Erlass von Graf Answin Leobold von Rothenstein - Im Namen der Krone

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Graf Answin Leobold von Rothenstein
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Erlass von Graf Answin Leobold von Rothenstein - Im Namen der Krone

Beitrag von Graf Answin Leobold von Rothenstein »

Ich war zugegen, als die Krone dem Volk Mut zusprechen wollte – und stattdessen ihre eigene Schwäche offenbarte.

Die Audienz Ihrer Majestät in Britain sollte ein Zeichen der Ordnung sein. Bürger wie Adel füllten den Platz, als sich vor den Toren der Burg ein Spalt im Gewebe der Welt auftat: ein Portal, aus dem eine Gruppe Dunkelelfen trat. Sie legten – so berichtet man mir – ihre Waffen ab und wurden wie gewöhnliche Gäste zur Audienz vorgelassen. Doch anstatt wie Gäste der Majestät zuzuhören, drängten sie sich selbst nach vorn, erklommen die Stufen zum Podium, und trotz der Wachen kamen sie gefährlich nahe an die Königin heran. Einige der adeligen Gäste riefen nach den Wachen – doch viele der Männer in Wappenrock und Kettenhemd schienen nicht einmal zu begreifen, was sich vor ihren Augen ereignete.

Ein Tumult brach aus und, vor den Augen der Königin, vor den Bögen der Schützen und dem Stahl der Wachen, entlud sich ein magischer Blitz. Leuemund Romun von Wolfenreich, Erstgeborener der Gräfin von Düsterhafen, ein besonnener, kluger Erbe eines der wichtigsten Häuser des Reiches, brach dort zusammen und kehrte nicht mehr ins Leben zurück. Der junge Mann, der bereits beratend an der Seite seiner Mutter stand und dessen Geist und Voraussicht in Düsterhafen hohes Gewicht hatten, wurde in jenen Momenten aus den Reihen der Krone gerissen. Offiziell spricht man von einem Opfer des Tumults – doch für einen Ritter der Krone ist klar: Ein solcher Tod vor den Augen der Majestät ist kein Zufall, sondern eine offene Wunde im Fleisch des Reiches.

Die Wache, in Überzahl, mit Stahl und Armbrüsten, ließ die Attentäter gewähren – und am Ende sogar entkommen. Erst nachdem das Blut eines Grafenerben den Boden der Thronhalle befleckt hatte, wurden manche wach genug, um wenigstens die Überlebenden sicher nach Hause zu geleiten. Eine junge Junkerin aus dem Adelsviertel ließ der königlichen Wache ein Schreiben zukommen: Sie dankt den Männern dafür, dass sie sie wohlbehalten von der Burg zu ihrer Villa begleiteten – und bittet zugleich darum, fortan eine Wache der Krone vor ihrem Haus zu postieren, weil sie sich nicht mehr sicher fühlt, selbst unter dem Schatten der Burg.

Wer Ohren hat zu hören, der versteht: Das Vertrauen des Adels in den Schutz der Krone ist erschüttert. Wenn in der Halle der Königin ein Grafenerbe durch einen Zauber getötet werden kann, während die Attentäter als Gäste geduldet werden – was mag dann erst in den Straßen geschehen?

Ich bin ein Mann des Gesetzes und der göttlichen Ordnung, nicht der wohlfeilen Worte. Als Graf von Rothenstein und Ritter der Krone ist es meine Pflicht, nicht zu klagen, sondern zu richten.

Darum erkläre ich, was ich im Kronrat mit allem Nachdruck vertreten werde:

Erstens:
Alle Dunkelelfen, die ohne ausdrückliche Erlaubnis der Krone auf Reichsboden weilen, werden mit sofortiger Wirkung für vogelfrei erklärt. Wer einen solchen Aufrührer stellt oder tötet, hat nicht mit Strafe, sondern mit Lohn zu rechnen. Bis Herkunft, Auftraggeber und Ziel der Attentäter vollständig aufgeklärt sind, gilt jeder nicht legitimierte Drow als Feind der Krone.

Zweitens:
Die Häuser des Hochadels werden unter besonderen Schutz gestellt. In der Baronie Britain sowie in den Grafschaften Schwarztann und Wolfenreich sind zusätzliche Truppen an die Sitze der Familien zu verlegen. Reisewege von und zum Hof, zu Kronrat und Audienzen sind zu sichern; Boten und Gesandte des Adels genießen bewaffnete Begleitung auf Kosten der Krone. Bitten aus dem Adel, vor ihren Stadtvillen Wachen der Krone zu postieren, sind in diesen unruhigen Zeiten wohlwollend zu prüfen – sie sind Ausdruck von Sorge, nicht von Überheblichkeit.

Drittens:
Die königliche Wache Britains und alle für den Schutz der Audienz verantwortlichen Offiziere werden einer schonungslosen Prüfung unterzogen.
Hauptleute, die ihre Pflicht vernachlässigt, Befehle verweigert oder sich in Feigheit vom Geschehen abgewandt haben, werden ihres Amtes enthoben. Wer in dieser Stunde gar mit den Feinden paktierte oder ihnen wissentlich den Weg erleichterte, soll nicht nur entlassen, sondern dem Strang oder dem Schwert übergeben werden. Dass die Dunkelelfen nach vollbrachter Tat fliehen konnten, wiegt schwerer als manch offener Sturmangriff – es ist der Beweis, dass Fäulnis im Herzen der Wachreihen wuchert.
Die einfachen Soldaten, die ihre Befehle befolgten, sind von dieser Schuld zu trennen; Versagen wurzelt selten nur an der Spitze einer Lanze, sondern im Haupt des Heeres.

Viertens:
In den Hallen der Burg selbst sind künftig geweihte Waffen und glaubensfeste Klingen zu stellen – Männer und Frauen, die Tyrael und Ryonar mehr fürchten als den Verlust ihres Soldes. Wo dunkle Zauber wirken, braucht es nicht nur Stahl, sondern Glauben.

