von Minora Vincenzo » 24 Nov 2025, 20:21
Der Abend senkte sich wie ein dunkler Samtvorhang über die Festung der Lords of War. Auf den Zinnen brannten bereits die ersten Feuerkörbe, deren Schein sich in den schwarzen Bannern brach, die schwer und stolz im Wind hingen. Die Feste selbst – ein Trutzbau aus dunklem Stein, mit hohen Türmen und weitläufigen Innenhöfen – wirkte in diesem Licht wie ein gewaltiger Schatten, der sich über das Land legte.
Minora Vincenzo, Hochmagierin der Lords, schritt mit ruhigen, gemessenen Schritten über das Kopfsteinpflaster des Hofes. Ihre schwarze Robe, innen mit dunklem Rot ausgeschlagen, folgte jeder ihrer Bewegungen wie eine zweite Schattenhaut. Der Schmuck ihrer Stellung – das feine, in Silber gefasste Emblem der Gilde – glänzte nur dezent an ihrer Schulter. Die Zeiten, in denen sie Befehle von den Mauern herabrief, mochten vorüber sein, doch die Feste kannte ihre einstige Lady of War und schien sie noch immer als eine der Ihren zu erkennen.
Die schweren Tore im Rücken, der Blick auf den inneren Turm gerichtet, in dessen Obergeschoss Nartokas Schreiberstube lag, war sie in Gedanken bereits bei den Berichten des Tages, als sich feste Stiefel auf dem Stein näherten.
„Lady Minora!“, rief eine Stimme, respektvoll, aber nicht unsicher.
Sie wandte den Kopf. Ein Wachmann der Feste – noch jung, aber in das Schwarz der Lords gehüllt, mit dem Wappen der Gilde auf der Brust – kam ihr entgegen. Sein Helm war unter den Arm geklemmt, ein leichter Schweißfilm stand ihm auf der Stirn, als sei er den halben Hof im Laufschritt durchquert.
„Was gibt es?“ Minoras Stimme war ruhig, ohne Härte, aber mit der selbstverständlichen Autorität eines Menschen, der einst Befehlsgewalt getragen hatte.
Der Wachmann blieb vor ihr stehen, schlug knapp die Fäuste an die Brust und senkte dann den Blick. In seiner behandschuhten Hand hielt er ein sauber zusammengerolltes Pergament, mit einem roten Siegel verschlossen – Wachs wie geronnenes Blut, in das ein geflügeltes Schwert geprägt war.
„Eine Botschaft, Herrin. Sie wurde am äußeren Tor überbracht. Der Bote verlangte keine Antwort… nur, dass dieses Schreiben einem Verantwortlichen der Lords ausgehändigt werde.“ Der junge Mann hob den Blick, als wolle er ihre Reaktion prüfen. „Es trägt das Siegel des Schwertbundes… des dunklen Engels.“
Einen Herzschlag lang sagte Minora nichts. Der Name allein reichte, um alte Erinnerungen wie schlafende Wölfe in den Schatten ihres Geistes zu rühren – Bündnisse, Fehden, Kämpfe, in denen die Klingen mehr gesprochen hatten als Höflinge und Schreiber. Der Schwertbund war kein gewöhnlicher Absender. Wenn der dunkle Engel seine Hand ausstreckte, dann selten aus bloßer Höflichkeit.
„Habt Ihr den Boten gesehen?“ fragte sie leise.
„Nur flüchtig, Lady. Kapuze im Gesicht, wenig Worte. Er blieb nicht, um zu trinken oder zu ruhen.“
Minora nickte knapp. Sie streckte die Hand aus, und der Wachmann legte ihr das Pergament in die Finger. Das Wachs fühlte sich kühl an, beinahe fremd, als hätte es die Wärme des Hofes bewusst ausgesperrt.
„Ihr habt richtig gehandelt, Soldat.“ Ihr Blick glitt kurz über ihn hinweg zu den Mauern, den Türmen, den schwarzen Bannern, die über der Feste flatterten. „Kehrt auf Eure Position zurück. Und wenn jemand nach der Botschaft fragt, verweist ihn an Lord Nartoka. Niemand sonst.“
„Zu Befehl, Lady Minora.“
Er wandte sich ab, und seine Schritte verklangen zwischen den Geräuschen des Hofes – das Klirren von Ketten, das ferne Schlagen eines Übungsschwertes auf Holz, das dumpfe Rumoren der gewaltigen Feste, die auch im Frieden niemals ganz zur Ruhe kam.
