwei Männern eine Sippe entstehen würde.

Dass aus einer verlassenen Siedlung ein neues Zuhause werden würde.

Und dass der Name HRH eines Tages für etwas stehen würde, das weit größer war als Torfin Gomirsson oder Skar Veldirsson.

Doch an diesem Abend waren sie noch keine Stammesväter.

Noch keine Anführer.

Noch keine Legenden.

Sie waren nur zwei verdammte Wikinger, die beschlossen hatten, ein altes Dorf wieder zum Leben zu erwecken.

Und das genügte ihnen.
Quindra Obrynn
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Nachbarn in Cove

Beitrag von Quindra Obrynn »

Quindra hatte Cove gemocht. Nicht, weil es besonders schön war. Schön war ohnehin ein Wort, mit dem sie wenig anfangen konnte. Aber es war ruhig gewesen, und nachdem sie Düsterhafen verlassen hatte, war ihr das mehr wert gewesen als vieles andere.

Die Stadt war ihr irgendwann schlicht zu viel geworden. Zu viele Leute, zu viel Lärm und überall Dreck. Und aus irgendeinem Grund schien dort ständig irgendetwas zu brennen. Feuer konnte ihr gestohlen bleiben.

Also hatte sie sich etwas anderes gesucht. Cove war klein, abgelegen und größtenteils verlassen. Es gab genug Stein, um sich vernünftig einzurichten, und der Wald lag gleich vor der Tür. Letzteres war wichtig, denn Quindra mochte Bäume. Vor allem mochte sie es, sie mit einer Axt umzuhauen.

So hatte sie sich eingerichtet und ihre Ruhe genossen. Niemand wollte etwas von ihr, niemand stellte Fragen und niemand kümmerte sich darum, wann sie kam oder ging. Es hätte ruhig so bleiben können.

Dann kamen die beiden Männer.

Quindra hatte sie zuerst gehört, was nicht sonderlich schwierig gewesen war. Sie waren groß, laut und mit Äxten bewaffnet. Sie schleppten Holz heran, räumten Häuser aus und machten sich daran, einen Ort wieder herzurichten, der ihrer Meinung nach offenbar verlassen war. Quindra hatte zunächst keinen Grund gesehen, sie vom Gegenteil zu überzeugen.

Wenn sie die Männer irgendwo sah, nahm sie eben einen anderen Weg. Wenn sie Stimmen hörte, blieb sie im Wald ein wenig länger, und wenn abends ihr Feuer in der Ferne zu sehen war, hielt sie sich auf ihrer Seite der Siedlung. Das funktionierte erstaunlich gut. Eine Weile jedenfalls.

Doch die beiden verschwanden nicht wieder. Im Gegenteil. Mit jedem weiteren Tag wurde deutlicher, dass sie nicht nur auf der Durchreise waren. Sie reparierten, bauten und schleppten immer mehr Zeug heran. Inzwischen verhielten sie sich verdächtig nach Leuten, die tatsächlich vorhatten zu bleiben.

Quindra stand eines Morgens vor ihrer Behausung und betrachtete schweigend das Treiben in einiger Entfernung. Ihre Arme verschränkten sich vor der Brust, während sie das Gesicht verzog.

„Toll. Nachbarn.“

Missmutig griff sie nach ihrer Axt und machte sich auf den Weg zum Wald. Der war wenigstens noch ruhig.
Skar Veldirsson
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Mehr Nachbarschaft als geplant

Beitrag von Skar Veldirsson »

Skar hatte in seinem Leben schon genug Häuser gesehen. Große, kleine, prächtige und solche, bei denen man sich fragte, wie sie überhaupt noch standen. Die Häuser in Cove gehörten anfangs eindeutig zur letzten Sorte. Viel war verfallen, manches kaum noch zu retten und bei einigen Hütten hatte Skar den Eindruck, dass ein kräftiger Windstoß genügte, um sie endgültig dem Erdboden gleichzumachen.