Die Krone kann sich keinen zweiten Tag wie diesen leisten. Ordnung kehrt nicht dadurch zurück, dass man milde Worte spricht, sondern indem man die Götter gerecht richten lässt – durch unsere Hand. Ich werde im Kronrat darauf drängen, dass diese Maßnahmen nicht nur beschlossen, sondern unverzüglich vollstreckt werden. Wer sich diesem Kurs widersetzt, soll wissen: Ich verteidige die Krone mit meinem Leben, aber nicht ihre Schwäche.

gezeichnet
Graf Answin Leobold von Rothenstein
Ritter der Krone, treuer Diener Tyraels und Ryonars
gelöschter Charakter_434
Beiträge: 103
Registriert: 07 Mai 2025, 10:46

Mord im Königspalast – und keine Drow zog eine Klinge

Beitrag von gelöschter Charakter_434 »

Der Weg zum Königspalast war mühselig und nur etwas, dem sich die Rivvin hingeben würden. Das Qu’ellar kannte jedoch einen wesentlich eleganteren Weg zu dieser Audienz, wie diese Farce genannt wird. Ein Portal, direkt vor den angeblichen Palast.
Zuerst sprangen Tath’raen und Sarkul, die Sargtline, wie Raubtiere aus dem Portal. Hinter ihnen, etwas zurückgesetzt, schritt Jhea’kryna hindurch – kleiner an Gestalt als die meisten Menschen um sie herum, dafür umso größer an Präsenz. Ihr Qu’ellar bildete einen lebendigen Schutzwall, der neugierige Blicke, allzu aufdringliche Fragen und unbedachte Annäherungen im Keim erstickte.

Als sie vor dem äußeren Tor des Palastes standen, bremste die Kolonne abrupt. Der gepflasterte Platz war sauber – zumindest für menschliche Verhältnisse – doch direkt vor dem Tor, mitten im Weg, glitzerte ein frischer Pferdeapfel in der Sonne.
Jhea’kryna blieb stehen und verzog angewidert das Gesicht. „Zieht eure Tiere besser an den Rand, wenn eure Herrin hier vorfährt,“ murmelte sie auf Gemeinsprache, leise, aber scharf genug, dass die nächststehenden Wächter zusammenzuckten. Dann, etwas lauter: „Ihr,“ sie deutete mit einem eleganten Finger auf einen Paladin in poliertem Harnisch, „werdet mir den Weg weisen. Ich setze meinen Fuß nicht in diesen Dreck.“
Der Mann seufzte, fing sich jedoch schnell und trat einen Schritt vor. Mit einer Höflichkeit, die beinahe altmodisch wirkte, verneigte er sich leicht und bot ihr seinen Arm.

„Wenn Ihr mir die Ehre gewähren würdet, teuerste.“ Bevor sie antworten konnte, reagierte bereits einer der menschlichen Wachmänner. In auffallendem Übereifer löste er seinen Umhang von der Schulter, warf ihn hastig vor den Pferdeapfel und breitete ihn glatt auf dem Pflaster aus – als wollte er jeden Makel aus der Welt bügeln.
Jhea’kryna legte ihre Hand leicht auf den Arm des Paladins, trat mit einem eleganten Schritt über den provisorischen Teppich und schenkte dem Wachmann nicht einmal einen Blick. „So viel Mühe,“ bemerkte sie trocken, „für etwas, das bei uns im Qu’ellar mit einem Peitschenhieb erledigt wäre.“ Hinter ihr knurrte Tath’raen leise seine Zustimmung.

Der Einlass verlief weniger glatt. Am Tor wurde diskutiert, geprüft, geflüstert. Wer darf hinauf, wer muss unten bleiben. Doch am Ende setzte sich die Einladung der Krone durch – und das unbestreitbare Gewicht der Tatsache, dass eine Ilharess der Drow sich nicht ewig an einer Tür aufhalten ließ.
Die Audienz fand nicht in einem geschlossenen Saal statt, sondern auf einer erhöhten Empore auf dem Schlossplatz – ein Bühnenbild aus Holz, geschaffen für Inszenierung und Machtdemonstration. Vorne, auf dem Podest, thronte Königin Ereteria Victoria, flankiert von Gardisten, Hofmagiern und den anwesenden Grafen: die Gräfin Wolfenreich, der Graf Rothenstein, die Gräfin Schwarztann. Goldene Stickereien, Wappen, Banner – alles sorgfältig arrangiert. Jhea’kryna hatte ein Auge für Inszenierung. Und für Verschwendung.

Ihr Qu’ellar führte sie genau vor die Bühne. Sie war hier die wichtigste Person, sie selbst wusste es. Der sie begleitende Paladin wusste es. Nur an den Adligen auf der Bühne ging diese Tatsache vorbei. Dunkle Rüstungen, Speere, Klingen – die Dunkelelfen stellten sich instinktiv so auf, dass niemand unbemerkt an die Ilharess herankam. Neugierige Bürger drängten, tuschelten, starrten. Einige machten instinktiv Platz, als sich die Schatten des Qu’ellars in ihre Nähe schoben.
Die Königin erhob sich und begann zu sprechen. Von der Schwere der Zeiten. Von Verantwortung und Pflichten. Von der Notwendigkeit, dass alle Völker zusammenstehen müssten. Jhea’kryna hörte jenen ersten Sätze aufmerksam zu – dann verengte sich ihr Blick. Es dauerte nicht lange, bis die Rede in das bekannte Klein-Klein der Tagespolitik abglitt: Verwaltungsfragen, Grenzstreitigkeiten, Aufteilungen von Zuständigkeiten. „Irregularitäten“, wie es die Königin nannte.
Während vom Himmel noch der Staub des Sternenfalls fiel und im Ettintal eine Bedrohung wuchs, die die Sterblichen nicht fassen konnten.
Jhea’kryna seufzte leise.
„Il cas noamuth wun sidlorut xund rena l'tresk'ri flamgrae. ,“ murmelte sie auf Drowisch. (*)
„Malla Ilharess?“ fragte Sarkul leise.
„Naubol. Fridj vok. Mayoe nixm'io inbau ulu l'mon'tu Llharei'vi.“ (**)
Der Punkt kam nicht. Stattdessen weitere Worte, weitere höfische Floskeln. Jhea’kryna hob schließlich den Kopf und mischte sich ein: Sie korrigierte die Königin da, wo deren Darstellung der Lage zu weichgezeichnet war, lenkte das Gespräch immer wieder zurück auf das Wesentliche: auf das Ettintal, auf den Sternenfall, auf den Boten der Verdammnis, der den Sterblichen verkündet hatte, sie sollten niederknien, denn das Ende sei gekommen. „Ihr sprecht von Sitzungen, während die Erde selbst aufgerissen wird,“ sagte sie kühl. „Ich war im Ettintal. Ich habe gesehen, was dort lauert. Ihr dagegen pflegt eure Lehen wie ein Kind ein lästiges Haustierpflegt... gerade so viel, dass es nicht stirbt – aber niemals genug, um es mit Stolz vorzeigen zu können.“ Als die anwesenden Adligen die Wichtigkeit ihrer eigenen Beiträge betonten – ihrer „Berichte“, „Sitzungen“ und „Kommissionen“ – lachte sie leise, ohne jede Freude.
Ein Raunen ging durch die Menge. Einige der Adligen wurden rot vor Zorn, andere bleich. Im Volk blitzten kurze, heimliche Grinsen auf; manche lachten offen, andere hinter vorgehaltener Hand.