Minora blieb einen Moment stehen und betrachtete das Siegel. Der geflügelte Stahl, der dunkle Engel – Symbole, die ebenso viel Verheißung wie Gefahr bedeuteten. Sie hätte das Pergament hier öffnen können, unter dem freien Himmel, nur begleitet von der wachsamen Stille der Feste. Doch das war nicht ihre Rolle mehr. Sie war Magierin im Dienst der Lords, Beraterin, nicht Herrscherin.
Und diese Entscheidung, was mit der Botschaft des Schwertbundes geschehen sollte, gebührte Lord Nartoka.
Mit einer leichten Drehung ihres Mantels setzte sie sich in Bewegung, den inneren Turm ansteuernd. Die Treppen hinauf zu Nartokas Schreiberstube waren ihr vertraut – der Weg führte durch breite Gänge, deren Wände mit Waffen, Trophäen und alten Bannern geschmückt waren. Überall Schwarz, gebrochen von Stahl und tiefen Farben, die Geschichten von Schlachten erzählten, die längst Geschichte waren – und von solchen, die vielleicht bevorstanden.
Vor der schlichten, aber soliden Tür der Schreiberstube blieb Minora stehen. Hinter dieser Schwelle wurden Kriege nicht nur mit Stahl, sondern mit Worten, Plänen und Zeichen auf Pergament geführt.
Sie legte kurz die Finger auf das Siegel, als wolle sie das Gewicht der Nachricht abschätzen, dann atmete sie langsam aus.
„Möge der Krieg uns diesmal nicht blind machen…“ murmelte sie kaum hörbar, ein Gedanke, der irgendwo zwischen Gebet und Warnung schwebte.
Dann hob sie die Hand und klopfte an Nartokas Tür, die Botschaft des Schwertbundes des dunklen Engels fest in ihrer schwarzen, magierischen Hand.
Der Abend senkte sich wie ein dunkler Samtvorhang über die Festung der Lords of War. Auf den Zinnen brannten bereits die ersten Feuerkörbe, deren Schein sich in den schwarzen Bannern brach, die schwer und stolz im Wind hingen. Die Feste selbst – ein Trutzbau aus dunklem Stein, mit hohen Türmen und weitläufigen Innenhöfen – wirkte in diesem Licht wie ein gewaltiger Schatten, der sich über das Land legte.
Minora Vincenzo, Hochmagierin der Lords, schritt mit ruhigen, gemessenen Schritten über das Kopfsteinpflaster des Hofes. Ihre schwarze Robe, innen mit dunklem Rot ausgeschlagen, folgte jeder ihrer Bewegungen wie eine zweite Schattenhaut. Der Schmuck ihrer Stellung – das feine, in Silber gefasste Emblem der Gilde – glänzte nur dezent an ihrer Schulter. Die Zeiten, in denen sie Befehle von den Mauern herabrief, mochten vorüber sein, doch die Feste kannte ihre einstige Lady of War und schien sie noch immer als eine der Ihren zu erkennen.
Die schweren Tore im Rücken, der Blick auf den inneren Turm gerichtet, in dessen Obergeschoss Nartokas Schreiberstube lag, war sie in Gedanken bereits bei den Berichten des Tages, als sich feste Stiefel auf dem Stein näherten.
„Lady Minora!“, rief eine Stimme, respektvoll, aber nicht unsicher.
Sie wandte den Kopf. Ein Wachmann der Feste – noch jung, aber in das Schwarz der Lords gehüllt, mit dem Wappen der Gilde auf der Brust – kam ihr entgegen. Sein Helm war unter den Arm geklemmt, ein leichter Schweißfilm stand ihm auf der Stirn, als sei er den halben Hof im Laufschritt durchquert.
„Was gibt es?“ Minoras Stimme war ruhig, ohne Härte, aber mit der selbstverständlichen Autorität eines Menschen, der einst Befehlsgewalt getragen hatte.
