von Skar Veldirsson » 07 Sep 2026, 18:45
Skar hatte in seinem Leben schon genug Häuser gesehen. Große, kleine, prächtige und solche, bei denen man sich fragte, wie sie überhaupt noch standen. Die Häuser in Cove gehörten anfangs eindeutig zur letzten Sorte. Viel war verfallen, manches kaum noch zu retten und bei einigen Hütten hatte Skar den Eindruck, dass ein kräftiger Windstoß genügte, um sie endgültig dem Erdboden gleichzumachen.
Doch langsam änderte sich das. Skar stand mitten auf dem Dorfplatz und ließ den Blick über die Siedlung schweifen. Noch immer gab es genug zu tun. Einige Dächer waren undicht, hier und da lag Gerümpel herum und an manchen Stellen musste erst einmal Platz geschaffen werden, bevor überhaupt daran zu denken war, etwas Neues zu bauen. Trotzdem sah Cove bereits anders aus als noch vor wenigen Tagen. Ein paar der Häuser waren hergerichtet, die Wege zumindest halbwegs begehbar und aus einem der Schornsteine stieg inzwischen regelmäßig Rauch auf.
Ihr Rauch.
Skar musste bei dem Gedanken leicht grinsen. Es war noch lange kein richtiges Dorf, aber zumindest begann es, sich wie eines anzufühlen.
„Nicht schlecht“, murmelte er.
„Was?“
Torfin kam gerade mit einem schweren Balken über den Dorfplatz gestapft. Skar deutete auf eines der Dächer und sagte: „Das da. Der Balken passt nicht.“
Torfin blieb stehen und sah zunächst den Balken in seinen Händen an, dann zu Skar hinüber. „Du hast ihn ausgesucht.“
Skar nickte vollkommen ernst. „Dann war ich wohl betrunken.“
Torfin blickte zum Himmel. „Es ist Mittag.“
„Und?“
Torfin schüttelte nur den Kopf und setzte seinen Weg fort. Skar musste lachen. Genau so konnte es von ihm aus bleiben. Sie hatten beide nicht viel übrig für unnötige Worte, und trotzdem schafften sie es irgendwie, sich den halben Tag über irgendeinen Unsinn zu streiten.
Cove gefiel ihm immer besser. Keine Stadt, keine Mauern und keine Wachen, die einem ständig erklärten, was man zu tun hatte. Stattdessen gab es Arbeit, Feuer, Holz und Stein. Einfache Dinge, die Skar verstand und bei denen er am Ende des Tages sehen konnte, was er geschafft hatte. Vielleicht war genau das der Grund, weshalb er sich hier zum ersten Mal seit langer Zeit wieder halbwegs zu Hause fühlte.
Nach einer Weile legte Skar seinen Hammer beiseite, griff nach seiner Axt und sah zu Torfin hinüber. „Ich geh mich ein bisschen umsehen.“
Torfin hob den Kopf. „Warum?“
„Weil ich wissen will, was hier draußen noch ist.“
„Du meinst, weil dir langweilig ist.“
Skar zuckte mit den Schultern. „Auch.“
Torfin schnaubte, sagte aber nichts weiter, also machte Skar sich auf den Weg. Sie hatten sich bisher hauptsächlich um Cove selbst gekümmert. Den Wald in unmittelbarer Nähe kannten sie inzwischen recht gut, ebenso den kleinen Bach südlich der Siedlung. Was sich weiter außerhalb befand, hatten sie allerdings noch nicht wirklich erkundet.
Skar folgte einem schmalen Pfad, der sich zwischen den Bäumen hindurchzog und stellenweise kaum noch zu erkennen war. Das Gras stand ihm teilweise bis zu den Knien, und immer wieder musste er mit der Axt Äste aus dem Weg schlagen. Je weiter er sich von Cove entfernte, desto stiller wurde es. Keine Stimmen, kein Hämmern und kein gelegentliches Fluchen von Torfin waren mehr zu hören. Nur der Wind strich durch die Baumkronen und irgendwo weiter entfernt rief ein Vogel.
Skar mochte diese Ruhe. Sie erinnerte ihn daran, warum er die Städte überhaupt hinter sich gelassen hatte.