Als man ihr offiziell das Wort erteilte, machte sie keine Anstalten, von unten hinauf zur Königin zu sprechen. Sie sah es nicht ein, im wahrsten Sinne des Wortes „unter“ den Menschen zu stehen. Sie war hier die einzige mit einem echten Adelstitel, diese Schauspieler auf der Bühne waren von 'sonstwo' gekommen und maßten sich an hier Adel zu spielen.

Als sich in der Sicherheit der Wachen eine winzige Lücke auftat – ein unachtsamer Schritt, ein halbseitiger Blick – nutzte sie den Moment. Sie glitt an zwei Gardisten vorbei, setzte den Fuß auf die Stufen zur Empore und stieg hinauf.
Tath’raen spannte sich sichtbar an, folgte hinauf – die Rolle des Schildes war ihm klar. Die Wachen zögerten, unsicher, ob sie einschreiten sollten. Vielleicht war es Nachlässigkeit. Vielleicht gezielte Untätigkeit.
Oben, fast auf Augenhöhe mit der Königin, blieb Jhea’kryna stehen. „Wenn Ihr wollt, dass ich für euch spreche,“ sagte sie ruhig, „dann spreche ich nicht aus der Menge heraus. Ich bin keine Bittstellerin.“ Sie begann, die Lage darzulegen. Sprach vom Sternenfall, vom Boten der Verdammnis, von der Bedrohung jenseits des menschlichen Begreifens. Sie umriss die Gefahr, die im Ettintal wuchs, und machte unmissverständlich klar, dass höfische Spielereien und Ranggehabe diese Bedrohung nicht aufhalten würden.

Da trat der Hauptmann der Wache vor, das Gesicht angespannt. „Ihr... müsst die Bühne verlassen. Der Platz hier ist der Königin vorbehalten.“ Jhea’kryna wandte den Kopf, musterte ihn wie ein Insekt, das zu laut geworden war. „Ich spreche hier auf Geheiß eurer Königin,“ erwiderte sie scharf. „Ihr habt zu schweigen, solange ich versuche, euer insignifanktes Reich zu retten.“ Doch die Königin selbst erhob nun die Stimme. „Ihr habt meinen Willen vernommen. Kehrt zu euren Leuten zurück. Die Ordnung des Hofes ist einzuhalten.“

Einen Moment lang stand Jhea’kryna reglos da, die Augen zu schmalen Schlitzen verengt. Dann wandt sie sich ab. Sie hatte kaum die Hälfte der Stufen hinabgestiegen, als es geschah. Ein greller Blitz, aus heiterem Himmel, zerriss die Luft. Der Donner folgte beinahe unmittelbar, ein gellender Schlag, der über den Platz rollte. Schreie, ein Aufschrecken, Unordnung. Für einen Herzschlag wusste niemand, woher der Schlag gekommen war – ein Angriff? Ein Schutzzauber der Hofmagier? Ein Zeichen?
Jhea’krynas Qu’ellar reagierte als erstes. Tath’raen brüllte einen Befehl, stürzte zu ihr. „Inbau harl Ilharess!“ (***), rief er und packte die Ilharess kräftig an der Schulter und zog sie die Stufen hinab, während Sarkul und die anderen Drow eine enge Formation schlossen und sie mit ihren Körpern abschirmten. „Rührt sie nicht an!“ fauchte Tath’raen, als ein menschlicher Wachmann zu nahe kam. „Sie steht unter meinem Schutz.“

Jhea’kryna ließ sich ziehen, aber nicht ohne noch Anweisungen zu geben. „Istrugar“, stieß sie hervor, „der zwergische Gildenlord der Paladine – er erhält freies Geleit nach Moonglow. Er allein hat hier für mich gesprochen, als ihr Adel versuchte, mich niederzubrüllen. Er scheint der Einzige zu sein, dem an dieser Welt liegt.“ „Verstanden, malla Ilharess,“ antwortete Sarkul, während sie den Rand des Platzes erreichten.
Am Haupttor, inmitten von panischer Bewegung und aufgeregten Rufen, fühlte Jhea’kryna es plötzlich: ein feines, kaum wahrnehmbares Flirren in der Luft. Die magische Abschirmung des königlichen Palastes – sie war beschädigt. Oder manipuliert.
Verrat!

Ein scharfes Lächeln huschte über ihre Lippen. Wenn die Schutzzauber geschwächt waren, dann nicht nur für den Feind. „Baat'leb,“ befahl sie auf Drowisch. „Nau uss sultha.“ (****) Die Drow stellten sich enger. Jhea’kryna hob die Hände, spürte das dünne, zitternde Gewebe der Magie, das hier nicht so dicht war, wie es sein sollte. Eine Gelegenheit, die sie nicht ungenutzt lassen würde. Ihre Stimme schnitt durch das Chaos wie eine Klinge: „Balbau uns’aa zhennur helothannin – VAS REL POR.“ (5*) Die Luft vor ihr verdichtete sich, Magie floss zusammen, ein Riss entstand im Raum, der sich in ein Portal nach Moonglow öffnete. Eine Rune blitzte auf, als sie den Übergang markierte – ein Ankerpunkt für zukünftige Reisen. „Areion l'videnn ,“ befahl sie ruhig. „Udos inbal kyorl vel'bol udos doer ulu“ (6*)
Einer nach dem anderen verschwanden die Schatten ihres Qu’ellars im wirbelnden Licht. Jhea’kryna trat als Letzte hindurch, ohne sich noch einmal umzusehen. Hinter ihr blieb ein Palast zurück, dessen Schutz magisch unterwandert war, dessen Königin sich in Nebensächlichkeiten verloren hatte und dessen Adlige sich noch nicht im Geringsten bewusst waren, wie nahe das Ende bereits an ihre polierten Stiefel herangerückt war.

