[Quest] Die dunklen Tage von Britain

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Erzaehler
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[Quest] Die dunklen Tage von Britain

Beitrag von Erzaehler »

Die Vorkommnisse auf dem Friedhof

In den späten Stunden der Nacht lag der Friedhof von Britain beinahe vollkommen still. Der Lärm der Stadt drang nur noch gedämpft bis zwischen die Grabsteine, und selbst das Licht der wenigen Laternen an den angrenzenden Straßen verlor sich rasch zwischen alten Mauern, Bäumen und verwitterten Monumenten. Es war jene Stunde, in der kaum jemand einen Grund hatte, diesen Ort aufzusuchen.

Dennoch bewegte sich eine einzelne Gestalt zwischen den Gräbern.

Sie trug dunkle Kleidung und hielt sich abseits der Wege. Ihr Gang war weder hastig noch unsicher. Immer wieder blieb sie vor einzelnen Grabstätten stehen, betrachtete die Inschriften und verglich sie offenbar mit einigen Notizen, die sie bei sich führte. Nicht jedes Grab schien von Interesse zu sein. Manche wurden nach einem kurzen Blick verworfen, andere eingehender betrachtet. Besonders die jüngeren Gräber schienen die Aufmerksamkeit des nächtlichen Besuchers auf sich zu ziehen.

Schließlich fiel die Wahl.

Was daraufhin geschah, hatte wenig von der Hast eines gewöhnlichen Grabräubers. Die unbekannte Person arbeitete ruhig und zielgerichtet. Erde wurde beiseitegeschafft, bis der darunterliegende Sarg erreicht werden konnte. Dabei schien es nicht darum zu gehen, Wertgegenstände oder Grabbeigaben an sich zu nehmen. Schmuck, persönliche Gegenstände und alles, was einen gewöhnlichen Dieb hätte interessieren können, blieb zurück.

Das eigentliche Ziel war der Leichnam.

Noch in derselben Nacht wurden weitere Grabstätten geöffnet. Auch hier zeigte sich dasselbe Muster. Die Toten verschwanden, während alles andere weitgehend unangetastet blieb. Die Auswahl schien keineswegs zufällig zu erfolgen. Manche Gräber wurden geöffnet, andere unmittelbar daneben nicht einmal angerührt. Was die unbekannte Gestalt zu ihrer Auswahl bewog, ließ sich von außen nicht erkennen.

Bei aller Sorgfalt ließ sich eine solche Arbeit jedoch nicht vollständig verbergen.
Frisch bewegte Erde unterschied sich selbst im schwachen Licht von einem Grab, das seit Wochen unberührt gelegen hatte. An einigen Stellen waren Abdrücke im feuchten Boden zurückgeblieben. Gras war niedergetreten worden, Erde lag dort, wo sie nicht hingehörte, und an wenigstens einem Grab zeigte das Holz Spuren davon, dass der Sarg nach seiner Bestattung erneut geöffnet worden war. Die Gräber waren anschließend wieder geschlossen worden, doch nicht mit jener Sorgfalt, mit der ein Totengräber seine Arbeit beendet hätte.

Noch vor dem ersten Licht des Morgens verließ die Gestalt den Friedhof.

Mit ihr verschwanden mehrere Tote.

Zurück blieben scheinbar geschlossene Gräber und ein Friedhof, der auf den ersten Blick kaum verändert wirkte. Erst bei genauerem Hinsehen offenbarte sich, dass in dieser Nacht etwas geschehen war. Und spätestens als die ersten Besucher am folgenden Tag zwischen den Grabreihen entlanggingen, ließ sich nicht mehr übersehen, dass einige Stellen ungewöhnlich frisch aufgewühlt wirkten.

Was zunächst wie eine einzelne beschädigte Grabstätte erscheinen mochte, wiederholte sich an anderer Stelle. Dann an einer weiteren.

Mehrere Gräber waren geöffnet worden.

Wertsachen schienen nicht das Ziel gewesen zu sein.

Und dort, wo eigentlich die Toten Britains hätten ruhen sollen, fehlten die Leichname.