Nach ungefähr einer Stunde lichtete sich der Wald plötzlich. Skar blieb stehen und sah auf eine kleine Lichtung hinaus, die zwischen den Bäumen verborgen lag. Erst auf den zweiten Blick bemerkte er das Haus, das dort stand.
Auf den ersten Blick hätte man es für eines der alten Häuser von Cove halten können. Es war nicht besonders groß und sah auch nicht gerade neu aus. Doch schon nach wenigen Augenblicken fiel Skar auf, dass hier jemand lebte. Das Dach war alt, aber an einigen Stellen offensichtlich erst vor nicht allzu langer Zeit ausgebessert worden. Vor der Tür lagen frisch gespaltene Holzscheite, sauber aufgestapelt, und neben dem Haus stand ein weiterer Stapel Feuerholz.
Skar ging ein paar Schritte näher und blieb dann stehen. An einer Leine hing Kleidung, die noch feucht war. Offenbar war sie erst vor kurzem gewaschen worden.
„Na sowas“, murmelte er.
Er sah sich um, konnte aber niemanden entdecken. Aus dem Haus drang kein Geräusch und auch aus dem Schornstein stieg kein Rauch. Trotzdem gab es keinen Zweifel daran, dass der Ort bewohnt war.
Skar umrundete das Haus und entdeckte hinter der Rückseite ein kleines Beet. Dort wuchsen Kräuter und ein paar Gemüsepflanzen. Nichts Besonderes, aber alles war ordentlich gepflegt. Jemand hatte sich die Mühe gemacht, hier etwas anzubauen und sich um die Pflanzen zu kümmern.
Definitiv bewohnt.
Nur der Bewohner selbst war nirgends zu sehen.
Skar blieb noch eine Weile stehen und betrachtete das Haus. Er hätte einfach an die Tür klopfen können, entschied sich aber dagegen. Er wusste schließlich nicht, wer dort wohnte, und hatte wenig Lust, wegen seiner Neugier gleich einen Streit anzufangen. Wenn hier jemand schon länger allein lebte, würde derjenige vermutlich wenig begeistert davon sein, wenn plötzlich ein bewaffneter Fremder vor der Tür stand.
Also machte Skar sich wieder auf den Rückweg.
Gerade als er sich umdrehte, knackte irgendwo hinter ihm ein Ast.
Skar blieb sofort stehen. Seine Hand wanderte automatisch zum Griff seiner Axt, während er sich langsam umsah. Für einen Moment wartete er darauf, dass jemand zwischen den Bäumen auftauchte.
Doch nichts geschah.
Nur der Wind bewegte die Äste über ihm.
Nach einigen Augenblicken entspannte sich Skar wieder. Vielleicht war es nur ein Tier gewesen. Er warf noch einen letzten Blick auf das Haus, dann machte er sich auf den Weg zurück nach Cove.
Als er die Siedlung schließlich wieder erreichte, war Torfin noch immer bei der Arbeit. Er stand auf dem Dach eines der Häuser und versuchte gerade, einen Balken an die richtige Stelle zu bekommen. Skar blieb unten stehen und wartete, bis Torfin ihn bemerkte.
„Torfin.“
„Was?“
„Wir haben ein Problem.“
Torfin sah zu ihm hinunter. „Was hast du angestellt?“
„Nichts.“
„Dann ist es wirklich ein Problem.“
Skar verdrehte die Augen. „Da draußen steht ein Haus.“
Torfin hielt inne. „Ein verlassenes?“
Skar schüttelte den Kopf. „Nein. Bewohnt.“
Für einen Moment sagte keiner von beiden etwas. Skar sah noch einmal in Richtung Wald. Sie hatten bisher geglaubt, dass sie hier draußen ihre Ruhe hätten und Cove langsam zu ihrer eigenen kleinen Heimat machen könnten. Offenbar waren sie nicht die Einzigen, die diesen Gedanken gehabt hatten.