⊱⋅ ───────── ༻ 𝔎𝔶'𝔄𝔩𝔲𝔯 ༺ ───────── ⋅⊰


(*) Sie verliert sich in Papierkram, während die Welt brennt.
(**)Nichts. Hört nur zu. Vielleicht kommt sie irgendwann noch zum Punkt.
(***) Get down Ilharess/Mrs President
(****) Haltet den Kreis! Niemand tritt ein.
(5*) Gewähre mir eine größere Reise
(6*) Durch das Tor, wir haben gesehen, was wir sehen wollten [?]
Zuletzt geändert von gelöschter Charakter_434 am 13 Dez 2025, 15:26, insgesamt 1-mal geändert.
gelöschter Charakter_434
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The game's afoot [Mord in Britain]

Beitrag von gelöschter Charakter_434 »

Graf Rothensteins Worte erreichten Jhea’kryna, noch während die Tinte kaum getrocknet war. Der Erlass – hart und pompös, überdies gefährlich allgemein formuliert – verbreitete sich wie ein loderndes Gerücht durch Britain und Moonglow zugleich.
Sie las die Zeilen zweimal. Einmal sachlich, einmal amüsiert. Vogelfrei und Aufrührer waren sie nun. Ein Feind der Krone. Worte, die sich schwer geben wollten, aber für sie nur hohl klangen.

Schließlich lehnte sie sich zurück, ein leises, kaum hörbares Schmunzeln umspielte ihre Lippen.
„Und das,“ sagte sie trocken, während ihr Qu’ellar aufmerksam lauschte, „nur weil wir schwarz sind.“

Sie ließ das Pergament sinken. Die Drohung beeindruckte sie nicht im Geringsten; sie roch nach Angst, nach einer Krone, die ihren eigenen Hof nicht kontrollieren konnte und nun blindlings gegen jene schlug, die ihr die Unzulänglichkeiten vor Augen geführt hatten. Ein Reich, das seine Ohnmacht hinter martialischen Worten versteckte.

„Wenn dies die Stärke Britains sein soll,“ fuhr sie fort, „dann ist es kein Wunder, dass die Welt zerbricht.“

Ihr Blick verfinsterte sich – nicht aus Furcht, sondern aus Vorfreude.
Das Spiel war im Gange.
Tath'raen
Beiträge: 32
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Re: Erlass von Graf Answin Leobold von Rothenstein - Im Namen der Krone

Beitrag von Tath'raen »

Tath'raen stand auf seinem Wachposten in der großen Halle, als die Ilharess das Pamphlet verlaß. Während er den Worten lauschte, durchfuhr ihn ein warmes Gefühl. Es fühlte sich so gut an, dass er über die Bemerkung der Ilharess über ihre Hautfarbe, die sie von ihm gestohlen hatte, hinwegsah. Er muss nun nicht mehr vor den Rivvin nett sein. Heute war die Welt wieder etwas heimischer und schöner geworden.
Hinrik Haldner
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Registriert: 09 Nov 2025, 18:01

Re: Erlass von Graf Answin Leobold von Rothenstein - Im Namen der Krone

Beitrag von Hinrik Haldner »

~An den Wänden prominenter Gebäude finden sich feste Aushänge ~:

Kundgebung!!!

Im Namen der Königin, Ereteria Victoria II. von Velmorra, wird hiermit mit sofortiger Wirksamkeit verkündet, dass alle Dunkelelfen aufgrund des abscheulichen Mordes an des Grafen Erstgeborenem Leuemund Romun von Wolfenreich, als VOGELFREI gelten. Wer einen solchen Aufrührer stellt oder tötet, hat nicht mit Strafe, sondern mit Lohn zu rechnen. Jegliche Mithilfe, Unterstützung derer, wird ohne Erbarmen geahndet werden.

Hoch lebe die Königin!
Für das Volk!!!
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Graf Answin Leobold von Rothenstein
Beiträge: 3
Registriert: 08 Dez 2025, 16:32

Re: Erlass von Graf Answin Leobold von Rothenstein - Im Namen der Krone

Beitrag von Graf Answin Leobold von Rothenstein »

Der Bericht aus Moonglow roch nach Salz und kalter Asche, selbst hier, in den stillen Gemächern Britains.

Graf Answin Leobold von Rothenstein las langsam, Satz für Satz, und ließ zwischen den Zeilen Raum für das, was nicht geschrieben stand.

Die Entscheidung war gefallen – nüchtern, unausweichlich.
Gräfin Cornelia von Schwarztann war in Britain verblieben. Der feige Mord an Leuemund Romun von Wolfenreich, die bestätigten Anschlagspläne in Düsterhafen, all das hatte keinen Spielraum gelassen. Moonglow mochte Insel sein, doch erschien auch sie kein sicherer Ort mehr. Die Krone hatte sie im Zentrum behalten, geschützt von Mauern, Bannkreisen und loyalen Klingen.

Natürlich hatte man die Garde auf Moonglow unverzüglich unterrichtet.
Befehle waren gesandt worden, klar formuliert, ohne Spielraum für Auslegung:
Die Dunkelelfen waren festzusetzen. Bewegungen zu unterbinden. Ruhe herzustellen.

Der vorübergehend eingesetzte Hauptmann hatte gehandelt, wie man es von einem Mann seines Standes erwarten durfte.

Answin nickte kaum merklich, als er las, wie der Zug zusammengestellt worden war. Gardisten aus der Stadt, verstärkt durch Reserven. Die Tore nach Moonglow gesichert, Straßen kontrolliert, der Stadtkern verstärkt. Ordnung wurde hergestellt, gesichert, zunächst.
Dann, in Phase 2, der Zugriff am bekannten Aufenthaltsort. Zielgerichtet. Entschlossen.
Mehrere Dunkelelfen festgesetzt. Keine Verletzten. Keine Eskalation. So sollte es sein.

Doch dann veränderte sich der Ton des Berichts. Answin spürte es, noch bevor er verstand, warum.