Warum jemand ausgerechnet die Körper der Verstorbenen benötigte und wohin sie gebracht worden waren, blieb zunächst unbekannt. Für die Bewohner Britains gab es vorerst nur die sichtbaren Spuren jener Nacht.

Und die beunruhigende Gewissheit, dass jemand begonnen hatte, die Toten aus ihren Gräbern zu holen.
Crovax Donnerhall
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Die Reichsgarde ermittelt

Beitrag von Crovax Donnerhall »

Reichsfeldwebel Crovax Donnerhall hatte die ersten Gerüchte zunächst nicht weiter beachtet. In einer Stadt wie Britain entstanden Geschichten schnell, und gerade Dinge, die sich nachts auf einem Friedhof abgespielt haben sollten, wurden mit jedem Erzähler größer. Von beschädigten Gräbern war die Rede, von offenen Särgen, manche behaupteten gar, Tote seien verschwunden. Solange niemand eine offizielle Meldung machte, blieb es für ihn jedoch genau das: Gerede. Erst als im Laufe des Tages mehrere besorgte Bewohner bei der Reichsgarde vorsprachen und unabhängig voneinander von aufgewühlten Grabstellen berichteten, änderte sich die Lage. Einer der Männer gab an, das Grab eines Verwandten am Morgen in einem Zustand vorgefunden zu haben, der ihm merkwürdig erschienen war. Die Erde habe anders gelegen als zuvor, frischer, unruhiger, an den Rändern teilweise eingesunken. Eine weitere Bewohnerin berichtete von einem benachbarten Grab, an dem es ähnlich ausgesehen habe. Niemand hatte jemanden auf dem Friedhof gesehen, niemand konnte eine Person beschreiben, doch die übereinstimmenden Angaben reichten aus, damit Crovax die Sache selbst überprüfte.
Noch bevor er sich zum Friedhof begab, wandte sich Reichsfeldwebel Crovax Donnerhall an Reichsgardist Thorus Ne'rul. Während Crovax den Tatort selbst in Augenschein nehmen wollte, sollte Thorus die Befragung möglicher Zeugen übernehmen. Er erhielt den Befehl, sich im Umfeld des Friedhofs und in den angrenzenden Straßen umzuhören, Personen ausfindig zu machen, die sich während der Nacht noch draußen aufgehalten hatten, und jede Beobachtung festzuhalten, die mit den Vorkommnissen in Verbindung stehen könnte. Besonders sollte er darauf achten, ob jemand fremde Personen, Licht auf dem Friedhof, ungewöhnliche Geräusche, Fuhrwerke oder andere Auffälligkeiten bemerkt hatte. Crovax machte deutlich, dass auch scheinbar belanglose Aussagen aufgenommen werden sollten. Ob sie von Bedeutung waren, konnte später entschieden werden.

Während Thorus mit der Suche nach möglichen Zeugen begann, machte sich Crovax selbst auf den Weg zum Friedhof. Vor Ort verschaffte er sich zunächst einen Überblick über das Gelände. Er begann nicht sofort bei den gemeldeten Grabstellen, sondern betrachtete zunächst Wege, Zugänge und die nähere Umgebung. Der Boden war an einigen Stellen feucht und weich genug, dass gewöhnliche Spuren hätten erhalten bleiben können. Allerdings waren seit dem Morgen bereits Besucher, Angehörige und Totengräber über Teile des Geländes gegangen, sodass sich nur schwer feststellen ließ, welche Abdrücke aus der vergangenen Nacht stammten und welche erst im Laufe des Tages entstanden waren.
Crovax ließ sich die auffälligen Grabstellen zeigen und untersuchte jede davon einzeln. Bei mehreren Gräbern war deutlich zu erkennen, dass die Erde vor nicht allzu langer Zeit bewegt worden war. Zwar hatte jemand versucht, die Oberfläche wieder zu schließen, doch die Arbeit war nicht sauber genug gewesen, um einen genaueren Blick zu täuschen. Die Erde war lockerer als bei den umliegenden Gräbern, Grasnarben lagen an einigen Stellen verschoben, und die Ränder der Grabstellen wirkten unregelmäßig. An wenigstens einem Grab zeigten sich zudem Beschädigungen am Holz darunter, die darauf hindeuteten, dass der Sarg nach der Bestattung erneut geöffnet worden war.

