Beiname
- Der Erste der Elfen
Ausrichtung
Licht
Herkunft und Geschichte
Die ältesten elfischen Überlieferungen beschreiben Corellon nicht lediglich als Schöpfer, sondern als Ursprung dessen, was das elfische Wesen ausmacht. Aus seinem göttlichen Blut sollen die ersten Elfen hervorgegangen sein: wandelbar, frei und von der Fähigkeit erfüllt, sich selbst immer wieder neu zu gestalten. Andere Erzählungen sprechen weniger von einer körperlichen Schöpfung als von einem Erwachen. Nach ihnen schenkte Corellon den ersten Elfen nicht ihre Gestalt, sondern die Freiheit, eine eigene Gestalt und einen eigenen Weg zu wählen.
Auf Schattenwelt gilt Corellon vor allem den Lichtelfen als Verkörperung schöpferischer Kraft. Magie, Kunst, Musik, Dichtung und meisterhafte Handwerkskunst sind in seinem Glauben keine voneinander getrennten Disziplinen. Sie alle entspringen derselben Fähigkeit, etwas zu erkennen, das noch nicht existiert, und ihm eine Form zu geben.
Corellon ist jedoch kein Gott weltabgewandter Schönheit. Die alten Geschichten zeigen ihn ebenso als entschlossenen Verteidiger seines Volkes. Das kunstvoll geführte Schwert, die mit Bedacht gewirkte Magie und das schützende Wort gehören für seine Anhänger zum selben Erbe. Gewalt ist für Corellon kein Ideal, doch Freiheit und Leben dürfen verteidigt werden, wenn Unterdrückung, Zerstörung oder Furcht sie bedrohen.
Den schärfsten Gegensatz zu seiner Lehre bildet Lloth. Überlieferungen erzählen, dass sie Corellon einst nahestand, sich jedoch gegen ihn wandte. Wo Corellon den Elfen die Möglichkeit geben wollte, sich selbst zu entfalten, erkannte Lloth in Freiheit vor allem eine Gelegenheit, die Schwächeren durch die Stärkeren beherrschen zu lassen. Ihr Bruch war damit mehr als ein persönlicher Verrat. Er war die Trennung zweier unvereinbarer Vorstellungen elfischer Größe: Schöpfung oder Unterwerfung, Entfaltung oder Herrschaft, Verantwortung oder Macht um ihrer selbst willen.
Diese Geschichte begründet keine Vielzahl weiterer elfischer Gottheiten auf Schattenwelt. Corellon steht als eigenständiger Gott für den Glaubensweg der Lichtelfen. Andere Wesen aus alten Erzählungen besitzen keinen eigenen Kult und keine eigene Priesterschaft. Sollten sie in Geschichten erscheinen, sind sie Boten, Wächter oder Prüfende – nicht zusätzliche Götter, denen Spieler folgen können.
Profil
Corellon steht für Freiheit, Wandel, Schönheit, Magie und schöpferische Entfaltung. Er fordert seine Gläubigen auf, Begabungen nicht ungenutzt verkümmern zu lassen. Ein Werk soll nicht nur seinen Zweck erfüllen, sondern die Sorgfalt und den Geist seines Schöpfers erkennen lassen. Dies kann ein Lied, ein Zauber, ein Garten, ein Gebäude oder auch eine meisterhaft geführte Klinge sein.
Schönheit bedeutet in seinem Glauben jedoch keine starre Vollkommenheit. Etwas ist nicht deshalb schön, weil es einer alten Form fehlerlos entspricht. Schönheit entsteht dort, wo Können, Aufrichtigkeit und eigene Vorstellungskraft zusammenfinden. Wer lediglich kopiert, was frühere Generationen erschaffen haben, bewahrt vielleicht deren Werk, setzt ihren schöpferischen Geist aber nicht fort.