Der Wachmann blieb vor ihr stehen, schlug knapp die Fäuste an die Brust und senkte dann den Blick. In seiner behandschuhten Hand hielt er ein sauber zusammengerolltes Pergament, mit einem roten Siegel verschlossen – Wachs wie geronnenes Blut, in das ein geflügeltes Schwert geprägt war.
„Eine Botschaft, Herrin. Sie wurde am äußeren Tor überbracht. Der Bote verlangte keine Antwort… nur, dass dieses Schreiben einem Verantwortlichen der Lords ausgehändigt werde.“ Der junge Mann hob den Blick, als wolle er ihre Reaktion prüfen. „Es trägt das Siegel des Schwertbundes… des dunklen Engels.“
Einen Herzschlag lang sagte Minora nichts. Der Name allein reichte, um alte Erinnerungen wie schlafende Wölfe in den Schatten ihres Geistes zu rühren – Bündnisse, Fehden, Kämpfe, in denen die Klingen mehr gesprochen hatten als Höflinge und Schreiber. Der Schwertbund war kein gewöhnlicher Absender. Wenn der dunkle Engel seine Hand ausstreckte, dann selten aus bloßer Höflichkeit.
„Habt Ihr den Boten gesehen?“ fragte sie leise.
„Nur flüchtig, Lady. Kapuze im Gesicht, wenig Worte. Er blieb nicht, um zu trinken oder zu ruhen.“
Minora nickte knapp. Sie streckte die Hand aus, und der Wachmann legte ihr das Pergament in die Finger. Das Wachs fühlte sich kühl an, beinahe fremd, als hätte es die Wärme des Hofes bewusst ausgesperrt.
„Ihr habt richtig gehandelt, Soldat.“ Ihr Blick glitt kurz über ihn hinweg zu den Mauern, den Türmen, den schwarzen Bannern, die über der Feste flatterten. „Kehrt auf Eure Position zurück. Und wenn jemand nach der Botschaft fragt, verweist ihn an Lord Nartoka. Niemand sonst.“
„Zu Befehl, Lady Minora.“
Er wandte sich ab, und seine Schritte verklangen zwischen den Geräuschen des Hofes – das Klirren von Ketten, das ferne Schlagen eines Übungsschwertes auf Holz, das dumpfe Rumoren der gewaltigen Feste, die auch im Frieden niemals ganz zur Ruhe kam.
Minora blieb einen Moment stehen und betrachtete das Siegel. Der geflügelte Stahl, der dunkle Engel – Symbole, die ebenso viel Verheißung wie Gefahr bedeuteten. Sie hätte das Pergament hier öffnen können, unter dem freien Himmel, nur begleitet von der wachsamen Stille der Feste. Doch das war nicht ihre Rolle mehr. Sie war Magierin im Dienst der Lords, Beraterin, nicht Herrscherin.
Und diese Entscheidung, was mit der Botschaft des Schwertbundes geschehen sollte, gebührte Lord Nartoka.
Mit einer leichten Drehung ihres Mantels setzte sie sich in Bewegung, den inneren Turm ansteuernd. Die Treppen hinauf zu Nartokas Schreiberstube waren ihr vertraut – der Weg führte durch breite Gänge, deren Wände mit Waffen, Trophäen und alten Bannern geschmückt waren. Überall Schwarz, gebrochen von Stahl und tiefen Farben, die Geschichten von Schlachten erzählten, die längst Geschichte waren – und von solchen, die vielleicht bevorstanden.
Vor der schlichten, aber soliden Tür der Schreiberstube blieb Minora stehen. Hinter dieser Schwelle wurden Kriege nicht nur mit Stahl, sondern mit Worten, Plänen und Zeichen auf Pergament geführt.
Sie legte kurz die Finger auf das Siegel, als wolle sie das Gewicht der Nachricht abschätzen, dann atmete sie langsam aus.
„Möge der Krieg uns diesmal nicht blind machen…“ murmelte sie kaum hörbar, ein Gedanke, der irgendwo zwischen Gebet und Warnung schwebte.
Dann hob sie die Hand und klopfte an Nartokas Tür, die Botschaft des Schwertbundes des dunklen Engels fest in ihrer schwarzen, magierischen Hand.