Crovax ließ schließlich zwei der auffälligsten Gräber überprüfen. Dabei bestätigte sich, was zunächst nur als Gerücht durch Britain gegangen war. Die Särge waren geöffnet worden, und die darin bestatteten Leichname fehlten. Auffällig war jedoch, dass kein gewöhnlicher Grabräuber am Werk gewesen zu sein schien. Persönliche Gegenstände, einfache Schmuckstücke und andere Grabbeigaben waren zurückgelassen worden. Es fehlten die Toten selbst. Crovax nahm diesen Umstand besonders genau zur Kenntnis. Wer sich nachts die Mühe machte, Gräber zu öffnen und anschließend wieder zu schließen, nur um die Leichname zu entfernen, hatte offensichtlich einen anderen Grund als bloße Bereicherung.
Er suchte den unmittelbaren Bereich um die betroffenen Gräber systematisch nach weiteren Hinweisen ab. Im feuchten Boden fanden sich zahlreiche Abdrücke, doch keiner davon ließ sich mit Sicherheit der Tatnacht zuordnen. Werkzeugspuren waren entweder zu undeutlich oder durch die nachfolgenden Arbeiten bereits teilweise verwischt worden. Es gab keine zurückgelassenen Werkzeuge, keine Stoffreste, keine persönlichen Gegenstände und keine eindeutigen Schleifspuren, aus denen sich hätte erkennen lassen, auf welchem Weg die Leichname vom Friedhof geschafft worden waren. Auch über die Anzahl der Täter ließ sich nichts sagen. Es war ebenso möglich, dass eine einzelne Person mit genügend Zeit gearbeitet hatte, wie dass mehrere Beteiligte gemeinsam vorgegangen waren.

Während Crovax den Friedhof untersuchte, führte Thorus Ne'rul die angeordneten Befragungen durch. Totengräber, Bewohner der angrenzenden Straßen und Personen, die angaben, in der betreffenden Nacht noch spät unterwegs gewesen zu sein, wurden nach möglichen Beobachtungen gefragt. Die Ergebnisse blieben jedoch dürftig. Niemand hatte eine verdächtige Person auf dem Friedhof gesehen. Ein Bewohner glaubte, in der Nacht ein dumpfes Geräusch gehört zu haben, konnte jedoch weder die genaue Zeit noch die Richtung bestimmen. Ein anderer berichtete, Hunde hätten ungewöhnlich lange angeschlagen, doch auch daraus ließ sich nichts Verwertbares ableiten. Niemand konnte von Licht auf dem Friedhof berichten, niemand hatte ein verdächtiges Fuhrwerk gesehen, und niemand konnte eine Person nennen oder beschreiben, die mit den geöffneten Gräbern in Verbindung gebracht werden konnte.
Nachdem Crovax seine Untersuchung vor Ort abgeschlossen hatte und die Ergebnisse der Befragungen durch Thorus zusammengetragen worden waren, blieb nur ein ernüchterndes Bild. Mehrere Gräber waren nachweislich geöffnet worden. Aus den betroffenen Särgen fehlten die Leichname. Hinweise auf gewöhnlichen Diebstahl lagen nicht vor, da Wertgegenstände und Grabbeigaben zurückgelassen worden waren. Verwertbare Spuren am Tatort konnten nicht gesichert werden. Die vorhandenen Abdrücke ließen sich aufgrund des nachfolgenden Besucherverkehrs nicht eindeutig zuordnen. Es gab weder glaubwürdige Augenzeugen noch eine Beschreibung möglicher Täter. Auch über Anzahl, Motiv und Fluchtrichtung ließ sich keine belastbare Aussage treffen.

Am Abend setzte sich Crovax daran, die bisherigen Erkenntnisse für den Hauptmann in einem Bericht zusammenzufassen. Der Sachverhalt ließ sich trotz aller Gerüchte recht knapp festhalten: Mehrere Gräber auf dem Friedhof von Britain waren in der Nacht geöffnet worden, die darin bestatteten Leichname fehlten, Wertgegenstände waren zurückgelassen worden. Die Befragung möglicher Zeugen hatte keine verwertbaren Hinweise erbracht. Am Tatort hatten sich keine eindeutigen Spuren sichern lassen, die Rückschlüsse auf Täter, Anzahl der Beteiligten oder deren weiteren Weg ermöglichten.