Doch langsam änderte sich das. Skar stand mitten auf dem Dorfplatz und ließ den Blick über die Siedlung schweifen. Noch immer gab es genug zu tun. Einige Dächer waren undicht, hier und da lag Gerümpel herum und an manchen Stellen musste erst einmal Platz geschaffen werden, bevor überhaupt daran zu denken war, etwas Neues zu bauen. Trotzdem sah Cove bereits anders aus als noch vor wenigen Tagen. Ein paar der Häuser waren hergerichtet, die Wege zumindest halbwegs begehbar und aus einem der Schornsteine stieg inzwischen regelmäßig Rauch auf.

Ihr Rauch.

Skar musste bei dem Gedanken leicht grinsen. Es war noch lange kein richtiges Dorf, aber zumindest begann es, sich wie eines anzufühlen.

„Nicht schlecht“, murmelte er.

„Was?“

Torfin kam gerade mit einem schweren Balken über den Dorfplatz gestapft. Skar deutete auf eines der Dächer und sagte: „Das da. Der Balken passt nicht.“

Torfin blieb stehen und sah zunächst den Balken in seinen Händen an, dann zu Skar hinüber. „Du hast ihn ausgesucht.“

Skar nickte vollkommen ernst. „Dann war ich wohl betrunken.“

Torfin blickte zum Himmel. „Es ist Mittag.“

„Und?“

Torfin schüttelte nur den Kopf und setzte seinen Weg fort. Skar musste lachen. Genau so konnte es von ihm aus bleiben. Sie hatten beide nicht viel übrig für unnötige Worte, und trotzdem schafften sie es irgendwie, sich den halben Tag über irgendeinen Unsinn zu streiten.

Cove gefiel ihm immer besser. Keine Stadt, keine Mauern und keine Wachen, die einem ständig erklärten, was man zu tun hatte. Stattdessen gab es Arbeit, Feuer, Holz und Stein. Einfache Dinge, die Skar verstand und bei denen er am Ende des Tages sehen konnte, was er geschafft hatte. Vielleicht war genau das der Grund, weshalb er sich hier zum ersten Mal seit langer Zeit wieder halbwegs zu Hause fühlte.

Nach einer Weile legte Skar seinen Hammer beiseite, griff nach seiner Axt und sah zu Torfin hinüber. „Ich geh mich ein bisschen umsehen.“

Torfin hob den Kopf. „Warum?“

„Weil ich wissen will, was hier draußen noch ist.“

„Du meinst, weil dir langweilig ist.“

Skar zuckte mit den Schultern. „Auch.“

Torfin schnaubte, sagte aber nichts weiter, also machte Skar sich auf den Weg. Sie hatten sich bisher hauptsächlich um Cove selbst gekümmert. Den Wald in unmittelbarer Nähe kannten sie inzwischen recht gut, ebenso den kleinen Bach südlich der Siedlung. Was sich weiter außerhalb befand, hatten sie allerdings noch nicht wirklich erkundet.

Skar folgte einem schmalen Pfad, der sich zwischen den Bäumen hindurchzog und stellenweise kaum noch zu erkennen war. Das Gras stand ihm teilweise bis zu den Knien, und immer wieder musste er mit der Axt Äste aus dem Weg schlagen. Je weiter er sich von Cove entfernte, desto stiller wurde es. Keine Stimmen, kein Hämmern und kein gelegentliches Fluchen von Torfin waren mehr zu hören. Nur der Wind strich durch die Baumkronen und irgendwo weiter entfernt rief ein Vogel.

Skar mochte diese Ruhe. Sie erinnerte ihn daran, warum er die Städte überhaupt hinter sich gelassen hatte.

Nach ungefähr einer Stunde lichtete sich der Wald plötzlich. Skar blieb stehen und sah auf eine kleine Lichtung hinaus, die zwischen den Bäumen verborgen lag. Erst auf den zweiten Blick bemerkte er das Haus, das dort stand.