Mehr Dunkelelfen seien aufgetaucht, schrieb der Hauptmann. Nicht geschlossen, nicht organisiert – sondern einzeln, aus Gassen, Hinterhöfen, Häusern. Selbst jene, die noch Stunden zuvor als mittellose, verdreckte Gestalten aufgefallen waren, trugen plötzlich Messer, Säbel, halb versteckt, aber bereit und die Botschaft war klar.
Im Zuge der angespannten Lage kam es vereinzelt zu kleineren Gefechten zwischen Gardisten und bewaffneten Dunkelelfen. Diese Zusammenstöße blieben jeweils von kurzer Dauer und konnten durch entschlossenes, jedoch maßvolles Eingreifen der Garde rasch beendet werden. Auf beiden Seiten waren weder Todesopfer noch schwerwiegende Verletzungen zu verzeichnen. Um eine weitere Eskalation zu vermeiden und die bereits erreichten Festsetzungen nicht zu gefährden, entschied ich, die festgesetzten Individuen unverzüglich aus dem unmittelbaren Gefahrenbereich zu verbringen. Zu diesem Zweck wurde ein zusätzlicher Trupp vom nördlichen Hafen angefordert, dem die sichere Abführung der Gefangenen übertragen wurde, um sie außer Reichweite der anwachsenden Unruhe in den nördlichen Grenzbereichen der Stadt zu bringen und den verbliebenen Kräften vor Ort Handlungsspielraum zu erhalten.
Answin zog langsam die Stirn kraus. Bis hierhin hatte der Mann richtig gehandelt. Und dann kam die Stelle, bei der seine Hand kurz inne hielt.

Nicht die Dunkelelfen hatten zuerst eskaliert.
Nicht die Bewaffneten.
Es waren die Flüchtlinge gewesen.

Menschen, die bislang am Rand gestanden hatten, beobachtend, schweigend. Sie begannen zu werfen – faules Obst, Steine, alles, was sie greifen konnten. Doch nicht auf die für vogelfrei erklärten Dunkelelfen.

Auf die Garde. Auf die ehrbare Garde der Gräfin von Schwarztann.

Answin las die entsprechende Stelle des Berichts zweimal.
Im weiteren Verlauf der Maßnahmen kam es zu offenen Anfeindungen durch Teile der anwesenden Flüchtlinge. Diese richteten sich nicht gegen die festgesetzten Dunkelelfen, sondern gegen die eingesetzten Gardisten selbst. Unter lauten Zurufen warfen die Personen der Garde Schamlosigkeit und Pflichtvergessenheit vor und erklärten, die Dunkelelfen hätten ihnen in den vergangenen Tagen mit Nahrung und einfachen Vorräten ausgeholfen, ihre Not gelindert und sie nicht abgewiesen. Im Gegensatz dazu, so die Vorwürfe, habe die Garde ihre Bestände in der Garnison bewacht und keinerlei Unterstützung gewährt. Die Stimmung unter den Flüchtlingen schlug hierbei spürbar um und entwickelte sich von verbaler Ablehnung zu offen feindseliger Haltung gegenüber der königlichen Ordnungsmacht.

Bild

Ein bitteres, leises Ausatmen entwich ihm.
Angesichts der zunehmenden Unruhe sowie der offenen Feindseligkeit durch bewaffnete Dunkelelfen und Teile der anwesenden Flüchtlinge sah ich mich gezwungen, zwischen dem Einsatz tödlicher Gewalt und der Sicherung des bislang Erreichten abzuwägen. Eine weitere Eskalation hätte unweigerlich auch jene getroffen, die unserer Obhut unterstehen – Menschen, die sich bereits in großer Not befinden und deren Handeln erkennbar durch Angst, Erschöpfung und Mangelernährung beeinflusst war. In meiner Verantwortung als Befehlshaber vor Ort sah ich es als meine Pflicht an, diese Schutzbefohlenen nicht zusätzlich zu gefährden, selbst wenn sie wider besseres Wissen handelten. Um unnötiges Blutvergießen zu vermeiden und die Lage nicht weiter anzuheizen, entschied ich mich daher bewusst gegen eine Ausweitung der Gewalt und ordnete den Rückzug auf gesicherte Positionen an. Die vollständige Durchsetzung der angeordneten Festsetzung aller Dunkelelfen war unter diesen Umständen nicht möglich. Ich ersuche folglich um die Zuweisung zusätzlicher Truppen sowie um klar präzisierte Befehle, um die Situation in Moonglow unter veränderten Rahmenbedingungen erneut und nachhaltig ordnen zu können.
Answin ließ den Bericht sinken.

Erst die Situation in Britain, dann die Anschläge in Düsterhafen und nun selbst im ansonsten stabilen und treuen Moonglow?
Drei Brandherde, und nur ein Wassereimer.

Gegenwärtig war kaum etwas zu bewegen. Britain selbst stand unter Spannung, die Wachen durch die längeren und verschärften Wachdienste ausgelaugt, der Adel aufgebracht, die Straßen unruhig. Er konnte keine weiteren Gardisten nach Moonglow entsenden, nicht ohne hier neue Lücken zu reißen – nicht solange die Dunkelelfen sich auf Moonglow, zumindest vorerst, ruhig verhielten.

Vorerst würde sich die Gräfin mit dem begnügen müssen, was möglich war:
Der Kern von Moonglow war stark gesichert. Die Straßen wurden kontrolliert.
Die Dunkelelfen faktisch auf den nördlichen Hafen konzentriert – beobachtet, eingegrenzt, aber nicht zerschlagen.
Ein Provisorium. Und Provisorien waren selten Zeichen von Stärke.

Answin schloss die Augen für einen Moment.

Dies war kein einfacher Aufruhr.
Es war ein Riss – zwischen Ordnung und Dankbarkeit, zwischen Pflicht und Wahrnehmung.

Und Risse, das wusste er nur zu gut, wurden selten von selbst wieder geschlossen.
gelöschter Charakter_434
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Re: Erlass von Graf Answin Leobold von Rothenstein - Im Namen der Krone

Beitrag von gelöschter Charakter_434 »

Jhea’kryna Ky’Alur stand am Fenster ihres Hauses und ließ den Blick lange, beinahe genüsslich, über die Straße unter sich gleiten, wo sich Stimmen, Schritte und das unruhige Flackern von Fackeln zu einem Bild verdichteten, das weniger Chaos als vielmehr eine rohe, ehrliche Form von Wahrheit darstellte. Denn Krawalle waren nichts anderes als der Moment, in dem Masken fielen und jene, die sonst brav schwiegen, endlich lernten zu schreien. Sie sah, wie sich ihre Dunkelelfen in kontrollierten Bewegungen zurückzogen, nicht hastig, nicht panisch, sondern mit der kalten Disziplin eines Volkes, das seit Generationen wusste, wie man überlebt, während zwischen ihnen und dem aufgebrachten Mob die Flüchtlinge gedrängt wurden, nicht aus Grausamkeit, sondern aus Pragmatismus, denn Schutzschilde aus Fleisch hatten sich schon immer als erstaunlich effektiv erwiesen, wenn Moral plötzlich wichtiger war als Ordnung.