Crovax las den Bericht ein letztes Mal, ehe er ihn versah und zur Weitergabe vorbereitete.

Ermittlung gegen Unbekannt.

Mehr ließ sich zu diesem Zeitpunkt nicht feststellen. Die Gräber waren geschändet worden, die Toten verschwunden, und wer auch immer dafür verantwortlich war, hatte nichts zurückgelassen, das unmittelbar zu ihm führte. Für die Reichsgarde blieb damit vorerst nur, den Vorgang festzuhalten, weitere Meldungen aufmerksam zu verfolgen und darauf zu achten, ob sich auf dem Friedhof oder an anderer Stelle in Britain ein ähnliches Muster wiederholen würde.
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Shezar
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Re: [Quest] Die dunklen Tage von Britain

Beitrag von Shezar »

Ein Bericht unter vielen

Der Nachmittag war bereits weit fortgeschritten, als Shezar noch immer an seinem Schreibtisch saß. Das Dienstzimmer unterschied sich deutlich von jenem verborgenen Gewölbe tief unter den Straßen Britains, in dem er einen beträchtlichen Teil seiner Nächte verbrachte. Hier gab es keine anatomischen Zeichnungen zwischen alchemistischen Gerätschaften, keine konservierten Präparate und keine Leichname auf schwarzem Stein. Stattdessen lagen vor ihm die alltäglichen Angelegenheiten einer Stadt und ihrer Garde: Schreiben von Bürgern, Wachpläne, Meldungen über kleinere Zwischenfälle, Anträge, Beschwerden und jene Berichte, die aufgrund seiner Stellung früher oder später auf seinem Tisch landeten. Als Bürgermeister von Britain und Hauptmann der Reichsgarde war es Shezars Aufgabe, Entscheidungen zu treffen, die andere zuvor vorbereitet hatten. Manche Vorgänge benötigten lediglich seine Kenntnisnahme. Bei anderen waren weitere Ermittlungen anzuordnen, zusätzliche Kräfte einzusetzen oder Maßnahmen zu verfügen. Wieder andere endeten hier, wenn sich weder ein hinreichender Verdacht noch ein sinnvoller Ermittlungsansatz ergeben hatte.

Es klopfte an der Tür. Auf Shezars Aufforderung trat der an diesem Tag für den Schriftverkehr eingeteilte Reichsgardist ein. Unter seinem Arm trug er eine schmale Mappe mit den jüngsten Berichten aus der Wachstube. „Die letzten Meldungen des Tages, Herr Hauptmann.“ Shezar hob nur kurz den Blick von dem Schreiben, das vor ihm lag. „Legt sie dort ab.“ Der Gardist trat an den Schreibtisch, legte die Unterlagen auf die dafür vorgesehene Seite und entfernte sich nach einer knappen Verabschiedung wieder. Erst als die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen war, zog Shezar die Mappe zu sich.

Es war Routine. Genau das machte den Vorgang so gewöhnlich. Ein Bericht über einen Streit, bei dem keine weiteren Maßnahmen notwendig erschienen. Eine Meldung über einen nächtlichen Zwischenfall, dessen Beteiligte bereits festgestellt worden waren. Ein Vorgang, bei dem Shezar am Rand einige Worte für eine ergänzende Befragung notierte. Die Schreiben wanderten nacheinander von einer Seite seines Tisches auf die andere, versehen mit kurzen Anmerkungen, Unterschriften oder den notwendigen Anweisungen für das weitere Vorgehen. Dann nahm er das nächste Blatt aus der Mappe.

Schon die ersten Zeilen ließen seine Hand für einen kaum merklichen Augenblick ruhen.

Friedhof von Britain.

Shezar las weiter.