Auf den ersten Blick hätte man es für eines der alten Häuser von Cove halten können. Es war nicht besonders groß und sah auch nicht gerade neu aus. Doch schon nach wenigen Augenblicken fiel Skar auf, dass hier jemand lebte. Das Dach war alt, aber an einigen Stellen offensichtlich erst vor nicht allzu langer Zeit ausgebessert worden. Vor der Tür lagen frisch gespaltene Holzscheite, sauber aufgestapelt, und neben dem Haus stand ein weiterer Stapel Feuerholz.

Skar ging ein paar Schritte näher und blieb dann stehen. An einer Leine hing Kleidung, die noch feucht war. Offenbar war sie erst vor kurzem gewaschen worden.

„Na sowas“, murmelte er.

Er sah sich um, konnte aber niemanden entdecken. Aus dem Haus drang kein Geräusch und auch aus dem Schornstein stieg kein Rauch. Trotzdem gab es keinen Zweifel daran, dass der Ort bewohnt war.

Skar umrundete das Haus und entdeckte hinter der Rückseite ein kleines Beet. Dort wuchsen Kräuter und ein paar Gemüsepflanzen. Nichts Besonderes, aber alles war ordentlich gepflegt. Jemand hatte sich die Mühe gemacht, hier etwas anzubauen und sich um die Pflanzen zu kümmern.

Definitiv bewohnt.

Nur der Bewohner selbst war nirgends zu sehen.

Skar blieb noch eine Weile stehen und betrachtete das Haus. Er hätte einfach an die Tür klopfen können, entschied sich aber dagegen. Er wusste schließlich nicht, wer dort wohnte, und hatte wenig Lust, wegen seiner Neugier gleich einen Streit anzufangen. Wenn hier jemand schon länger allein lebte, würde derjenige vermutlich wenig begeistert davon sein, wenn plötzlich ein bewaffneter Fremder vor der Tür stand.

Also machte Skar sich wieder auf den Rückweg.

Gerade als er sich umdrehte, knackte irgendwo hinter ihm ein Ast.

Skar blieb sofort stehen. Seine Hand wanderte automatisch zum Griff seiner Axt, während er sich langsam umsah. Für einen Moment wartete er darauf, dass jemand zwischen den Bäumen auftauchte.

Doch nichts geschah.

Nur der Wind bewegte die Äste über ihm.

Nach einigen Augenblicken entspannte sich Skar wieder. Vielleicht war es nur ein Tier gewesen. Er warf noch einen letzten Blick auf das Haus, dann machte er sich auf den Weg zurück nach Cove.

Als er die Siedlung schließlich wieder erreichte, war Torfin noch immer bei der Arbeit. Er stand auf dem Dach eines der Häuser und versuchte gerade, einen Balken an die richtige Stelle zu bekommen. Skar blieb unten stehen und wartete, bis Torfin ihn bemerkte.

„Torfin.“

„Was?“

„Wir haben ein Problem.“

Torfin sah zu ihm hinunter. „Was hast du angestellt?“

„Nichts.“

„Dann ist es wirklich ein Problem.“

Skar verdrehte die Augen. „Da draußen steht ein Haus.“

Torfin hielt inne. „Ein verlassenes?“

Skar schüttelte den Kopf. „Nein. Bewohnt.“

Für einen Moment sagte keiner von beiden etwas. Skar sah noch einmal in Richtung Wald. Sie hatten bisher geglaubt, dass sie hier draußen ihre Ruhe hätten und Cove langsam zu ihrer eigenen kleinen Heimat machen könnten. Offenbar waren sie nicht die Einzigen, die diesen Gedanken gehabt hatten.

„Ich hab den Bewohner nicht gesehen“, sagte Skar schließlich und blickte wieder zu Torfin hinauf. „Aber irgendwo da draußen lebt jemand.“
Torfin Gomirsson
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Alte Balken und neue Gesichter

Beitrag von Torfin Gomirsson »

Der Morgen war noch jung, als Torfin und Skar wieder damit begannen, sich über die Arbeit herzumachen.

Das Dorf hatte ihnen über Nacht nicht verziehen, dass sie beschlossen hatten, es wieder bewohnbar zu machen.