Ein leises, beinahe amüsiertes Atmen entwich ihr, während sie beobachtete, wie die Situation sich verfestigte, und ohne den Blick vom Fenster zu lösen sprach sie den Namen, den man in ihrem Haus nie rufen musste. Er war ohnehin immer dort, wo Schatten sich sammelten. Tath’raen trat lautlos näher, und sie befahl ihm mit ruhiger Stimme, dass die Waffen ausgegeben werden sollten. Nicht versteckt, nicht heimlich, sondern offen und sichtbar, Armbrüste, Säbel, Dolche, Schilde und Kettenhemden, all das, was verfügbar war, solle an ihr Volk verteilt werden, nicht nur an eine Elite, nicht an eine kleine Garde, sondern an jene, die bereit waren, sich selbst zu verteidigen, wenn die Welt ihnen einmal mehr zeigte, dass sie kein Mitleid kannte. Sie fügte hinzu, dass Lyr’sa Tag und Nacht schmieden solle, ohne Unterlass, ohne Ausreden, und dass man ihr alles bereitstellen möge, was sie benötigte.

Tath’raen erhielt zudem den Auftrag, einige der Jaluken, unter ihnen Sarkul, sowie den Faern Maldrak dazu zu bewegen, Wache zu halten, und ihr umgehend zu berichten, sollte isch etwas ereignen.
Als der Sargtlin sich entfernte, blieb Jhea’kryna noch einen Moment stehen, lauschte dem gedämpften Lärm von draußen und spürte dieses vertraute Kribbeln, das sie immer dann befiel, wenn sich die Welt in eine Richtung bewegte, die zwar gefährlich war, ihr aber gleichzeitig Möglichkeiten eröffnete, die andere nicht einmal erkannten.

Schließlich wandte sie sich vom Fenster ab und trat an ihren Schreibtisch, wo Pergament, Tinte und Siegel bereitlagen, Symbole einer anderen Art von Macht, subtiler, aber nicht minder tödlich, denn Worte konnten Reiche stürzen, wenn man sie nur richtig setzte. Während sie sich setzte, dachte sie an die Dreistigkeit, mit der der Adel Velmorras ihr den Mord an dem Grafensohn Leuemund in die Schuhe geschoben hatte.Wie schnell sie reagiert hatten. Wie entschlossen und beinahe elegant sie vorgegangen waren, und sie musste sich eingestehen, dass es etwas Wunderschönes gehabt hatte, diese Klarheit, diese Skrupellosigkeit, dieses kompromisslose Handeln, das so viele für Unmoral hielten, während sie darin lediglich Effizienz sah.

Jhea’kryna liebte den Verrat, weil er ehrlich war, weil er nie vorgab, etwas anderes zu sein als ein Messer im Rücken, doch sie hasste den Verräter. Just so wie es das Sprichwort vorsah.
Es wurmte sie zutiefst, dass sie dieses Mal nicht selbst die Hand geführt hatte, dass man sie benutzt hatte, und schlimmer noch, dass sie sich hatte benutzen lassen, indem sie so bereitwillig in ein Spiel eingetreten war, dessen Regeln andere geschrieben hatten.
Dieser Gedanke nagte an ihr. Dieser verletzte Stolz... Ihr Stolz war das Einzige, was sie sich niemals hatte nehmen lassen, und wer ihn angriff, tat gut daran, den nächsten Zug sehr sorgfältig zu planen, auch wenn er glaubte, bereits gewonnen zu haben.

Doch Jhea’kryna wäre nicht Jhea’kryna, wenn sie aus diesem Umstand nicht einen Vorteil zu ziehen wüsste, und so glitten ihre Gedanken zu Jolanda Pappmacher, der Schreiberin, die sie erst seit einigen wenigen Tagen „in Sicherheit“ gebracht hatte und die nun ihr Gast war. Wenn auch ein streng überwachter, denn Jolanda durfte ihr Gästezimmer nicht verlassen. Es fehlte ihr an nichts. Ganz im Gegenteil, sie war umsorgt, bewirtet und mit einer eigenen Dienerin versehen worden, die langsam am Rande der Verzweiflung stand, weil jede Mahlzeit zu einer Prüfung wurde, bei der der Toast weder zu dunkel noch zu hell sein durfte und die Butter bitte so beschaffen sein sollte, dass sie sich wie von selbst über das Brot verteilte, ein Umstand, der Jhea’kryna jedes Mal ein leises Lachen entlockte, wenn sie davon hörte.

Sie lächelte nun auch, als sie an diese Absurdität dachte, und entschied, dass Jolanda gehen durfte, nicht als Gefangene, nicht als gebrochene Frau, sondern als freie Zeugin, die etwas gesehen hatte, das andere lieber verborgen hielten. Sie würde ihr einen Brief mitgeben, sauber formuliert, ohne Flehen und ohne Rechtfertigung, in dem sie erklärte, dass sie selbst mit dem Mord an Leuemund nichts zu tun gehabt habe, dass sie Jolanda Schutz gewährt habe, weil es richtig gewesen sei, und dass sie nun erwarte, dass diese Wahrheit auch außerhalb ihrer Mauern Gehör finde, selbst wenn man sie dort nicht hören wollte.
Während sie begann, die Feder in die Tinte zu tauchen, formten sich die Sätze bereits in ihrem Kopf, verschachtelt, präzise und voller jener kleinen Andeutungen, die mehr sagten als jede offene Anschuldigung, und sie dachte daran, wie der Adel reagieren würde, wenn Jolanda auftauchte, lebend, wohlauf und mit Worten im Gepäck, die nicht ins gewünschte Narrativ passten. Vielleicht würde man sie ignorieren, vielleicht diskreditieren, vielleicht würde man sie als naive Schreiberin abtun, doch selbst dann wäre ein Samen gesät, und Jhea’kryna wusste nur zu gut, wie gefährlich Samen sein konnten, wenn sie erst einmal Wurzeln schlugen.