Mehrere Gräber waren während der Nacht geöffnet worden. Aus den betroffenen Särgen fehlten die darin bestatteten Leichname. Wertgegenstände und Grabbeigaben waren zurückgelassen worden, weshalb ein gewöhnlicher Diebstahl als Motiv zumindest fragwürdig erschien. Reichsfeldwebel Crovax Donnerhall hatte den Tatort persönlich in Augenschein genommen und Reichsgardist Thorus Ne'rul mit der Suche nach möglichen Zeugen sowie deren Befragung beauftragt. Die bisherigen Ermittlungen hatten keine verwertbaren Ergebnisse erbracht. Niemand hatte einen Täter gesehen. Niemand konnte eine verdächtige Person beschreiben. Geräusche, die einzelne Bewohner in der Nacht gehört haben wollten, ließen sich weder zeitlich noch örtlich zuverlässig zuordnen. Auch die Untersuchung des Friedhofs hatte keine eindeutigen Spuren ergeben. Die vorhandenen Fußabdrücke waren durch Besucher und Totengräber nicht mehr zuverlässig der Tatzeit zuzuordnen. Werkzeugspuren ließen keine Rückschlüsse auf eine bestimmte Person zu. Es gab keine zurückgelassenen Gegenstände und keinen Hinweis darauf, auf welchem Weg die verschwundenen Leichname abtransportiert worden waren.

Shezar las den Bericht vollständig. Jede einzelne Feststellung.

Ermittlung gegen Unbekannt.

Sein Blick blieb einen Moment auf den letzten Zeilen ruhen. Crovax hatte sauber gearbeitet. Der Friedhof war überprüft worden, mögliche Zeugen waren gesucht und befragt worden, die vorhandenen Spuren waren bewertet worden. Es gab gegenwärtig keinen Namen, keinen Verdächtigen und keinen brauchbaren Ermittlungsansatz. Unter gewöhnlichen Umständen hätte Shezar vermutlich eine kurze Verfügung daruntergesetzt. Weitere Ermittlungen bei neuen Erkenntnissen. Vorgang zunächst offenhalten. Vielleicht zusätzliche Aufmerksamkeit der nächtlichen Streifen im Umfeld des Friedhofs. Nichts Außergewöhnliches.

Nur waren die Umstände nicht gewöhnlich.

Shezar wusste, wer die Gräber geöffnet hatte.

Er wusste, weshalb die Wertgegenstände noch dort lagen.

Und er wusste auch, wohin die verschwundenen Toten gebracht worden waren.

Sein Gesicht zeigte nichts davon.

Shezar legte den Bericht auf den Schreibtisch und nahm für einen Augenblick die Feder zur Hand. Die Spitze schwebte über dem unteren Rand des Blattes. Eine Verfügung zur Fortführung der Ermittlungen wäre leicht gewesen. Ebenso hätte er den Vorgang mangels weiterer Ansätze vorläufig einstellen können. Beides hätte auf dem Papier vollkommen gewöhnlich ausgesehen.

Doch jedes Schriftstück besaß die unangenehme Eigenschaft, erhalten zu bleiben. Shezar legte die Feder wieder ab.

Er nahm stattdessen den Bericht in die Hand und erhob sich. Ohne Hast ging er durch das Dienstzimmer. Seine Schritte führten ihn an den Regalen und den ordentlich abgelegten Akten vorbei bis zu dem Kamin, in dem ein ruhiges Feuer brannte. Noch während er darauf zuging, zerriss er den Bericht.

Einmal. Dann ein zweites Mal.

Die einzelnen Stücke hielt er noch einen Augenblick zwischen den Fingern, bevor er sie in die Flammen fallen ließ.

Das trockene Papier fing schnell Feuer. Zuerst rollten sich die Ränder zusammen, dann fraß sich das Orange der Flammen durch die Schrift. Der Name des Friedhofs verschwand, anschließend die Feststellungen der Reichsgarde, die Aussagen der Befragten und schließlich die letzten Zeilen der Ermittlung gegen Unbekannt. Shezar blieb vor dem Kamin stehen, bis aus dem Bericht nur noch dunkle, zerfallende Reste geworden waren.

Shezar wandte sich vom Kamin ab und ging zu seinem Platz zurück. Die nächste Akte lag bereits vor ihm. Er schlug sie auf, nahm die Feder wieder zur Hand und setzte seine Arbeit fort.

Im Kamin zerfiel der letzte Rest des Berichts zu Asche.
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