Im Gegenteil.

Je genauer sie hinsahen, desto mehr Arbeit schien vor ihnen zu liegen.

Überall lagen alte Bretter, zerbrochene Kisten und verrotteter Unrat herum. An manchen Stellen hatten sich über die Jahre ganze Müllhaufen gebildet. Fässer standen schief an den Häusern oder lagen halb vergraben im Gras.

Torfin betrachtete einen besonders großen Haufen.

„Das war bestimmt dein Haus.“

Skar sah ihn an.

„Dann hast du ja endlich einen Ort gefunden, der zu dir passt.“

„Stimmt. Aber dafür stinkt er nicht genug.“

Skar schnaubte und packte das nächste Fass.

„Red weniger. Trag mehr.“

„Du bist doch der Starke.“

„Und du bist doch der Dumme. Trotzdem muss ich beides alleine machen.“

Torfin grinste.

„Dann sind wir ja ein gutes Paar.“

Skar warf ihm das Fass vor die Füße.

„Trag.“

Während die beiden sich gegenseitig beleidigten, waren inzwischen noch weitere Hände hinzugekommen.

Hildir, ein Seher, hatte sich ihnen angeschlossen. Er hielt sich beim Arbeiten eher im Hintergrund und betrachtete das Treiben oft mit einem Blick, als würde er Dinge sehen, die den anderen verborgen blieben.

Auch Meridon und Travan, zwei kampferprobte Barbaren und Krieger, waren inzwischen bei ihnen.

Viel wurde darüber nicht gesprochen.

Sie waren einfach da.

Und sie halfen.

Was für Torfin ohnehin die bessere Art war, jemanden kennenzulernen.

Wer anpackte, war willkommen.

Wer nur redete, konnte wieder gehen.

So wuchs die kleine Gruppe langsam, ohne dass einer von ihnen es groß bemerkte.

Gemeinsam räumten sie die alten Müllhaufen beiseite, schleppten zerbrochene Bretter fort und schafften die alten Fässer aus dem Weg.

Es dauerte Stunden.

Schweiß rann ihnen über die Gesichter.

Die Hände wurden rau.

Die Kleidung war bald voller Staub.

Aber mit jedem Haufen, der verschwand, und jedem Brett, das wieder einen sinnvollen Platz bekam, begann das Dorf ein wenig weniger verlassen auszusehen.

Besonders das Gebäude, das sie zu ihrem Mittelpunkt machen wollten, verlangte nach Arbeit.

Das Dach war an mehreren Stellen beschädigt.

Einige Balken waren morsch.

Die Tür hing schief in den Angeln.

Torfin stand davor und betrachtete das Gebäude lange.

„Wir brauchen neue Balken.“

Skar wischte sich den Schweiß von der Stirn.

„Dann fäll einen Baum.“

Torfin sah ihn an.

„Du hast doch die Axt.“

„Du hast doch zwei Hände.“

„Du hast doch zwei Hände und eine Axt.“

„Und du hast doch eine große Klappe.“

Torfin grinste.

„Die hat bisher auch immer gereicht.“

Skar hob seine Axt.

„Na schön.“

Nicht weit vom Gebäude stand ein kräftiger Baum.

Alt genug, um gutes Holz zu liefern, aber noch fest genug, um als Balken zu dienen.

Skar stellte sich davor.

Torfin trat neben ihn.

„Wenn du den jetzt nicht triffst, erzähl ich allen, du hättest den Baum absichtlich verschont.“

Skar holte aus.

„Wenn ich treffe, fällst du gleich mit.“

Die Axt schlug ins Holz.

Krach.

Torfin nickte anerkennend.

„Gar nicht schlecht für einen Mann, der aussieht, als hätte er mit einer Tür gekämpft und verloren.“

Skar zog die Axt aus dem Stamm.

„Noch ein Spruch.“

„Nur einer?“

Wieder krachte die Axt in das Holz.

Und wieder.

Und wieder.

Nach einer Weile begann der Baum sich zu neigen.