Draußen ebbte der Lärm langsam ab, nicht weil die Spannungen verschwunden waren, sondern weil sie sich neu sortierten, und Jhea’kryna schrieb weiter, ruhig und konzentriert, während sie innerlich bereits die nächsten Schritte plante, die Briefe, die noch folgen würden, die Gespräche, die sie führen musste, und die Wahrheiten, die sie je nach Empfänger anders färben würde, denn Wahrheit war kein fester Zustand, sondern ein Werkzeug, und sie verstand es meisterhaft, dieses Werkzeug zu führen, auch wenn man ihr gerade erst gezeigt hatte, wie scharf es sein konnte, wenn es gegen sie selbst gerichtet wurde.
Als sie schließlich innehielt und die Feder beiseitelegte, war ihr Lächeln verschwunden, ersetzt durch jene ruhige, gefährliche Gelassenheit, die sie immer dann ausstrahlte, wenn andere glaubten, sie in die Enge getrieben zu haben, und sie wusste, dass dieser Mord, dieser Verrat, diese öffentliche Schuldzuweisung nicht das Ende war, sondern der Anfang eines Spiels, das nun endlich interessant wurde, auch wenn sie sich insgeheim eingestand, dass sie es beim nächsten Mal besser machen würde, sehr viel besser, denn benutzt zu werden war eine Lehre, die sie sich nur ein einziges Mal erlaubte.
gelöschter Charakter_434
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Über das Recht der Selbstverteidigung

Beitrag von gelöschter Charakter_434 »

Jhea’kryna Ky’Alur hatte den Moment genau beobachtet, als die Garde zwei ihrer Getreuen verhaftete. Mit jener kalten Selbstverständlichkeit, die zeigte, dass der Entschluss längst gefallen war und man nur noch auf einen Anlass gewartet hatte, und in diesem Augenblick war ihr klar geworden, dass jede Illusion von Zurückhaltung auf Seiten der Krone endgültig verflogen war. Noch während die Rufe auf der Straße verhallten, ließ sie Wachen vor das Drowviertel im Norden Moonglows stellen, Sargtline, die ihr seit Jahren treu dienten und deren Loyalität nicht aus Sold, sondern aus Furcht, Stolz und persönlicher Bindung gewachsen war. Sie befahl ihnen, ihr Volk zu schützen, egal gegen wen, egal zu welchem Preis, denn was hier verteidigt wurde, war längst mehr als ein Viertel oder ein Haus, es war ein Zeichen. Dennoch wusste Jhea’kryna, dass dies nicht ausreichen würde, denn Mauern und Klingen hielten nur so lange, wie der Gegner an Regeln glaubte, und Regeln waren in Moonglow bereits zu Staub zerfallen.

Während sie die Situation nüchtern abwog, begann sich ein Plan zu formen. Kein hastiger Gedanke, sondern einer jenen, die sich langsam entfalteten und dabei ihre eigene innere Logik offenbarten. Dieser Gedanke führte sie tief hinab, dorthin, wo die Oberflächenbewohner niemals wirklich hinsehen wollten.
Unter Elashinn, in den alten Tunneln und vergessenen Schächten, existierten Wesen, die man aus gutem Grund verbannt hatte. Drider, gefallene Kreaturen, halb Drow, halb Bestie, deren Existenz selbst unter den Dunkelelfen als Makel galt, und Jhea’kryna wusste um sie, weil sie selbst ihre Gefängnisse hatte errichten lassen und weil einige von ihnen ihre Existenz überhaupt erst ihr verdankten. Diese Wesen waren eingesperrt worden, um Schaden von Elashinn fernzuhalten, doch nun war die Zeit gekommen, in der Schaden ein Werkzeug werden musste, und Jhea’kryna erkannte, dass nichts geeigneter war, um Angst zu säen, als das Versprechen von Blut an jene, die davon lebten.

Sie beschloss daher, eine Expedition in die Tiefen des Underdark zu befehlen. Eine gezielte Suche nach den Tunneln zurück zu ihrer Stadt. Und nach jenen Kreaturen, die man einst verstoßen hatte, und der Auftrag war klar. Denn man sollte die Drider nicht bekämpfen. Nicht vernichten und nicht erneut knechten, sondern sie locken, mit Versprechen, mit Freiheit und mit der Aussicht auf Beute in Moonglow. Dort wo die Straßen voller Körper waren und die Ordnung nur noch eine dünne Haut trug. Jhea’kryna war sich bewusst, dass dieses Spiel gefährlich war, denn Drider kannten keine Loyalität, doch sie kannte ihre Gier, und Gier war berechenbar, solange diese Gier genährt wurde.

Parallel dazu ordnete sie einen zweiten Schritt an, leiser, unsichtbarer und nicht weniger wirkungsvoll. Denn sie ließ Lyr’sa zu sich rufen und trug ihr auf, einen Tunnel in den Kerker von Moonglow graben zu lassen, tief, eng und verborgen, und dieser Tunnel sollte nicht von drowischen Händen allein geschaffen werden. Unter Zuhilfenahme von Duergar, deren Fähigkeiten im Stein unübertroffen waren und deren Loyalität sich seit jeher mit Gold erkaufen ließ. Lyr’sa erhielt den Auftrag, diese Zwerge mit Versprechen von Reichtum zu locken, ohne ihnen den wahren Zweck des Tunnels zu offenbaren, denn Unwissenheit war ein besseres Siegel als jedes Schweigen, und Jhea’kryna wusste, dass selbst gierige Zwerge weniger Fragen stellten, wenn ihre Hände beschäftigt waren.

Um sicherzustellen, dass diese Arbeiten unbemerkt blieben, befahl sie zudem, dass Zynrae Lyr’sa begleiten sollte. Ein gut gesetzter Stillezauber war oft wirkungsvoller als jede Wache, und Magie, die Geräusche verschluckte, konnte ganze Welten - in diesem Fall das unwillkommene Klopfen von Hacken im Fels - verbergen.