Darum besitzt auch Wandel einen hohen Stellenwert. Corellon verlangt nicht, dass ein Elf für immer jener bleibt, der er gestern gewesen ist. Erkenntnis, Erfahrung und persönliches Wachstum dürfen einen Gläubigen verändern. Herkunft und Tradition bilden Wurzeln, aber keine Ketten. Die Freiheit zur eigenen Entwicklung endet erst dort, wo sie dazu benutzt wird, anderen ihre Freiheit zu nehmen.
Magie gilt als eine besonders reine Form dieser grenzenlosen Möglichkeit. Sie ist weder bloßes Werkzeug noch Beweis persönlicher Überlegenheit. Ein Magier, der seine Macht nur sammelt, um andere zu beherrschen, widerspricht Corellons Lehre ebenso wie ein Künstler, der sein Talent allein zur eigenen Erhöhung nutzt. Begabung erzeugt Verantwortung: Wer mehr vermag, kann mehr erschaffen, bewahren und beschützen.
Der Glaube birgt dabei eine Gefahr, vor der seine Lehrer ausdrücklich warnen: Aus dem Streben nach Schönheit und Meisterschaft kann leicht Hochmut entstehen. Ein Lichtelf, der andere Völker oder weniger Begabte grundsätzlich für minderwertig hält, verwechselt Können mit Wert. Corellon ruft seine Anhänger dazu auf, das Außergewöhnliche zu suchen, nicht sich selbst ohne Prüfung für außergewöhnlich zu erklären.
Unter Corellons Gläubigen können sich Magier, Künstler, Handwerker, Gelehrte, Krieger, Reisende oder einfache Bürger befinden. Entscheidend ist nicht, welchem Beruf jemand nachgeht, sondern ob er Freiheit und Schöpfung achtet, seine Fähigkeiten entwickelt und bereit ist, das Leben und die Entfaltung anderer zu verteidigen.
Kult
Der Kult Corellons kennt Gebete, Lieder und feierliche Werke, doch keine einzelne Form gilt als allein richtig. Manche Gläubige verehren ihn in reich gestalteten Hallen, andere vor einem unvollendeten Gemälde, während eines Musikstücks oder in der stillen Konzentration vor einem Zauber. Die schöpferische Handlung selbst kann zum Gebet werden, wenn sie mit Hingabe und Verantwortung ausgeführt wird.
Alte Werke und Überlieferungen werden hoch geachtet. Sie sollen bewahrt, studiert und verstanden werden. Corellons Lehre verlangt jedoch nicht, jede alte Form unverändert fortzuführen. Tradition besitzt Wert, weil sie kommenden Generationen etwas übergibt. Wird sie nur noch befolgt, weil niemand eine Veränderung wagt, verliert sie ihren schöpferischen Sinn.
Seine Anhänger sollen Freiheit nicht nur für sich selbst fordern. Wer einen anderen durch Zwang, Furcht oder Abhängigkeit daran hindert, den eigenen Weg zu wählen, greift einen Grundpfeiler des Glaubens an. Aus diesem Grund stehen Corellons Gläubige Tyrannei und der Lehre Lloths besonders entschieden entgegen.
Das bedeutet nicht, dass jeder Streit sofort mit dem Schwert beantwortet wird. Überzeugung, Wissen, Kunst und Beispiel können ebenso mächtig sein wie Gewalt. Wird jedoch das Leben oder die Freiheit anderer unmittelbar bedroht, verlangt Corellon nicht, tatenlos auf eine schönere Lösung zu warten. Auch der Kampf kann eine Kunst sein – aber niemals ein Werk, dessen einziger Zweck die eigene Eitelkeit ist.
Wer Corellon folgt, entscheidet sich für einen Glauben, der persönliche Entfaltung mit Verantwortung verbindet. Der Gläubige soll Neues wagen, ohne das Gewesene verächtlich zu machen; nach Meisterschaft streben, ohne andere geringzuschätzen; und seine Freiheit bewahren, ohne die Freiheit anderer zu opfern.