Torfin trat zurück.

„Da kommt er.“

„Wohin?“

„Auf dich.“

„Halt die Klappe.“

Der Baum krachte zu Boden.

Staub und Blätter wirbelten auf.

Torfin grinste.

„Siehst du? Ich hab’s doch gesagt.“

Skar sah ihn finster an.

„Irgendwann hau ich dir die Axt zwischen die Zähne.“

„Dann musst du mich erst fangen.“

So ging es weiter.

Arbeit.

Beleidigungen.

Lachen.

Arbeit.

Und dazwischen immer wieder das Knacken von Holz und das Schlagen von Äxten.

Doch während Skar sich vollkommen in die Arbeit stürzte, war Torfin ungewöhnlich still geworden.

Er half.

Er trug.

Er schleppte.

Er fällte Holz.

Aber sein Blick wanderte immer wieder zu einem Haus am Rand der Siedlung.

Skar bemerkte es natürlich.

Er wusste genau, warum Torfin dorthin sah.

Schließlich hatte Skar den Nachbarn bereits zuvor entdeckt und Torfin davon erzählt.

„Was glotzt du da dauernd hin?“

Torfin antwortete zunächst nicht.

„Nichts.“

Skar hob eine Augenbraue.

„Du bist ein miserabler Lügner.“

„Und du bist ein miserabler Krieger.“

„Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.“

Torfin sah wieder zu dem Haus.

„Du hast gesagt, da wohnt jemand.“

Skar nickte.

„Hab ich.“

„Und du bist dir sicher?“

„Ziemlich.“

Torfin schwieg einen Moment.

„Dann sollten wir vielleicht hingehen.“

Skar legte die Axt beiseite.

„Das wollte ich sowieso.“

Torfin sah ihn an.

„Und wenn er uns nicht mag?“

Skar zuckte mit den Schultern.

„Dann sind wir schon zwei.“

Torfin grinste.

„Stimmt.“

Sie ließen die anderen bei der Arbeit zurück und machten sich auf den Weg.

Je näher sie dem Haus kamen, desto ruhiger wurde Torfin.

Kein Spruch.

Keine Beleidigung.

Kein Grinsen.

Skar bemerkte es.

„Was ist los?“

„Nichts.“

„Schon wieder?“

Torfin sah ihn von der Seite an.

„Wenn du weiter fragst, ist bald etwas los.“

Skar lachte leise.

„Da ist er ja wieder.“

Sie erreichten die Tür.

Torfin blieb davor stehen.

Einen Moment lang sagte keiner etwas.

Dann sah Skar zu ihm.

„Na los.“

Torfin hob die Hand.

Klopf. Klopf.

Beide warteten.

Einen Augenblick lang geschah nichts.

Torfin und Skar sahen sich an.

Dann klopfte Torfin ein zweites Mal.

Klopf.

Und hinter der Tür regte sich etwas.
Quindra Obrynn
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Begrüßungen

Beitrag von Quindra Obrynn »

Quindra hatte sich mit den neuen Nachbarn noch immer nicht angefreundet. Allerdings musste sie ihnen inzwischen zugestehen, dass ihre Anwesenheit nicht ausschließlich Nachteile hatte.

Sie waren laut. Daran bestand kein Zweifel. Außerdem waren aus den beiden Männern inzwischen mehr geworden, was Quindra zunächst mit einigem Misstrauen beobachtet hatte. Andererseits taten sie etwas, das sie deutlich weniger störte als erwartet: Sie arbeiteten.

Der alte Unrat verschwand nach und nach aus Cove, Dächer wurden ausgebessert und Gebäude, die seit Jahren langsam vor sich hin verfielen, wurden wieder hergerichtet. Selbst einige der Wege waren inzwischen besser begehbar. Quindra hatte nicht vor, ihnen dafür auf die Schulter zu klopfen, aber wenn die Männer tatsächlich vorhatten, Cove wieder herzurichten, konnten sie von ihr aus damit weitermachen.

Vor allem ließen sie sie in Ruhe.