Während all diese Befehle gegeben wurden, empfand Jhea’kryna weder Zorn noch Hast, sondern jene klare Ruhe, die sie immer dann erfasste, wenn sich ein Konflikt von einem moralischen in einen strategischen verwandelte, denn Moral war wandelbar, aber Strategie folgte Regeln. Sie wusste, dass Drider in den Straßen Moonglows Angst säen würden, selbst wenn sie nur kurz erschienen, und sie wusste ebenso, dass ein geheimer Zugang zum Kerker die Machtverhältnisse verschieben konnte, ohne dass ein einziges Banner gehisst werden musste, und so war ihr klar, dass dieser Plan kein Akt der Verzweiflung war, sondern ein notwendiger Schritt in einem Spiel, das andere begonnen hatten, ohne zu begreifen, mit wem sie es wirklich zu tun hatten.
Tath'raen
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Re: Erlass von Graf Answin Leobold von Rothenstein - Im Namen der Krone

Beitrag von Tath'raen »

Tath’raen saß auf der kleinen Terrasse und hielt den Kelch mit Wein ruhig in der Hand, als sein Blick auf die Straße darunter gefallen war, wo sich die Situation gerade verdichtete, zuerst kaum mehr als eine Unruhe, ein kurzes Stocken der Bewegung, dann das klare Bild von gezogenen Waffen und erhobenen Stimmen, als die Garde zwei der ihren aus der Menge löste, nicht hastig, nicht brutal, sondern mit jener nüchternen Entschlossenheit, die keinen Widerstand erwartete und ihn deshalb auch nicht duldete. Er beobachtete, wie die beiden Drow kurz innehielten, wie der eine noch etwas sagen wollte, es sich dann aber verkniff, weil er offenbar begriff, dass Worte hier nichts mehr ändern würden, und wie die Hände schließlich gefesselt wurden, routiniert, ohne Eile, als wäre dieser Schritt längst eingeplant gewesen und man hätte nur auf den passenden Moment gewartet.

Tath’raen nahm einen langsamen Schluck und ließ den Blick nicht von der Szene, während die Umstehenden sich zurückzogen, nicht aus Angst, sondern aus jener vorsichtigen Klugheit, die wusste, wann Wegsehen klüger war als Haltung zu zeigen, und in diesem Augenblick formte sich in ihm kein Mitleid, sondern ein stilles, fast zufriedenes Verständnis dafür, dass dies der Punkt war, an dem sich etwas unwiderruflich verschob. Er erkannte in der Art der Verhaftung kein Zeichen von Ordnung, sondern von Vorbereitung, und während die beiden Abgeführten zwischen den Wachen verschwanden, wusste er, dass diese Handlung kein Ende markierte, sondern einen Anfang, und dass das, was nun kommen würde, nicht mehr aufzuhalten war, egal wie ruhig die Straße kurz darauf wieder wirkte.

Während sich der Lärm auf der Straße legte und nur das gewohnte Murmeln der Stadt zurückblieb, lehnte sich Tath’raen leicht zurück und ließ den Wein einen Moment unbeachtet, denn seine Gedanken waren bereits weitergezogen, weg von den abgeführten Drow und hin zu jener, die diesen Zug gewiss nicht unbeantwortet lassen würde. Er kannte die Ilharess gut genug, um zu wissen, dass Stille bei ihr niemals Untätigkeit bedeutete, sondern Sammlung, und so wartete er, ruhig und geduldig, auf den nächsten Schachzug seiner Ilharess, überzeugt davon, dass er kommen würde – präzise, kalt und mit einer Wucht, die jene treffen sollte, die glaubten, das Spiel kontrollieren zu können.
gelöschter Charakter_434
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Re: Erlass von Graf Answin Leobold von Rothenstein - Im Namen der Krone

Beitrag von gelöschter Charakter_434 »

Jhea’kryna Ky’Alur war noch dabei, die letzten Anweisungen zu geben, als der Späher vorgeführt wurde, staubig, außer Atem und mit jenem Blick, den nur jene trugen, die etwas gesehen hatten, das größer war als sie selbst. Die Verteilung der Waffen im Drowviertel lief geordnet, beinahe diszipliniert, Armbrüste wechselten die Hände. Kettenhemden wurden angepasst, und dennoch lag eine Nervosität in der Luft, die selbst Stahl nicht vertreiben konnte. Jhea’kryna wandte sich um, musterte den Späher einen Augenblick lang schweigend und bedeutete ihm dann, zu sprechen.

„Malla Ilharess“, begann er und neigte den Kopf tief, „wir haben einen Zugang gefunden.“

Ihre Augen verengten sich kaum merklich. „Sprich weiter.“

„Unterhalb der alten Höhlen von Covetous, nahe der eingestürzten Passage, gibt es einen Durchbruch, keinen frischen, sondern einen sehr alten, teilweise verschüttet, aber begehbar.“ Er schluckte. „Die Zeichen sind eindeutig. Diese Tunnel führen nicht nur unter dem Gebirge hinweg. Sie führen zurück. Nach Elashinn.“

Einen Herzschlag lang sagte Jhea’kryna nichts, und in dieser Stille lag mehr Gewicht als in mancher Drohung. Dann trat sie langsam näher, legte zwei Finger an das Kinn des Spähers und hob seinen Blick an. „Bist du sicher, dass es Elashinn ist, und nicht irgendein vergessener Nebenbau?“

„Ich habe die Markierungen gesehen“, antwortete er hastig. „Die alten Runen, die Bauweise, die Krümmung der Gänge. Das ist unser Stein. Unser Weg.“

Jhea’kryna ließ ihn los und wandte sich ab, während ein leises, fast zufriedenes Lächeln über ihr Gesicht huschte. „Dann war die Stadt nie wirklich verloren“, murmelte sie mehr zu sich selbst als zu den Anwesenden. Lauter fügte sie hinzu: „Ruft Tath’raen. Und Sarkul. Mein Qu’ellar soll sich bereithalten.“

Als die Namen fielen, ging ein leises Raunen durch den Raum. Einer der Sargtline wagte einzuwenden: „Malla Ilharess, Moonglow ist noch nicht gesichert.“

Jhea’kryna blieb stehen und sah über die Schulter zurück, ihre Stimme ruhig, aber scharf wie ein gezogener Dolch. „Moonglow war nie unser Ziel. Es war ein Übergang.“

Sie trat an den Tisch, stützte sich darauf und sprach nun mit jener Klarheit, die keinen Widerspruch duldete. „Wenn es einen Weg zurück nach Elashinn gibt, dann ist es Zeit, ihn zu gehen. Diese Stadt kennt uns, diese Tiefe gehört uns, und was dort unten wartet, wird eher uns folgen als ihnen.“

Sie richtete sich auf. „Wir kehren zurück. Nicht fliehend. Sondern vorbereitet.“
Und zum ersten Mal seit Tagen lag in ihrer Stimme nicht nur Planung, sondern Gewissheit.
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