„Ich hab den Bewohner nicht gesehen“, sagte Skar schließlich und blickte wieder zu Torfin hinauf. „Aber irgendwo da draußen lebt jemand.“
Skar hatte in seinem Leben schon genug Häuser gesehen. Große, kleine, prächtige und solche, bei denen man sich fragte, wie sie überhaupt noch standen. Die Häuser in Cove gehörten anfangs eindeutig zur letzten Sorte. Viel war verfallen, manches kaum noch zu retten und bei einigen Hütten hatte Skar den Eindruck, dass ein kräftiger Windstoß genügte, um sie endgültig dem Erdboden gleichzumachen.
Doch langsam änderte sich das. Skar stand mitten auf dem Dorfplatz und ließ den Blick über die Siedlung schweifen. Noch immer gab es genug zu tun. Einige Dächer waren undicht, hier und da lag Gerümpel herum und an manchen Stellen musste erst einmal Platz geschaffen werden, bevor überhaupt daran zu denken war, etwas Neues zu bauen. Trotzdem sah Cove bereits anders aus als noch vor wenigen Tagen. Ein paar der Häuser waren hergerichtet, die Wege zumindest halbwegs begehbar und aus einem der Schornsteine stieg inzwischen regelmäßig Rauch auf.
Ihr Rauch.
Skar musste bei dem Gedanken leicht grinsen. Es war noch lange kein richtiges Dorf, aber zumindest begann es, sich wie eines anzufühlen.
„Nicht schlecht“, murmelte er.
„Was?“
Torfin kam gerade mit einem schweren Balken über den Dorfplatz gestapft. Skar deutete auf eines der Dächer und sagte: „Das da. Der Balken passt nicht.“
Torfin blieb stehen und sah zunächst den Balken in seinen Händen an, dann zu Skar hinüber. „Du hast ihn ausgesucht.“
Skar nickte vollkommen ernst. „Dann war ich wohl betrunken.“
Torfin blickte zum Himmel. „Es ist Mittag.“
„Und?“
Torfin schüttelte nur den Kopf und setzte seinen Weg fort. Skar musste lachen. Genau so konnte es von ihm aus bleiben. Sie hatten beide nicht viel übrig für unnötige Worte, und trotzdem schafften sie es irgendwie, sich den halben Tag über irgendeinen Unsinn zu streiten.
Cove gefiel ihm immer besser. Keine Stadt, keine Mauern und keine Wachen, die einem ständig erklärten, was man zu tun hatte. Stattdessen gab es Arbeit, Feuer, Holz und Stein. Einfache Dinge, die Skar verstand und bei denen er am Ende des Tages sehen konnte, was er geschafft hatte. Vielleicht war genau das der Grund, weshalb er sich hier zum ersten Mal seit langer Zeit wieder halbwegs zu Hause fühlte.
Nach einer Weile legte Skar seinen Hammer beiseite, griff nach seiner Axt und sah zu Torfin hinüber. „Ich geh mich ein bisschen umsehen.“
Torfin hob den Kopf. „Warum?“
„Weil ich wissen will, was hier draußen noch ist.“
„Du meinst, weil dir langweilig ist.“
Skar zuckte mit den Schultern. „Auch.“
Torfin schnaubte, sagte aber nichts weiter, also machte Skar sich auf den Weg. Sie hatten sich bisher hauptsächlich um Cove selbst gekümmert. Den Wald in unmittelbarer Nähe kannten sie inzwischen recht gut, ebenso den kleinen Bach südlich der Siedlung. Was sich weiter außerhalb befand, hatten sie allerdings noch nicht wirklich erkundet.
Skar folgte einem schmalen Pfad, der sich zwischen den Bäumen hindurchzog und stellenweise kaum noch zu erkennen war. Das Gras stand ihm teilweise bis zu den Knien, und immer wieder musste er mit der Axt Äste aus dem Weg schlagen. Je weiter er sich von Cove entfernte, desto stiller wurde es. Keine Stimmen, kein Hämmern und kein gelegentliches Fluchen von Torfin waren mehr zu hören. Nur der Wind strich durch die Baumkronen und irgendwo weiter entfernt rief ein Vogel.
Skar mochte diese Ruhe. Sie erinnerte ihn daran, warum er die Städte überhaupt hinter sich gelassen hatte.