Ihr eigentliches Haus hatten sie offenbar noch immer nicht entdeckt. Es lag am Berg, etwas abseits der übrigen Gebäude und gut genug zwischen Fels und Bewuchs verborgen, dass ein Fremder leicht daran vorbeisehen konnte. Zwar hatte Quindra das Haus etwas besser gegen Wind & Wetter geschützt, allerdings sah es von außen weiter unbewohnt aus und von Wind und Wetter angegriffen. Sie hatte keinen Anlass gesehen, daran etwas zu ändern. Sie wusste, dass die Männer da waren, und die Männer wussten nicht, dass sie da war. Eine durchaus angenehme Form der Nachbarschaft.

Dass Skar inzwischen ihren Verschlag im Wald gefunden hatte, wusste sie dagegen nicht.

Quindra nutzte ihn schon länger, wenn sie weiter draußen Holz schlug. Der Weg zurück nach Cove lohnte sich nicht immer, insbesondere wenn sie mehrere Tage in demselben Teil des Waldes arbeitete. Also hatte sie irgendwann die alte Hütte hergerichtet. Ein trockenes Dach, ein Bett, Feuerholz und etwas Essbares waren allemal besser, als jede Nacht unter einem Baum zu schlafen. Mit der Zeit war aus der einfachen Unterkunft ein erstaunlich brauchbarer kleiner Rückzugsort geworden.

An diesem Tag hatte sie sich gerade dort aufgehalten und ihre Sachen zusammengesucht, als es an der Tür klopfte.

Quindra hielt inne.

Noch einmal klopfte es.

Sie sah zur Tür, dann zu ihrer Axt. Eigentlich hatte sie gehofft, diesen Teil des Waldes noch eine Weile für sich zu haben. Offenbar war das zu viel verlangt gewesen.

Mit einem leisen Brummen griff sie nach der Axt, allerdings nur, um sie sich über die Schulter zu hängen. Wer auch immer dort draußen stand, hatte immerhin geklopft. Das sprach zumindest dafür, dass er nicht vollkommen unzivilisiert war.

Als Quindra schließlich die Tür öffnete und die beiden Männer davor erkannte, betrachtete sie Torfin und Skar einen langen Augenblick schweigend. Ihr Blick wanderte von dem einen zum anderen, blieb kurz an ihren Waffen hängen und kehrte schließlich zu ihren Gesichtern zurück.

Natürlich, ausgerechnet die Nachbarn.

„Ihr seid weit von eurem Gerümpel weg.“

Es war keine besonders freundliche Begrüßung. Allerdings auch keine feindselige und für Quindra war das ein fast liebreizender Anfang.
Torfin Gomirsson
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Der neue Nachbar

Beitrag von Torfin Gomirsson »

„Ihr seid weit von eurem Gerümpel weg.“

Torfin sah die Zwergin einen Moment lang an.

Dann wanderte sein Blick an ihr vorbei zur Hütte.

„Gerümpel?“

Skar stellte sich neben ihn und musterte den Eingang.

„Sie meint wahrscheinlich dich.“

Torfin drehte langsam den Kopf zu ihm.

„Mich?“

„Wer sonst?“

„Du bist derjenige, der aussieht wie ein Haufen Gerümpel.“

Skar schnaubte.

„Und du riechst auch so.“

Torfin wandte sich wieder der Zwergin zu.

„Wir haben tatsächlich angefangen, dort aufzuräumen.“

Skar verschränkte die Arme.

„Er sagt wir. Dabei habe ich den größten Teil gemacht.“

Torfin sah ihn von der Seite an.

„Du hast einen Baum gefällt.“

„Einen großen Baum.“

„Du hast ihn auch nur gefällt, weil ich dich ständig daran erinnert habe, wo du hinschlagen musst.“

Skar grinste.

„Und trotzdem steht der Baum nicht mehr.“

Torfin schüttelte den Kopf.

„Ein wahrer Held.“

Skar ignorierte den Spruch und sah wieder zur Zwergin.