Nach ungefähr einer Stunde lichtete sich der Wald plötzlich. Skar blieb stehen und sah auf eine kleine Lichtung hinaus, die zwischen den Bäumen verborgen lag. Erst auf den zweiten Blick bemerkte er das Haus, das dort stand.
Auf den ersten Blick hätte man es für eines der alten Häuser von Cove halten können. Es war nicht besonders groß und sah auch nicht gerade neu aus. Doch schon nach wenigen Augenblicken fiel Skar auf, dass hier jemand lebte. Das Dach war alt, aber an einigen Stellen offensichtlich erst vor nicht allzu langer Zeit ausgebessert worden. Vor der Tür lagen frisch gespaltene Holzscheite, sauber aufgestapelt, und neben dem Haus stand ein weiterer Stapel Feuerholz.
Skar ging ein paar Schritte näher und blieb dann stehen. An einer Leine hing Kleidung, die noch feucht war. Offenbar war sie erst vor kurzem gewaschen worden.
„Na sowas“, murmelte er.
Er sah sich um, konnte aber niemanden entdecken. Aus dem Haus drang kein Geräusch und auch aus dem Schornstein stieg kein Rauch. Trotzdem gab es keinen Zweifel daran, dass der Ort bewohnt war.
Skar umrundete das Haus und entdeckte hinter der Rückseite ein kleines Beet. Dort wuchsen Kräuter und ein paar Gemüsepflanzen. Nichts Besonderes, aber alles war ordentlich gepflegt. Jemand hatte sich die Mühe gemacht, hier etwas anzubauen und sich um die Pflanzen zu kümmern.
Definitiv bewohnt.
Nur der Bewohner selbst war nirgends zu sehen.
Skar blieb noch eine Weile stehen und betrachtete das Haus. Er hätte einfach an die Tür klopfen können, entschied sich aber dagegen. Er wusste schließlich nicht, wer dort wohnte, und hatte wenig Lust, wegen seiner Neugier gleich einen Streit anzufangen. Wenn hier jemand schon länger allein lebte, würde derjenige vermutlich wenig begeistert davon sein, wenn plötzlich ein bewaffneter Fremder vor der Tür stand.
Also machte Skar sich wieder auf den Rückweg.
Gerade als er sich umdrehte, knackte irgendwo hinter ihm ein Ast.
Skar blieb sofort stehen. Seine Hand wanderte automatisch zum Griff seiner Axt, während er sich langsam umsah. Für einen Moment wartete er darauf, dass jemand zwischen den Bäumen auftauchte.
Doch nichts geschah.
Nur der Wind bewegte die Äste über ihm.
Nach einigen Augenblicken entspannte sich Skar wieder. Vielleicht war es nur ein Tier gewesen. Er warf noch einen letzten Blick auf das Haus, dann machte er sich auf den Weg zurück nach Cove.
Als er die Siedlung schließlich wieder erreichte, war Torfin noch immer bei der Arbeit. Er stand auf dem Dach eines der Häuser und versuchte gerade, einen Balken an die richtige Stelle zu bekommen. Skar blieb unten stehen und wartete, bis Torfin ihn bemerkte.
„Torfin.“
„Was?“
„Wir haben ein Problem.“
Torfin sah zu ihm hinunter. „Was hast du angestellt?“
„Nichts.“
„Dann ist es wirklich ein Problem.“
Skar verdrehte die Augen. „Da draußen steht ein Haus.“
Torfin hielt inne. „Ein verlassenes?“
Skar schüttelte den Kopf. „Nein. Bewohnt.“
Für einen Moment sagte keiner von beiden etwas. Skar sah noch einmal in Richtung Wald. Sie hatten bisher geglaubt, dass sie hier draußen ihre Ruhe hätten und Cove langsam zu ihrer eigenen kleinen Heimat machen könnten. Offenbar waren sie nicht die Einzigen, die diesen Gedanken gehabt hatten.
„Ich hab den Bewohner nicht gesehen“, sagte Skar schließlich und blickte wieder zu Torfin hinauf. „Aber irgendwo da draußen lebt jemand.“