„Wir wollten ohnehin mal sehen, wer hier sonst noch lebt.“

Torfin nickte.

„Wir sind dabei, das Dorf wieder herzurichten.“

Er machte eine kurze Pause.

„Oder zumindest versuchen wir es.“

Sein Blick wanderte erneut über die Hütte.

Sie wirkte nicht wie die verlassenen Häuser, die sie zuvor ausgeräumt hatten. Hier war deutlich zu erkennen, dass jemand den Ort benutzte.

Torfin deutete mit dem Kinn auf die Hütte.

„Du wohnst hier?“

Skar warf ihm einen kurzen Blick zu.

„Was für eine Frage.“

„Was?“

„Wenn sie hier die Tür aufmacht, wird sie wohl kaum wegen der Aussicht darin stehen.“

Torfin verzog das Gesicht.

„Ich wollte höflich sein.“

„Das war höflich?“

„Für meine Verhältnisse.“

„Dann solltest du vielleicht aufhören, dich anzustrengen.“

Torfin grinste.

„Du bist heute besonders klug.“

„Ich hatte Frühstück.“

„Was?“

„Dich.“

Torfin lachte kurz auf.

Dann wandte er sich wieder der Zwergin zu.

„Wie auch immer.“

Er deutete mit einer Hand in Richtung des Dorfes.

„Wir sind Torfin Gomirsson und das hier ist Skar Veldirsson.“

Skar hob leicht die Hand.

„Der mit der Axt.“

Torfin sah ihn an.

„Das grenzt dich nicht besonders ein.“

„Dann der mit der besseren Axt.“

„Jetzt lügst du.“

Skar grinste.

Für einen Moment standen die beiden einfach dort.

Hinter ihnen lag das Dorf, das langsam wieder Gestalt annahm. Noch immer war vieles kaputt. Noch immer lagen überall Bretter und Holz herum. Aber die ersten Veränderungen waren deutlich zu sehen.

Torfin sah kurz zurück.

„Wir wollen hier bleiben.“

Skar nickte.

„Und nicht nur für ein paar Tage.“

Torfin fuhr fort.

„Wir bauen hier etwas auf.“

Er suchte kurz nach den richtigen Worten.

„Eine Sippe.“

Skar ergänzte trocken:

„Einen Stamm.“

Torfin sah ihn an.

„Das war mein Satz.“

„Jetzt ist er besser.“

„Du bist unglaublich.“

„Ich weiß.“

Torfin schüttelte den Kopf.

Dann wandte er sich wieder der Zwergin zu.

„Wir haben noch viel zu tun.“

Sein Blick ging über die Hütte und zurück zum Dorf.

„Und wir können jede Hand gebrauchen.“

Skar trat einen Schritt vor.

„Wenn du schon hier wohnst, kannst du genauso gut mit anpacken.“

Torfin hob eine Augenbraue.

„Das klingt fast wie eine Einladung.“

„War es auch.“

„Von dir?“

„Mach es nicht kaputt.“

Torfin grinste.

Dann sah er wieder zur Zwergin.

„Also.“

Er deutete mit dem Daumen über seine Schulter in Richtung des Dorfes.

„Wir bauen dort gerade unsere neue Heimat auf.“

Skar nickte.

„Und daraus soll unser Stamm werden.“

Torfin sah die Zwergin direkt an.

„Willst du dich uns anschließen?“

Skar setzte nach:

„Und beim Aufbau helfen?“

Die beiden warteten.

Zum ersten Mal seit langer Zeit war es für einen Moment still zwischen Torfin und Skar.

Hinter ihnen knarrte irgendwo altes Holz im Wind.

Vor ihnen stand die Zwergin.

Und irgendwo zwischen einem verlassenen Dorf, zwei sturen Wikingern und einer einfachen Frage begann etwas zu wachsen, von dem keiner der beiden noch wusste, wie groß es einmal werden würde.
Quindra Obrynn
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Neue Nachbarn, altes Holz

Beitrag von Quindra Obrynn »

Quindra hatte die beiden während ihrer Vorstellung schweigend betrachtet. Ihr Blick wanderte dabei immer wieder zwischen Torfin und Skar hin und her, während die beiden sich gegenseitig ins Wort fielen und offenbar keine Gelegenheit ausließen, den jeweils anderen zu beleidigen.

Zumindest wusste sie nun, wie die beiden hießen.

Schließlich trat sie ganz aus der Tür des Verschlags und hinaus ins Tageslicht. Was zuvor im Schatten der Hütte kaum auszumachen gewesen war, ließ sich nun nur schwer übersehen. Unter dem Tuch, das einen Teil ihres Kopfes bedeckte, zog sich vernarbte Haut über ihre Stirn und weit über die Kopfhaut. Wulstig und unregelmäßig zeugte sie von schweren Verbrennungen, die irgendwann verheilt waren, ohne viel Rücksicht darauf zu nehmen, was sie zurückließen.

Quindra selbst schien sich darum wenig zu kümmern. Sie verschränkte die Arme vor der Brust und legte den Kopf etwas schief, als Torfin erklärte, dass sie in Cove eine Sippe aufbauen wollten. Bei der anschließenden Einladung verengten sich ihre Augen ein wenig. Sie sah erst Torfin an, dann Skar und schließlich an den beiden vorbei in Richtung Cove.

„Euch anschließen?“

So ganz verstand sie nicht, was die beiden eigentlich von ihr wollten. Sie lebte schließlich bereits hier. Lange bevor Torfin, Skar und der Rest ihres mittlerweile erstaunlich großen Haufens aufgetaucht waren. Sie hatte ein Haus, sie hatte ihre Arbeit und bis vor Kurzem hatte sie vor allem eines gehabt: ihre Ruhe.

Andererseits musste sie zugeben, dass Cove seit ihrer Ankunft besser aussah. Die beiden langen Kerle und ihre Gefährten hatten in wenigen Tagen mehr von dem alten Unrat beseitigt, als Quindra in den Monaten zuvor überhaupt zu beseitigen versucht hatte. Nicht, dass sie sich sonderlich darum bemüht hätte. Der Müll hatte sie nicht gestört, solange er weit genug von ihrem Haus entfernt lag.

Nun reparierten sie Dächer, richteten Häuser her und schienen tatsächlich etwas aus dem Ort machen zu wollen. Und bislang hatten sie weder versucht, ihr vorzuschreiben, was sie zu tun hatte, noch waren sie ihr anderweitig auf die Nerven gegangen. Vom Lärm einmal abgesehen.

Quindras Blick blieb schließlich an den Äxten der beiden hängen. Dann betrachtete sie ihre Kleidung etwas genauer. Staub, Schmutz und die deutlichen Spuren körperlicher Arbeit waren kaum zu übersehen.

„Ihr braucht Holz.“

Es klang weniger wie eine Frage als wie eine Feststellung.

Quindra deutete mit dem Kopf zu einer Seite der Lichtung. Zwischen den Bäumen waren weitere sauber aufgeschichtete Stapel zu erkennen, deutlich mehr, als sie allein in nächster Zeit benötigen würde.

„Hab genug.“

Sie musterte Torfin von unten bis oben und ließ ihren Blick anschließend zu Skar wandern. Bei Menschen musste man wirklich erstaunlich weit nach oben schauen. Noch dazu sahen beide aus, als hätte eine ordentliche Wäsche ihnen schon vor einigen Tagen gutgetan.

„Könnt ihr haben.“

Für einen Augenblick schwieg sie und betrachtete die beiden langen, unsauberen Kerle vor sich noch einmal. Vielleicht waren Nachbarn doch nicht grundsätzlich etwas Schlechtes. Diese beiden schienen zumindest nützlich zu sein.

„Wenn ihr euch vorher wascht.“

Ein kaum sichtbares Grinsen zuckte über ihr Gesicht.

Was es mit ihrem angeblichen Beitritt zu ihrer Sippe auf sich hatte, konnten sie ihr danach immer noch erklären.
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